Über den Sturm

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Der Sturm greift dich an wie ein Feind, versucht dich zu packen, bemächtigt sich deiner Gedanken wie eine Religion, wie ein Versicherungsvertreter; er trachtet dir die Seele, deine ganze Existenz aus dem Leib zu reißen wie Chucky die Mörderpuppe. Verdammtes Gefühl. Es ist die Übermacht des Gegners, die du fühlst, die sich deiner annimmt wie ein guter Freund, und sagt: Hey, wie wärs mit uns zwei? Kleiner Quickie gefällig? Oder lieber auf die harte Tour?

Die Literatur sagt, nur ein wahrer Kapitän könne mit all den Gefahren am Meer umgehen, mit Stürmen, Hochs und Tiefs, mit Sturzbach-Regen, Nebel (hui), mit den sozialen Unwettern auf einem schwimmenden Yogurtbecher und allem anderen auch, mit vertäuten Tauen und Fettbränden beim Palatschinkenbraten. Dem wollen wir nicht widersprechen.

Es ist eine Grundregel der guten Seemannschaft, so lange an Bord zu bleiben, wies noch geht, so lange, bis einem die Yacht unter den Füßen wegsackt – man sollte sich an Captain Jack Sparrow ein Beispiel nehmen und am Mast solange balancieren, bis ein Steg in Sicht kommt. Zum Trainieren dieses Details könnte man eine Luftmatratze nehmen und den Abstieg auf die Sandburg üben. AbeR: Jene, die den Weg zum Versicherungsvertreter nicht so vorfinden wie den Weg in einen vertrauten Hafen (also betonnt und gut beschildert – und maximal 3 Knoten Fahrt) seien gewarnt, denn manche verlassen ihre Yacht Hals über Kopf, springen in eine aufgeblasene Gummihaut mit Überlebensmesser und versuchen noch ihr Kajak aufzuriggen, um es an die Küste zu segeln. Sind die Segler auf Leistung trainiert – so stehts in der Literatur – dann gehts noch schneller von Bord ab, dann scheint es auch hier um Sekundenbruchteile zu gehen.

Der Glaube an all das, was die Yacht bis zum Abtauchen bietet, sei eben beim sportlichen Jollensegler nicht vorhanden. Er ist trainiert, das Kentern zu üben bis ihm schlecht wird, er ist angehalten, seine Jolle zu hassen, er wird ihr die Sporen geben, bei jeder Welle mindestens ein Mal. Immer in die Rippen! Also, verlasse niemals deine Yacht, auch wenn es noch so triest aussieht, warte, bis deine Schwimm-Tempi von selbst Sinn ergeben und dich vom Umglücksort wegtragen! Oder fahre nach Triest und geh auf ein Eis!

Das Ganze ist halt eine Geduldsgeschichte. Wenn das infernalische Heulen des Orkans und das unaufhörliches Hämmern der See gegen den Rumpf zermürbt, wenn die Nerven wie herausgerissene Kabelbäume herausgetreten sind, dann stirbt auch jeder Wunsch, noch eine Sekunde länger auf diesem Yogurtbecher zu bleiben. Das scheint ein Naturgesetz unseres Geistes zu sein. Manche starten dann den Motor, um ein bisschen vertrautes Umfeld zu signalisieren, sich selbst, der Crew, der Ehefrau, dem Kind in der Schaukel; im Wissen, dass es nicht mehr viel bringen wird außer Dieselgeruch.

Beim Fastnet Rennen von 1979 ließ das Dröhnen der Rettungshubschrauber die Seeleute über Bord springen wie Känguruhs. 5 Schiffe gesunken, 15 Tote. Das war die Panik! Und diese Männer und Frauen bewiesen Mut, sie wollten zum Felsen segeln, obwohl der Himmel schon dunkel durchschien, und alle Anzeichen auf Mist- bis Sauwetter standen. Nicht die Angst sei dabei der Hauptauslöser dieses Kurzschlusses gewesen, so sind sich die Experten einig, sondern der Verlust des Vertrauens in die Sicherheit des fahrenden Untersatzes. Normalerweise wird jener Mensch panisch, wenn er glaubt, er hätte keine Überlebenschance. In den U-Booten sei es nie zu panischem Verhalten gekommen. Klar, da kann man auch nicht über Bord gehen. Deswegen könnte man sich überlegen, beim Sturm nach unten in die Kajüte zu kriechen und Türen und Luken versperren, verbarrikadieren und verschweißen. Das würde endlich helfen, bei Windstärke 12 ruhig zu bleiben.

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Madeira – Insel der seligen Poncha-Trinker

Irgendwie sind es immer die Inseln, die uns in ihren Bann ziehen, sie strahlen etwas Magisches aus. So wie Madeira, Insel der Blumen und Berge. Der Atlantik ist überwältigend. Eine Wahnsinns-Vorstellung, da im Sommer hinauszusegeln und drüben – quasi drüben unten anzukommen – in North- oder Southcarolina, oder in Grenada. Vielleicht wird’s ja noch was mit der Atlantik-Überquerung.

