Capraia im Frühling

Verdammt, waren das Gerüche in den Gassen von Capraia City, jeder einzelne lässt die Gene hochfahren, das Herzerl, die Romantik, versprüht Lebensenergie und Vitalität, mit Blütenoptik, Gras, Baumharzduft…. der Kreislauf, die nervliche Anspannung, die geistigen Horizonte, alles hebt und senkt sich, wogt dahin wie ein Korken im Wasser, bis Capraia drei Tage später achteraus in einer Nebelwand verschwindet und im Nirgendwo geheimnissvoll auf den nächsten Besuch wartet.

Bildergebnis für capraia

Wir standen drei Tage in einer traumhaften Bucht, der einzigen von Capraia im Nordosten, eine hübsche Einfahrt, ausgeschildert backbords mit einem cubistischen Kastello auf einem Steilfelsen und einem weiß getünchten Leuchtturm. Um die Ecke wirds etwas flacher, mit Steinen, Mauern, Beflanzungen kultiviert und mit einem Weg nach oben bis zu einem Torre. Da ist er wieder, dieser vertraute harzhaltige Geruch nach Zitrone irgendwie, aber auch nach Wein, Thymian oder Salbei. Blöderweise drängen beim Einlaufen in die Bucht zwei kürzere Hafenmolen ins Auge, so hoch aufragende Biester aus riesigen Steinen – aber – wer kann es den wenigen Einheimischen verdenken, wenn sechs Monate im Jahr schwere Brecher und Sturm die Beckdecken befeuchteln?

 

Dann gehen wir vor Anker im Bojenfeld, ankern verboten zwar – aber, das kann nur im Sommer gelten – wenn 50 Yachten die Bucht belegen und sicher auch beschallen. Die Bojen waren nicht mal gesetzt. Nur die Betonfundamente sah man im klaren Wasser bis auf zwölf Meter. Fünf Minuten später sitzen wir im Salon, schauen hinaus auf die Berghänge, die allesamt nach Sonne, Wein, Salz und Staub aussehen, dann essen wir die fette Rohwurst der Italiener und einen zu einer Rollade gepressten Speck, geil !! Im Urlaub kann man sich ja alles erlauben, oder? Vor allem, wenn einem die Fleischeslust in die Birne steigt…. Dazu ein gefügiger Espresso und das Schreien der Möwen. Ist das Urlaubsflair? Kanns was anderes sein? Das Leben, ja es ist zurück!! Ja, es ist,…. Yes, we can!!

Überhaupt sind wir um vieles mehr routinierter als noch bei unserer Reise durchs Mittelmeer im Jahr 2013. Nun haben wir keine Angst mehr vor den Geräuschen, die uns vor Anker so durch den Traum wackeln, wenn die Dünung reinläuft und Ilva in eine Pendeluhr ohne Kuckkuck verwandelt. Ohne Wind beginnts eben wild zu schaukeln, was ist das Problem?

Das Leben auf einer Insel erscheint uns sinnlos, weil es in keinem Zusammenhang steht. Und Capraia steht mit dem Nichts in Zusammenhang. Ganz allein, es taucht einfach aus dem Nichts am Horizont auf wie die Osterinsel. Und dann, bist du erst mal da, fahren genau die selben Autos wie am Festland, nur, du weißt, eigentlich können die gar nirgends wohin fahren. Es gibt hier nur 800 Meter Straße!! Das hindert einen Ducatiheizer aber nicht, die Kurve entlang der Bucht mit einem Aufheuler zu nehmen, aber so richtig molto bene!! Das ist ausnahmsweise ein richtig witziger Aufheuler. Weil, so ganz ohne Zusammenhang!! Von oben, von den Bergen aus sieht man bis aufs Festland, bis nach Piombino, Elba Richtung Südosten ist genauso präsent wie Korsika im Westen, mit tief verschneiten Bergen. Fassungslos stehen wir am höchsten Punkt von Capraia in einer Kirche aus Stahlträgern, die der Wind und das Salz verrotten ließ. Teile aus Blech liegen weiter unten in der Böschung. Auf einer Broschüre steht, dass es eine Forschungsstation war. Mit solchen Fenstern?

Unser Beiboot zieht erstaunlich viel Wasser. Unklar bleibt, wo es denn eigentlich reinkommt. Mamabert und ich fuhren mit leichter Motorkraft eine Runde in der Bucht, ehe wir in den Hafen liefen, ich am Motor, sie ganz vorne, mit einem Becher in der Hand, schöpfend. Oben auf der Bergstraße (bei schätzungsweise Straßenkilometer 0,4) standen ein paar Wanderer, die lachten, ja, unser fahrendes Regal, aus dem noch Wasser geschöpft wird, sieht sicher zum Zerkugeln aus.

Dann gingen wir in den Ort, gleich links rauf bis zum Torre, und dann verzweigen sich die Wege, einer vorbei an der Polizeistation, mit Innenhof für mindestens zehn Einsatzwagen, und Wohnhäusern mit Balkon mit oder ohne schön gestalteten Stiegenaufgängen.

