Cefalu – Sizilien in two days

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In Cefalu ist es schön, so unsere Erwartung aufgrund eines geschenkten Info-Buchs für Segler aus 1979 (Danke nochmals an Urs). Tja und das hat auch gestimmt… die Stadt hat uns in ihren Bann gezogen, wir sind mehrmals reingelatscht um einzukaufen, essen zu gehen oder einfach nur die imposanten römischen Waschbecken unterhalb der hoch erhobenen Häuser zu bestaunen, wo das Wasser kalt durchsaust und jeder seine Beinchen kühlen kann, ohne was zu löhnen und das schon seit tausend Jahren mindestens. Nicht alles was nix kostet ist nix wert wie man sieht. Am Hauptplatz singt ein Liedersänger den ganzen Abend und die Gäßchen sind so eng, dass die Säume der an den Wäschenleinen baumelnden Höschen fast eine Sonnenfinsternis herbeiführen. Schön, einmal in einer fernsehkulissenhaften Umgebung zu schwitzen. Leider wurden die Schnorchelphantasien in der wunderbaren Hafen-Bucht unterhalb der Festung jäh zerschlagen – zu viel Müll entlag des Strandes, das Wasser glänzte regenbogenfarben vom auslaufenden Diesel der Tankstelle und Kindbert meinte, er könne da nicht reingehen, ohne sich wie eine Ölsardine zu fühlen, sicher werde er davon krank. Wir hoffen doch für Cefalu und für die dorthin Reisenden, dass es ein Unfall war – es wäre schade, wenn dieser Schmutz ein Dauerzustand wäre. Aber, alles hat was Gutes, wir spazierten ein wenig in den Bootsfriedhöfen rum und fanden Plastikteile, die helfen würden, unser krankes Beiboot (eine Halterung der Rückwand war gebrochen) wieder hinlänglich zu stabilisieren.

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Nach schlaftrunkener Nacht weckten uns laute Kanonenschüsse. Was war das? Krieg? Sprengung? Fregattenfest der Trunkenbolde? Flatolenzen im großen Stil? Nein: es waren nur die Christen. Die ließen nämlich ihre holy virgine Mary hoch leben. Mit Böllern so gewaltig, dass unsere Trommenfelle auf Anschlag gingen. Wir schauten dem Treiben zu und zählten von fünf rückwärts, bis zum nächsten Kawumm. Zum Glück hatte der Herr Pfarrer ein Megaphon auf seiner Schiffspredigt. Niemand hätte ihn gehört. Zum Abschluss gabs eine Messe im Hafengelände – unter Hunderten von Gläubigen und Schaulustigen.

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Eigentlich wollten wir in zwei Tagen Richtung Trapani (am Westrand von Sizilien) lossegeln. Sizilien soll ja wunderschön sein – und wir hatten Zeit und Lust, etwas zu wandern. Aber die Wege der SeglerInnen sind ja oft verschlungen und unser Schicksal wollte es anders. Einem Gewitter an der Küste ausweichend erinnerten wir uns an die Worte des Skipperschönlings von der Nachbaryacht „Ustica is beautiful“ – also ab zur Insel Ustica Richtung nordost, um dort eine Nacht auszuruhen, bevor wir das Thyrrenische Meer ein letztes Mal durchkreuzen würden. Wie schon so oft kamen wir nachts an, in völliger Dunkelheit war an ein Ankern nur knapp an den Klippen zu denken, bei nur 50 Meter Ankerkette – no way. Yachten um Yachten drängten sich im gespenstischen Wasser um die Steine und Felsen. Per Handynavigation gings ca. 50 Meter knapp an die Klippen; zu tief, kein ankern, zu gefährlich. Spontan sein – hurra, so wie im Abenteuer-Märchen – direkt nach Sardinien.
So trieb uns der Unmut hinaus aufs Meer – da schimpft es sich auch leichter auf die blöden Inseln mit ihren wenigen Stellplätzen und alle Angst vor der Leere sind vergessen. Endlich Platz für Emotionen. Schließlich wurde auch noch unser geheiligtes HandyApp-Pocket-Grib-Orakel befragt…….und es kam wie „propheziehn“:  Fahret hin in Ruhe und Frieden!

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Auf der Überfahrt von Sizilien (213 Seemeilen) nach Sardinien konnten wir nur 7 Stunden segeln. Der Rest war Motorfahrt wegen Totalflaute. Nicht einmal ein Wellchen war zu erblicken, geschweige denn, dass sich ein Winderl hätte spüren lassen. „Der einzige Wind, der hier weht, kommt von sozial tabuisierten Orten“ meinte Papabert. Spiegelglatt war die See, wie in Breitenbrunn aber mit zwei Kilometer Wasser unter uns. Die Wiederkehr des Nichts – fast glaubte man durch die Luft zu schweben. Auch die Nachtfahrten waren angenehm, wir waren nur einmal kurz mit einem Tanker auf Kollisionskurs (das einzige Schiff, das wir sahen), sonst aber verliefs wie am Schnürchen. Mit Kindbert Papierflieger basteln und zielfliegen, Hackysack-üben im Cockpit. Wir entdeckten tausendmal gesehene Filme auf Englisch neu.

Mit viel Sitzfleisch und durchvibrierten Hintern erreichten wir Sardiniens Südspitze glücklich und auch etwas stolz. Das einzig Blöde ist nur, dass wir für die Motorfahrten keinen Autopiloten haben – 43 Stunden steuern, alle 2-3 Stunden eine Ablöse, gar nicht urlauberisch, sondern fast wie Schichthackln, aber das geht so nicht weiter  – in Mallorca bekommen wir ob unserer tollen und treuen Freundin einen Pinnenpiloten geliefert, der wird in die Windfahne eingekuppelt. Alles geht.

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