Madeira hat und überrascht. In vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal die Berge. Die sind steiler, und hartnäckiger als wir dachten. Da geht’s hinauf, hinauf, hinauf, ewig, bis zum Himmel, haben wir unserer kleinen Zwergiberta gesagt, bis zu den Wolken, und noch darüber hinaus. Zum Glück gibts die Levadas. Das sind hunderte gemauerte Bewässerungskanäle, ungefähr einen halben Meter breit, sie ziehen sich wie Spinnennetze rund um die Insel – sie bleiben auf einem Niveau, damit das Wasser darin stehen bleibt – man wandert quasi wie auf einer Ebene rund um die schroffen Berghänge – super fürs Wandern mit kleinen Kindern! In den Levadas wartet das Wasser auf den Sommer, bis es dann, kontrolliert abgelassen, die Bananen- und Maracujafelder mit Leben versorgt. Aufgefangen wird es an den steil abfallenden schroffen Lavafelsen im Inselinneren, wo Regen- und Tauwasser in Strömen talwärts rinnt – zumindest im Winter steht die Insel im Saft wie eine frische Kaktuspflanze. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass es hier jemals trocken wird – und doch müssen vor Jahren hier gewaltige Waldbrände getobt haben, denn eine Menge Bäume sind abgestorben oder unten schwarz angekokelt. Teilweise sind ganze Wälder tot – den Grund konnte uns niemand erklären, auch nicht ein „Ranger“, der die Wälder beaufsichtigt.

Oben in den Bergen, wo das Moos und die Flechten die Wälder überziehen wie ein Zuckerguss kommt man sich vor wie in einer Geisterwelt. Dichte Nebelschwaden ziehen mit dem Wind, lassen manchmal einen Blick auf den Atlantik zu, oder verhüllen einen selbst, inklusive Kamera. Wie muss das alles ausgesehen haben, als noch dicke Mammutbäume die Insel bevölkerten, oder Mahagoni, oder Drachenbäume und Steineichen? Das Hochplateau ist tatsächlich kahl, alles abgeholzt, nicht ein einziger Baum steht noch da oben. Der vorzeitliche Schiffbau hat alles vernichtet.

Manche Madeiraner sehen aus, als hätten sie irgendwann mal den Wunsch verspürt, hier wegzuziehen, das beschwerliche Leben aufzugeben, alles hinzuschmeißen, die Bananen, die gute Luft, Freunde, Familie, den Wein, den Fußball. Manche sehen aus, als hätte ihnen der Alkohol diese Wünsche aus den Gehirnen gewaschen. Manche sehen aus, als hätten sie noch nie an einen solchen Wunsch gedacht, und manche sehen aus, als würden sie sich niemals trauen, ihre Wünsche zu träumen, weil sie brav in die Kirche gehen. Vielerorts sieht man auch Resignation, oder Armut, oder Beides zugleich. Manche Dörfer in den Bergen laden nicht gerade zum Bleiben ein. Es sind die Dörfer, von denen es keine Fotos gibt, weil sie fast das ganze Jahr über im Nebel liegen. Dort oben zu wohnen möchte man sich nicht vorstellen. Feuchte Mauern, feuchtes Holz, feuchte Kleidung, innen, außen, überall. Nebel wohin man schaut. Da kommt es schon mal vor, dass tote Katzen auf der Straße liegen, oder offene Müllhalden die Ortzentren schmücken. Kinder ohne Schuhe, die auf den nassen kalten Straßen herumlaufen und nicht einmal Fußballspielen können, weil es vorne und hinten nur steil nach unten oder oben geht. Winzige Bauernhöfe haben wir gesehen, ein Leben wie vor hunderten von Jahren, ohne Strom, Kanalanschluss und Auto, mit kleinen Hühnerställen und einem scharfen Hofhund. All das haben wir gesehen. Die Armut ist eben ein Stiller Begleiter der Welt. Trotzdem scheinen die Menschen dort in den Bergen das Nötigste zu haben, ihre Freundlichkeit haben sie jedenfalls nicht verloren. Milch, Eier, Hühner, Fisch, Bananen und einen guten Poncha, das ist alles, was man braucht.

Schön sehen die Terrassenfelder aus. Mit Steinmauern, hunderten, tausenden, Millionen Steinmauern wird ein bisschen Land der steilen Klippe abgejuckst, für ein paar Kilo Bananen, Papayas oder Guaven, die allesamt kaum gewinnbringend verkauft werden können. Die Konkurrenz aus Übersee, Firmen wie Dole sind wahre Riesenhaie, die den Markt mit Billigen Bananen überschwemmen und die kleinen Fressen. Da kommen die madeirischen Bananenbauern eben nicht mit, mit zu wenig Wasser, zu wenig Anbaufläche und vor allem nicht, wenn man sich zu seinem Feld von oben einige Hundert Meter abseilen muss. Dafür schmecken die Bananen wunderbar würzig, vielleicht sind sie sogar besser zum Kochen als zum Roh essen geeignet.