Bereits am zweiten Abend hat der Kapitän einen Plan für den nächsten Tag erdacht. Zum Leidwesen von Mamabert war es sein fester Wille, einen Gipfelsturm zu wagen. So gings am Tag drei für zwei Stunden bergauf, meist auf einem gemauerten Weg aus umliegenden Steinen, schön gemacht, von — sagen wir mal, Sklavenhand?? Ein Weg, auf dem Spartakus in Richtung Rom oder sonstwo getrieben wurde, erinnerte uns unzählige Male an einen klassichen Via Roma, wir glauben, dass der Name des Wegs jedenfalls so lauten musste. Davor gingen wir noch in die Uffici des Hafens, nach einem Wetterbericht fragen: Che tiempo fa, äh domani?? War die Frage, wir bekamen einen Wetterbericht ausgedruckt, gleich fragten wir noch nach der Tankstelle, gleich neben dem Büro. Ja, bis zum Sommer gibt es nur Self-Service. Ok, gracie. Perfekt. Aber dann schauten wir uns die Tanke an und stellten fest, dass die Hafenmauer unterhalb der Wasserlinie nach draußen sprang. Da bohrten sich also Steine in Ilvas Seitenwand, außer man hat Fender der Marke „Supersize“. Wollten wir Ilva damit bestrafen? Niemals!!!

Bildergebnis für capraia

Nach geglücktem Besuch des Berggipfels auf ca. 400 Meter Seehöhe, einer verrosteten Kirche und so manch anderen Bauwerken mit niederer Festigkeit – außer einer drei Meter dicken Steinmauer, die vorm Nichts abzuwehren schien, kamen wir glücklich und zufrieden auf ILVA zurück. Beiboot abbauen, kochen, Kram verstauen, den Autopilot vorbereiten. Schon bald setzte ablandiger Wind ein – vor Anker ein Geschenk Gottes, dann noch ein Achterl rot, dann ab in die Koje, der Wind kam immer mehr in die Gänge, böig, schon fast 5 bft, dann 6, die Kette riss, neben uns eine Boje mit Blinklicht, die touchierten wir mittlwerweile, weil unser Schwojradius größer und größer wurde. So auch der Wind, schon sicher 7 bft. Wir wussten nicht, ob der Anker gerutscht war, dazu das Wissen und diese komische Dinger unter Wasser mit der losen Vorahnung, dass ich da am nächsten Morgen wohl oder übel tauchen musste – bei 15 Grad Wassertemperatur – und natürlich: Legerwall – hinter uns die Felsen! Ankerversatz einschalten, in die Koje und versuchen, dran zu denken, dass unser Anker noch nie nachgelassen hatte. Schließlich brach der Morgen an und alles war beim Alten. Schon vor dem Frühstück verließen wir die Bucht mit Autopilot, Kurs 60, Cecina im Fokus. Das Wetter war diesig, so hatten wir das Mittelmeer noch nie gesehen. Capraia verschwand schon nach 30 Minuten hinter uns in feuchten Wolken.

Das Schönste am kleinen Urlaub im Nichts war die Gelassenheit, mit der wir herangingen, das erweiterte Genussempfinden, die Freude ohne Stress. Wir hatten allen Spaß der Welt, allen Genuss der Welt, spürten das Dolce Vita, wussten wieder: Es ist möglich, das Dolce Vita versteckt sich gar nicht so aufregend kreativ, wie es manchmal tut, es lässt sich finden, man braucht nur ein Boot und eine Insel. Das reicht.

 

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Wie man eine Segelreise NICHT machen sollte…

7-7-2010-115023-am– wie JACK LONDON, zum Beispiel !!

Auf Empfehlungen hin landete „Die Reise mit der Snark“ auf meinem Schreibtisch. Snark? Das klang vielversprechend, auch London wusste nicht, warum er seinem Schätzchen diesen Namen gab – der soundete einfach gut. SNARK – wie ein Wurm durchs Meer.

Eine Reise um die Welt – ohja? Kann vieles und wenig bedeuten. Jedenfalls war London schon zu der Zeit ein Bestseller-Autor, der durch seine Romane (Der Seewolf, Ruf der Wildnis, Wolfsblut) zu einem stattlichen Vermögen gekommen war. Was macht ein gestandener Amerikaner mit einem Vermögen? Er investiert es, lässt sich ein Boot bauen und fährt mit Frau und ein paar Angestellten um die Welt. Das ist nichts Neues, wie man sieht, denn die Geschichte spielt im Jahr 1907 !!

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London lässt sich also ein Boot bauen, über das die alten Seebären – wie er schreibt – schon am Wirtshaustisch munkelten, dass es nicht segeln könne, weil die Linien falsch seien – einfach falsch.

London kümmerte das wenig, er vertraute auf den Bug des Schiffes, ja, auf den Bug. Und das musste er auch, denn schon kurz nach dem Absegeln von San Francisco schien sich sein Traum vom eigenen Boot in Luft – oder besser in Rost aufzulösen. Kleine Vorstellung gefällig?

Kurs: Hawaii. Auf Honolulu – das sind grob geschätzt 2200 Seemeilen. London macht keine Testfahrten, oder übt die Abläufe, er geht aufs Ganze – ja, weil er schon so spät dran war – das kommt mir bekannt vor??

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Über den Motor, ein neuer Benzinmotor, der schon vor dem Auslaufen seinen Geist aufgegeben hatte schreibt er, dass der Motor ja bloß Zubehör sei – und das ist auch richtig. Die Snark war ja ein Segelboot. Das werde er in Honolulu in Ordnung bringen. Darüber hinaus ist auch das „Rettungsboot“ löchrig wie ein Sieb, aber das Rettungsboot ist auch nur Zubehör. (wers nicht glaubt, bitte nachlesen!!)

Die fugenlose Beplankung des Decks wies schon bei der Abfahrt Fugen auf, sodass Wasser einfach reinsickerte. Roscoe, der Navigator, wurde aus seiner Kajüte einfach „rausgeschwemmt“. Kurs noch Honolulu!!

Aber er hatte ja noch die Badezimmereinrichtung!! Dann segelten sie also am weiten menschenleeren Pazifik. Kurs 250. Die drei Angestellten kommen eine Woche nicht mehr aus der Kajüte raus, nur wenn die rausgespült werden, denn ihnen ist schlecht wie einer Laborratte auf Brechmittel. Dazu noch Kerosin, das sich auf die Essensvorräte verteilte, der Frost hatte Äpfel und Kohl verrotten lassen, faulige Orangen, vergammelte Rüben. Die Bordwände leckten dermaßen, dass London bald kniehoch im Wasser stand – und zwar am Kajütenboden!!, vier Stunden nach dem letzten Auspumpen. Nur unter uns gesagt: Unter dem Kajütboden war aber noch 1,5 Meter Platz!! Alles voll Wasser.

London hatte sich die Mühe gemacht, wasserdichte Schotten zwischen den Kajüten einbauen zu lassen, aber da drang das Wasser so „ungehindert wie Luft“ durch. Die Benzintanks waren ebenso leck. Also eine üble Suppe da unten in der Kajüte – das sieht man dem Schiff auf den Fotos gar nicht an – deswegen muss man diese Fotos erschnuppern, um die wahre SNARK kennenzulernen (bitte unten schnuppern!).

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Das Bad – das so schöne Bad war schon nach 24 Stunden nicht mehr benutzbar. Die Eisenhebel zum Pumpen brachen ab. Also gab es schon nach der Golden Gate Bridge den Kübel des Grauens.

Fast alle Eisenteile am Schiff brachen bitten Stunden entzwei. Die Unterkonstruktion für den Motor (!!), das Getriebe für die Ankerwinde (eine eigens konstruierte Spezialanfertigung von der Ost-Küste), die Beschläge in der Takelage, die Schwanenhälse für die Gaffelsegel.

Je mehr sie ihre Snark dahinrotten sahen – immer noch auf dem Weg nach Hawaii – desto mehr Vertrauen bekamen sie in ihren Bug – hier sieht man, dass man immer was braucht, auf das man vertrauen kann. Sonst gab es nichts mehr – schreibt er – auf das sie hätten setzen können. Und dann kamen die richtigen Probleme erst zum Vorschein – die Snark konnte nämlich im Sturm nicht beidrehen – also den Bug nicht in den Wind drehen. Sie rollte in den Wellentälern auf und ab bei Sturm, obwohl sie nur noch das Gaffelsegel am Besan stehen ließen. Dann setzten sie einen Treibanker, aber der ging unter. Schließlich kam London die Einsicht, dass die Snark nur eines wirklich konnte: fahren !! Einfach nur fahren. Beidrehen ? Egal. Die Alten Teerjacken in der Hafenkneipe hatten doch UNRECHT – mögen die Linien der Snark noch so falsch sein, die Snark fuhr, sie konnte nichts anderes !

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Hier sieht man, dass die Seefahrt durch Männer wie London einiges zu Lernen hatte. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals noch Lehrzeit. Manches bleibt aber auch, wie es ist – abgebrochene Hebel für das Pumpklo rissen auch damals schon ab….

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Multimedia-Vortrag

Liebe Fan-Gemeinde !!

Der Vortrag in Gresten war ein voller Erfolg!! Wir schafften den vielen Schnee fort, auch ohne zu schaufeln – mit innerer Wärme und einer Portion Lust auf Sonne und Meer!

Wir freuen uns über Anfragen für das Frühjahr 2017 !!

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Vortrag – wirklich

Es gibt einen ersten Vortrag – ja, einen Foto-Vortrag mit Musik und Mikrofonen!! So mit allem, was dazu gehört, einer Menge Fotos und Storys von der Reise, und zwar am 14. Jänner  2017. Mindestens 1,5 Stunden lang.

Eine Veranstaltung des Segelklubs Gresten- http://www.segelclub-gresten.at.Gresten liegt fast genau in der Mitte zwischen Nieder- und Oberösterreich. Dort, wo die Alpen beginnen – da wurden schon immer gute Schiffe gebaut !! Oder zumindest renoviert.

Hätten nie gedacht, dass wir zu so etwas eingeladen werden, aber wir haben uns voll reingehauen und bereiten uns akribisch vor – weil es uns so taugt – mal wieder über die eigenen Lustigkeiten zu lachen … Das Auswählen der Fotos zaubert uns was aufs Gesichterl – ein lachendes Auge, weil manchmal wirklich was Blödes passiert ist, oder was Lockeres, oder nur die langen Haare vom Marwin, die damals wirklich verdammt lang waren, und blond, in Marokko!!

Wir haben uns die letzten Tage eingeschwenkt darauf, dass wir mal öffentlich ganz offen darüber plaudern – das Buch gibts ja ohnehin schon – und zu verheimlichen auch nichts mehr….

Es gibt aber auch das weinende Gesicht, wenn wir zurück denken, wie schön es damals war – wie unbeschwert, wie warm und klar, wie einfach das Leben, wie einfach nur spaßig, offen für alles, für Land und Leute, für die Natur, die Berge, die Küsten, die Seevögel (auch) – Land oder Wasser – dazwischen nichts als Luft – und ein paar Runden Wizard – und Kochen, und Besuche von Emilio!!! We miss you!!

Und dann noch ein paar Fußballpartien – aber wart mal, das war jetzt schon genug…..

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Über den Sturm

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Der Sturm greift dich an wie ein Feind, versucht dich zu packen, bemächtigt sich deiner Gedanken wie eine Religion, wie ein Versicherungsvertreter; er trachtet dir die Seele, deine ganze Existenz aus dem Leib zu reißen wie Chucky die Mörderpuppe. Verdammtes Gefühl. Es ist die Übermacht des Gegners, die du fühlst, die sich deiner annimmt wie ein guter Freund, und sagt: Hey, wie wärs mit uns zwei? Kleiner Quickie gefällig? Oder lieber auf die harte Tour?

Die Literatur sagt, nur ein wahrer Kapitän könne mit all den Gefahren am Meer umgehen, mit Stürmen, Hochs und Tiefs, mit Sturzbach-Regen, Nebel (hui), mit den sozialen Unwettern auf einem schwimmenden Yogurtbecher und allem anderen auch, mit vertäuten Tauen und Fettbränden beim Palatschinkenbraten. Dem wollen wir nicht widersprechen.

Es ist eine Grundregel der guten Seemannschaft, so lange an Bord zu bleiben, wies noch geht, so lange, bis einem die Yacht unter den Füßen wegsackt – man sollte sich an Captain Jack Sparrow ein Beispiel nehmen und am Mast solange balancieren, bis ein Steg in Sicht kommt. Zum Trainieren dieses Details könnte man eine Luftmatratze nehmen und den Abstieg auf die Sandburg üben. AbeR: Jene, die den Weg zum Versicherungsvertreter nicht so vorfinden wie den Weg in einen vertrauten Hafen (also betonnt und gut beschildert – und maximal 3 Knoten Fahrt) seien gewarnt, denn manche verlassen ihre Yacht Hals über Kopf, springen in eine aufgeblasene Gummihaut mit Überlebensmesser und versuchen noch ihr Kajak aufzuriggen, um es an die Küste zu segeln. Sind die Segler auf Leistung trainiert – so stehts in der Literatur – dann gehts noch schneller von Bord ab, dann scheint es auch hier um Sekundenbruchteile zu gehen.

Der Glaube an all das, was die Yacht bis zum Abtauchen bietet, sei eben beim sportlichen Jollensegler nicht vorhanden. Er ist trainiert, das Kentern zu üben bis ihm schlecht wird, er ist angehalten, seine Jolle zu hassen, er wird ihr die Sporen geben, bei jeder Welle mindestens ein Mal. Immer in die Rippen! Also, verlasse niemals deine Yacht, auch wenn es noch so triest aussieht, warte, bis deine Schwimm-Tempi von selbst Sinn ergeben und dich vom Umglücksort wegtragen! Oder fahre nach Triest und geh auf ein Eis!

Das Ganze ist halt eine Geduldsgeschichte. Wenn das infernalische Heulen des Orkans und das unaufhörliches Hämmern der See gegen den Rumpf zermürbt, wenn die Nerven wie herausgerissene Kabelbäume herausgetreten sind, dann stirbt auch jeder Wunsch, noch eine Sekunde länger auf diesem Yogurtbecher zu bleiben. Das scheint ein Naturgesetz unseres Geistes zu sein. Manche starten dann den Motor, um ein bisschen vertrautes Umfeld zu signalisieren, sich selbst, der Crew, der Ehefrau, dem Kind in der Schaukel; im Wissen, dass es nicht mehr viel bringen wird außer Dieselgeruch.

Beim Fastnet Rennen von 1979 ließ das Dröhnen der Rettungshubschrauber die Seeleute über Bord springen wie Känguruhs. 5 Schiffe gesunken, 15 Tote. Das war die Panik! Und diese Männer und Frauen bewiesen Mut, sie wollten zum Felsen segeln, obwohl der Himmel schon dunkel durchschien, und alle Anzeichen auf Mist- bis Sauwetter standen. Nicht die Angst sei dabei der Hauptauslöser dieses Kurzschlusses gewesen, so sind sich die Experten einig, sondern der Verlust des Vertrauens in die Sicherheit des fahrenden Untersatzes. Normalerweise wird jener Mensch panisch, wenn er glaubt, er hätte keine Überlebenschance. In den U-Booten sei es nie zu panischem Verhalten gekommen. Klar, da kann man auch nicht über Bord gehen. Deswegen könnte man sich überlegen, beim Sturm nach unten in die Kajüte zu kriechen und Türen und Luken versperren, verbarrikadieren und verschweißen. Das würde endlich helfen, bei Windstärke 12 ruhig zu bleiben.

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Madeira – Insel der seligen Poncha-Trinker

Irgendwie sind es immer die Inseln, die uns in ihren Bann ziehen, sie strahlen etwas Magisches aus. So wie Madeira, Insel der Blumen und Berge. Der Atlantik ist überwältigend. Eine Wahnsinns-Vorstellung, da im Sommer hinauszusegeln und drüben – quasi drüben unten anzukommen – in North- oder Southcarolina, oder in Grenada. Vielleicht wird’s ja noch was mit der Atlantik-Überquerung.

Madeira hat und überrascht. In vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal die Berge. Die sind steiler, und hartnäckiger als wir dachten. Da geht’s hinauf, hinauf, hinauf, ewig, bis zum Himmel, haben wir unserer kleinen Zwergiberta gesagt, bis zu den Wolken, und noch darüber hinaus. Zum Glück gibts die Levadas. Das sind hunderte gemauerte Bewässerungskanäle, ungefähr einen halben Meter breit, sie ziehen sich wie Spinnennetze rund um die Insel – sie bleiben auf einem Niveau, damit das Wasser darin stehen bleibt – man wandert quasi wie auf einer Ebene rund um die schroffen Berghänge – super fürs Wandern mit kleinen Kindern! In den Levadas wartet das Wasser auf den Sommer, bis es dann, kontrolliert abgelassen, die Bananen- und Maracujafelder mit Leben versorgt. Aufgefangen wird es an den steil abfallenden schroffen Lavafelsen im Inselinneren, wo Regen- und Tauwasser in Strömen talwärts rinnt – zumindest im Winter steht die Insel im Saft wie eine frische Kaktuspflanze. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass es hier jemals trocken wird – und doch müssen vor Jahren hier gewaltige Waldbrände getobt haben, denn eine Menge Bäume sind abgestorben oder unten schwarz angekokelt. Teilweise sind ganze Wälder tot – den Grund konnte uns niemand erklären, auch nicht ein „Ranger“, der die Wälder beaufsichtigt.

Oben in den Bergen, wo das Moos und die Flechten die Wälder überziehen wie ein Zuckerguss kommt man sich vor wie in einer Geisterwelt. Dichte Nebelschwaden ziehen mit dem Wind, lassen manchmal einen Blick auf den Atlantik zu, oder verhüllen einen selbst, inklusive Kamera. Wie muss das alles ausgesehen haben, als noch dicke Mammutbäume die Insel bevölkerten, oder Mahagoni, oder Drachenbäume und Steineichen? Das Hochplateau ist tatsächlich kahl, alles abgeholzt, nicht ein einziger Baum steht noch da oben. Der vorzeitliche Schiffbau hat alles vernichtet.

Manche Madeiraner sehen aus, als hätten sie irgendwann mal den Wunsch verspürt, hier wegzuziehen, das beschwerliche Leben aufzugeben, alles hinzuschmeißen, die Bananen, die gute Luft, Freunde, Familie, den Wein, den Fußball. Manche sehen aus, als hätte ihnen der Alkohol diese Wünsche aus den Gehirnen gewaschen. Manche sehen aus, als hätten sie noch nie an einen solchen Wunsch gedacht, und manche sehen aus, als würden sie sich niemals trauen, ihre Wünsche zu träumen, weil sie brav in die Kirche gehen. Vielerorts sieht man auch Resignation, oder Armut, oder Beides zugleich. Manche Dörfer in den Bergen laden nicht gerade zum Bleiben ein. Es sind die Dörfer, von denen es keine Fotos gibt, weil sie fast das ganze Jahr über im Nebel liegen. Dort oben zu wohnen möchte man sich nicht vorstellen. Feuchte Mauern, feuchtes Holz, feuchte Kleidung, innen, außen, überall. Nebel wohin man schaut. Da kommt es schon mal vor, dass tote Katzen auf der Straße liegen, oder offene Müllhalden die Ortzentren schmücken. Kinder ohne Schuhe, die auf den nassen kalten Straßen herumlaufen und nicht einmal Fußballspielen können, weil es vorne und hinten nur steil nach unten oder oben geht. Winzige Bauernhöfe haben wir gesehen, ein Leben wie vor hunderten von Jahren, ohne Strom, Kanalanschluss und Auto, mit kleinen Hühnerställen und einem scharfen Hofhund. All das haben wir gesehen. Die Armut ist eben ein Stiller Begleiter der Welt. Trotzdem scheinen die Menschen dort in den Bergen das Nötigste zu haben, ihre Freundlichkeit haben sie jedenfalls nicht verloren. Milch, Eier, Hühner, Fisch, Bananen und einen guten Poncha, das ist alles, was man braucht.

Schön sehen die Terrassenfelder aus. Mit Steinmauern, hunderten, tausenden, Millionen Steinmauern wird ein bisschen Land der steilen Klippe abgejuckst, für ein paar Kilo Bananen, Papayas oder Guaven, die allesamt kaum gewinnbringend verkauft werden können. Die Konkurrenz aus Übersee, Firmen wie Dole sind wahre Riesenhaie, die den Markt mit Billigen Bananen überschwemmen und die kleinen Fressen. Da kommen die madeirischen Bananenbauern eben nicht mit, mit zu wenig Wasser, zu wenig Anbaufläche und vor allem nicht, wenn man sich zu seinem Feld von oben einige Hundert Meter abseilen muss. Dafür schmecken die Bananen wunderbar würzig, vielleicht sind sie sogar besser zum Kochen als zum Roh essen geeignet.

Die höheren Lagen kommen im Winter kaum von Nebel raus. Fast nie lichtet sich dort der Himmel, nur an schönen Tagen und die sind selten. Das machte auch Karl I. zu schaffen, der in nur vier Monaten Aufenthalt in den Bergen (Monte) über Funchal an einer Lungenentzündung verendete. Das war 1922. Vielleicht wollte er auch nicht mehr. Die Villa da oben ist jedenfalls ein fantastischer Bau, man könnte glauben, jemand würde sich doch ein Herz nehmen, potent und willens genug sein, um dieses unglaublich schöne Bauwerk zu erhalten. Aber weit gefehlt!! Die Villa verfällt, verrottet, wird von Moder und Schimmel zerfressen, ist innen total zerstört. Nur noch ein paar Wände und Decken sind zu erkennen, die mit Verzierungen von der ehemaligen Schönheit zeugen.

Der Osten der Insel zerfällt in einzelne Abschnitte, die langsam vom Meer wieder zurückerobert werden. Hier sieht man sehr schön, wie der Vulkan die einzelnen Schichten zusammenzimmerte, mit senkrechten Kanälen, die vom heißen Magma durchstoßen wurden. Ein einziges schönes Haus ist im äußersten Osten zu finden, ein Haus, das zum Schreiben in der Einsamkeit einlud. Vor allem Papabert war angetan von dieser Art der Abgeschiedenheit.

An der Südküste ist das Klima mild, vor allem in Ribeira Brava kam nicht so starker Wind durch die enge Schlucht. Es war einer der schönsten Orte der ganzen Insel, wie wir fanden, klein und fein. Sogar genügend Spielfläche zum Fußballspielen. Wir fühlten uns wieder zurückversetzt nach Spanien, nach Almeria, Valencia, Cartagena oder Barcelona. Die Leute im Cafe schauten Fußball und wir mit ihnen, bald verehrten auch wir Cri“sch“tiano Ronaldo, so wie sie – wenn man mal dort ist, versteht man das Gehabe Cri“sch“tianos vielleicht besser. Cri“sch“tiano thront nicht weit von seinem Elternhaus am Pier am Westlichen Ende des Hafens als Bronzestatue mit eine großen Beule in der Hose. Wie Papabert fand, eine etwas zu große Beule. Das sah alles andere als natürlich aus – oder die Madeirer haben so große Beulen. Nur wenige Tage nach unserer Abreise hat jemand die Statue geschändet, indem er „Messi“ auf Cri“sch“tianos Kopf schrieb.

An der Nordküste lud uns Porto Moniz fast zum Baden ein, wenn wir nur unsere Badesachen mitgehabt hätten!!! Die natürlichen Fels-Becken mit sauberstem Atlantikwasser gefüllt sehen herrlich aus, sind auch im Winter warm. Weiter westlich wurde in den Becken, die aussahen wie ein Freibad gefischt – mit der Angel – früher wurden in diese Becken Fische hineingetrieben, dann mit einem speziellen Sud auf Drogen gesetzt und schließlich per Hand nach Hause getragen. Vielleicht machen es manche immer noch so.

Madeira ist einen Urlaub wert! Auch der Madeira-Wein, auch der Poncha! Wird im Achtel-Glas ausgeschenkt – und das Gute: Man braucht nur einen einzigen, um nicht mehr nach Hause zu finden! Auch der Espada und das Brot, die Suppen und Rindersteaks waren erstklassig. Vielleicht segeln wir mal hin. Oder darüber hinaus! Nach Westen, in die Karibik. Oder nach Southcarolina!

 

 

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Pizza Goffredo

 

Pizza Goffredo, was sage ich, Belegtes Brot aus dem Holzofen kann so schmecken, dass man denkt, hier liegt ein Stück Gott vor einem am Teller, oder eine Haupt- und Nachspeise und Dessert noch dazu. So wie dieses Scheiben-Brötchen schmeckt, hat man Mühe, auf seinem Sessel nicht nach hinten zu kippen und lauthals zu schreien, dass man das Gefühl, wenn sie im Mund vor sich hin prickelt nicht mehr aushält, weil es außer saugeil nur noch saugeil ist. Pizza Goffredo ist Brot, Mozzarella, Gorgonzola – aber nicht zu viel – dann hauchdünn geschnittene scharfe Salami, 5 Apfelstückchen, und ein Schuss Balsamico. Der Teig leicht überhitzt, mit schwarzen Punkten, ungefähr 1 cm groß, ein leichter, bitterer Ton. Die Rösche? Nicht zu beschreiben, die Säure- und Frucht- und Schärfenverhältnisse nicht zum dazahn (das ist Niederösterreichisch für „nicht aushaltbar“). Man möchte nie mehr wieder weiter wegfahren als Italien, niemals auch nur italienischen Boden verlassen, auch wenn man nicht Italienisch kann. Wenn man Bilder von Palmen, weißen Sandstränden, Riffen und Fischen am Riff, exotische warme Meere auf den Plakaten sieht, ist schlagartig klar, man kann nicht einfach nur in Italien bleiben kann. Gut ok, Augen zu und durch. Es gibt ja auch anderes als Pizza – obwohl, nicht viel. Wenns sein muss, oder die kulinarische Toleranz es erlaubt, kann auch mal woanders als nach Italien reisen, ja, das kann man zugeben. Man kann mit seinem Boot auch mal woanders hinfahren, segeln, mit 10.000 PS kurz ins Gas steigen. Nach Madeira zum Beispiel. Oder in die Karibik. Aber diese Pizza wird uns immer abgehen, immer, immer, immer, egal wo wir auch sind. Sobald wir Italien verlassen haben, ist auch die Pizza verlassen. Das ist eine Schande.

 

 

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Die Helden des Fahrtensegelns kommen aus Annaberg

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Also, es gibt ja echt Menschen, die alles für eine Weltumsegelung tun. Obwohl: Viele würden wahrscheinlich nicht ihre Kinder verkaufen, wohl aber ihre Wohnung, ihr Auto und ihre Plattensammlung. Manche verabschieden sich für die nächsten 10 Jahre – manche für immer, wenn sie nicht mehr nach Hause zurückkommen. Dann melden sie ihre Handys ab, melden dafür Satellitenhandys an, kündigen die Gis und besorgen sich dafür mobile Internetzugänge, kündigen Haushaltsversicherungen und eröffnen Lebensversicherungen, die Liste ließe sich noch lange fortführen. Man möchte davon halten was man will. Solange schiffstechnisch alles einwandfrei läuft ist die Sache vielleicht gar nicht schlimm. Ausgenommen mal das Soziale – aber um das soll es jetzt mal nicht gehen.

Manche dieser Helden sind schwere Idealisten, sie gehen ihren Weg, auch wenn er noch so mühsam ist. Und genau das macht diese Helden eben zu Helden. Vor 2,5 Jahren in Reggio haben wir Martina und Florian kennen gelernt und ein Bier am Pier getrunken. Zwei sympathische Abenteurer, unbeirrbar, hart im Nehmen, kaltschnäuzig und trotzdem locker an der Sache. Beim Lesen ihrer Geschichten bekommen wir regelmäßig nasse Füße, obwohl die Heizung in der Wohnung gerade mal 18 Grad schafft. Schon damals konnten sie ihren Motor nur 5 Minuten laufen lassen, weil die Seewasserpumpe defekt war. Der Motor wäre in Minute 6 wahrscheinlich explodiert. Sie erzählten von ihrem Schiff, das schon 2 Mal und die Erde gesegelt war, sie erzählten von ihrem Kreuzkurs durch die Straße von Messsina – die verdammt schmal im Kreuzkurs ist, auch im engen Hafenbecken noch Kreuzkurs, um im letzten Moment den Motor starten und gerade noch das Anlegemanöver hinkriegen. Huiiija! Und seit dieser Zeit lesen wir ihren Blog http://weltumsegelung.blogspot.co.at/ und fühlen uns in unserer Welt so was von verwöhnt, wie beim vollen Programm, im Aux Gazelle inklusive Seifenschaum und Massage, oder sonst wo. Was dagegen haben wir schon geleistet? Eine Totalsanierung einer GFK-Yacht auf der Wiese, mit allen Annehmlichkeiten?

Ein alter Seglerspruch ist ja: Segeln… Das ist…ähm… sein Boot an den schönsten Plätzen der Erde – zu reparieren. Dieser Spruch passt so gut wie die Faust auf das Schiff unserer Bekannten. Aktuell, nur während der letzten paar Tage – und diese Frequenz an Reparaturen hält laut ihrem Blog schon seit 2 Jahren an – haben sie die Wellendichtung im schwimmenden Schiff erneuert – dabei draufgekommen, dass das Getriebe einen Lagerschaden hat, dann hatte noch die Lichtmaschine einen Lagerschaden, dann dürfte ein Blitz den Kartenplotter beschädigt haben, sodass der keine Positionsdaten mehr an das UKW sendet – welches aber gerade neu eingebaut wurde. Ihr Schiff sieht permanent so aus wie unseres in Niederösterreich. Nur sind sie auf Fahrt – und in den Tropen, zur Zeit in Panama, da sind 40 Grad und eine Luftfeuchtigkeit wie bei einem Saunaaufguss nichts, was erwähnenswert wäre.

In letzter Zeit scheint es, als würden ein paar destruktive Wörter in den Berichten zu lesen sein. Nennen wollen wir sie hier nicht. Wir wollen ja kein Unglück heraufbeschwören und schon gar keine Werbung für Destruktion machen. Dabei sind sie gerade im Begriff, von Mittelamerika weiter nach Polynesien zu gehen. Wir wünschen ihnen jedenfalls hiermit beste Winde, eine tadellose Technik, eine Menge Daten, ein trockenes Schiff, ein trockenes Höschen, ein standhaftes Rigg und alles weitere, das man für so eine Überfahrt brauchen kann. Martina und Florian!! Ihr seid unsere Helden der Schifffahrt!!! Ihr solltet jetzt schon mal um Preise ansuchen! Um Preise für die „Expedition Schiff“!! Die habt ihr nämlich schon längst verdient!! Preise von all jenen, die mit euren unglaublichen Durchhaltevermögen Profit schlagen!! So wie wir zum Beispiel, indem ihr uns wissen lasst, was man doch alles aushalten kann, wenn man will. Oder alle Schiffsausrüster rund um den Globus. Haltet die Ohren steif und haltet uns am Laufenden! Wir halten zu euch – auch in Krisenzeiten!

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Salzverkrustet – Der Reisebericht der Jahres!

Endlich im Handel erhältlich!! Unser Reisebericht in Buchform, gebunden, mit 61 Fotos, sieht schön aus – und liest sich fein. Und wenn man es selbst nicht lesen will, hat man ja immer noch Onkeln und Tanten, Nichten und Neffen, die bald beschenkt werden wollen!! Das ist DER Reisebericht des Jahres. Das ist sicher!! Wir freuen uns auch über eine Bewertung!!

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Vor Anker in Porto Azzurro – mit Polizistenkopfball

elba2_grNach Elba. Da wollten wir hin. Endlich!!! Schon seit Ostern freuten wir uns auf diesen Tag der Abreise. Aber voher noch nach Cecina, Ilva vom Hafen abholen, mit dem Mietauto und Zwergiberta im Kindersitz. Nach 13 Stunden waren wir da, in brütender Hitze, bei Sonnenschein, nichts als Sonnenschein, fast 40 Grad, nicht viel weniger in der Nacht, da warens nur noch 32 Grad. Auch in Wien nicht weniger heiß – aber am Meer hält man ja alles besser aus. Mamabert fand trotzdem, dass sie weit über ihrer persönlichen Betriebstemperatur lief – die Muttermilch war schon sauer, bevor sie in Zwergiberts Mund gelangte.

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Nach ein paar Tagen des Wartens und einigen Reparaturen gings los, raus aus dem Hafen!!! Volle Kraft voraus!! In die Bucht an der Ostseite von Elba, nach Porto Azzurro, 33 Seemeilen, ein Klacks. Die Bedingungen waren perfekt. Windstärke 3 – zumindest die ersten Stunden, danach schlief der Wind ein und wir motorten mit Autopilot. Unsere Gäste an Bord wollten schließlich beeindruckt werden.

Die Bucht von Porto Azzurro ist nach Osten hin offen. Und das Beste: der Wind blieb auf West, die nächsten Tage lang – ich meine – was, wenn wir das so bestellt hätten? Wieviel müssten wir dafür bezahlen? Es war ein Traumtörn, und wieder wussten wir, wofür wir das alles auf uns genommen haben.

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In einer Traumkulisse vor Anker, auf 8 Metern Tiefe ging wieder mal unser Seglerherzerl auf; unsere kulinarisch verwaisten Mägen wurden mit Pizze und Wildsau in höchster Güteklasse verwöhnt. Und die emotionalen Tanks füllten sich mit neuen Hormonen, sogenannten Opiaten, oder Endorphinen. Während der drei Wochen hatten wir eine Menge Gäste an Bord und eine Menge Spaß – es war die Mischung aus Seglerleben und Touristendasein. Schließlich wollten die Kinder ja wissen, wo Napoleon hinverbannt worden war.

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Ilva bekam wieder mal ein bisschen Liebe: Die gesamte Kloanlage ist nun wieder wie neu. Wie 2012, am Trockendock in den Alpen – gänzlich ohne Urinstein und mit einem nagelneuen Ventil, um auch dann den Klodeckel heben zu können, wenn man(n) od. fr(au) möchte, und nicht erst, wenn das Klo sich willig zeigt (grazie, lieber Papabert!). Dann bekam Ilva einen neuen Verklicker (den alten hatte der Wintersturm geholt – dieses billige Scheißding) und das Teakdeck bekam zwei neue Schichten Tropical Teak-Sealer. Und so weiter und so weiter. Was noch? Ach ja, eine Klüse hatte sich gelockert. War aber schnell erledigt. Ilva ist also immer noch (oder schon wieder) top in Schuss. Genauso wie ihre Crew.

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„Hey, Hey“, schrie er, der mutmaßliche Italiener am Gummiboot in der Bucht von Porto Azzurro. Er stand da ganz alleine, winkte und tat dem Papabert leid. Er hatte seinen Radiergummi an einer Boje im schnuckligen Hafen festgemacht. Der immer noch „mutmaßliche“ Italiener bat Papabert, der gerade mit dem Dinghi zwischen Ilva und Strand hin und her fuhr, ihn mitzunehmen an die Küste, zu seinem Hotel. Er sprach unheimlich gut Englisch und Papabert fragte ihn, warum er denn so gut Englisch konnte. Er sagte, er sei aus „E“merika. Papabert sagte: „Was? Aus „E“merika? Was macht denn ein Amerikaner auf einem Gummiboot in Porto Azzurro?“ Er sagte, er mache hier Business, DIE amerikanische Volkskrankheit. Aha. Blöde Frage aber auch. Was soll ein Amerikaner aus „E“merika sonst hier machen? Urlaub? Nö. Und wenn, dann nur unbezahlten Urlaub, zwei Wochen im Jahr. Jedenfalls war Fred aus New York und hier glücklich wie ein Baby. Fred erzählte noch, er sei vor sieben Jahren hier hergezogen und habe sich dieses Hotel gekauft. Er zeigte es mit einem Wink. Ein 3-Stern Hotel. Bei weitem das schäbigste an der Hafenpromenade. „Die Geschäfte laufen mittelmäßig bis schlecht“, erzählte er, aber hier sei schließlich der Ort, an dem er zu Hause ist. Viel Glück wünschte ihm Papabert. Und zahlende Kunden. Auch im Winter. Fred bedankte sich im Stile eines echten Sunnyboys und dann war er mit samt seiner knappen Badehose verschwunden.

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Aber nicht nur der entschleunigte Amerikaner, auch wir machten Eindruck. Zwergiberta war der Liebling der Nachbarschaft, so klein, so süß, so kokett …. eine richtige Südländerin, mit einem entzückenden Lächeln. Wenn dann die Kellnerin unseres Hafenlieblingsrestaurants sie mit „Ciao patata“ begrüßte und gleich auf ihrem Arm entführte, fühlte sich nicht nur Zwergberta königlich.

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Unser Kindbert hingegen wurde groß diesen Sommer – das konnte man an seiner coolen Art und dem unbeeindruckten Gesichtsausdruck beim Fußballspielen erkennen. Als nämlich die dünne Polizistin, „Piano, Piano“ schrie, wo sie mit ihrem dicken Kollegen über den Hauptplatz von Porto Azzurro ging. Sie war im Dienst, sah gemeinsam mit ihrem Kollegen nach, ob am Hauptplatz alles seine Ordnung hatte. Und die Ordnung war fixi foxi paletti. Garantiert. Das einzig Nicht-Ordentliche an der Umgebung war, dass Papabert – leibhaftiger Kapitän der Ilva – der dünnen Polizistin den Fußball auf den Kopf geschossen hatte. Das hat sie nicht so nett gefunden. Nicht so ihr dicker Kollege. Der hat gelacht. Und Kindbert hat auf dem Hauptplatz weiter Flanken geübt. Alles easy in Porto Azzurro.

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Kategorien: Reise Angenehm | Hinterlasse einen Kommentar

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