Die höheren Lagen kommen im Winter kaum von Nebel raus. Fast nie lichtet sich dort der Himmel, nur an schönen Tagen und die sind selten. Das machte auch Karl I. zu schaffen, der in nur vier Monaten Aufenthalt in den Bergen (Monte) über Funchal an einer Lungenentzündung verendete. Das war 1922. Vielleicht wollte er auch nicht mehr. Die Villa da oben ist jedenfalls ein fantastischer Bau, man könnte glauben, jemand würde sich doch ein Herz nehmen, potent und willens genug sein, um dieses unglaublich schöne Bauwerk zu erhalten. Aber weit gefehlt!! Die Villa verfällt, verrottet, wird von Moder und Schimmel zerfressen, ist innen total zerstört. Nur noch ein paar Wände und Decken sind zu erkennen, die mit Verzierungen von der ehemaligen Schönheit zeugen.

Der Osten der Insel zerfällt in einzelne Abschnitte, die langsam vom Meer wieder zurückerobert werden. Hier sieht man sehr schön, wie der Vulkan die einzelnen Schichten zusammenzimmerte, mit senkrechten Kanälen, die vom heißen Magma durchstoßen wurden. Ein einziges schönes Haus ist im äußersten Osten zu finden, ein Haus, das zum Schreiben in der Einsamkeit einlud. Vor allem Papabert war angetan von dieser Art der Abgeschiedenheit.

An der Südküste ist das Klima mild, vor allem in Ribeira Brava kam nicht so starker Wind durch die enge Schlucht. Es war einer der schönsten Orte der ganzen Insel, wie wir fanden, klein und fein. Sogar genügend Spielfläche zum Fußballspielen. Wir fühlten uns wieder zurückversetzt nach Spanien, nach Almeria, Valencia, Cartagena oder Barcelona. Die Leute im Cafe schauten Fußball und wir mit ihnen, bald verehrten auch wir Cri“sch“tiano Ronaldo, so wie sie – wenn man mal dort ist, versteht man das Gehabe Cri“sch“tianos vielleicht besser. Cri“sch“tiano thront nicht weit von seinem Elternhaus am Pier am Westlichen Ende des Hafens als Bronzestatue mit eine großen Beule in der Hose. Wie Papabert fand, eine etwas zu große Beule. Das sah alles andere als natürlich aus – oder die Madeirer haben so große Beulen. Nur wenige Tage nach unserer Abreise hat jemand die Statue geschändet, indem er „Messi“ auf Cri“sch“tianos Kopf schrieb.

An der Nordküste lud uns Porto Moniz fast zum Baden ein, wenn wir nur unsere Badesachen mitgehabt hätten!!! Die natürlichen Fels-Becken mit sauberstem Atlantikwasser gefüllt sehen herrlich aus, sind auch im Winter warm. Weiter westlich wurde in den Becken, die aussahen wie ein Freibad gefischt – mit der Angel – früher wurden in diese Becken Fische hineingetrieben, dann mit einem speziellen Sud auf Drogen gesetzt und schließlich per Hand nach Hause getragen. Vielleicht machen es manche immer noch so.

Madeira ist einen Urlaub wert! Auch der Madeira-Wein, auch der Poncha! Wird im Achtel-Glas ausgeschenkt – und das Gute: Man braucht nur einen einzigen, um nicht mehr nach Hause zu finden! Auch der Espada und das Brot, die Suppen und Rindersteaks waren erstklassig. Vielleicht segeln wir mal hin. Oder darüber hinaus! Nach Westen, in die Karibik. Oder nach Southcarolina!

 

 

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Pizza Goffredo

 

Pizza Goffredo, was sage ich, Belegtes Brot aus dem Holzofen kann so schmecken, dass man denkt, hier liegt ein Stück Gott vor einem am Teller, oder eine Haupt- und Nachspeise und Dessert noch dazu. So wie dieses Scheiben-Brötchen schmeckt, hat man Mühe, auf seinem Sessel nicht nach hinten zu kippen und lauthals zu schreien, dass man das Gefühl, wenn sie im Mund vor sich hin prickelt nicht mehr aushält, weil es außer saugeil nur noch saugeil ist. Pizza Goffredo ist Brot, Mozzarella, Gorgonzola – aber nicht zu viel – dann hauchdünn geschnittene scharfe Salami, 5 Apfelstückchen, und ein Schuss Balsamico. Der Teig leicht überhitzt, mit schwarzen Punkten, ungefähr 1 cm groß, ein leichter, bitterer Ton. Die Rösche? Nicht zu beschreiben, die Säure- und Frucht- und Schärfenverhältnisse nicht zum dazahn (das ist Niederösterreichisch für „nicht aushaltbar“). Man möchte nie mehr wieder weiter wegfahren als Italien, niemals auch nur italienischen Boden verlassen, auch wenn man nicht Italienisch kann. Wenn man Bilder von Palmen, weißen Sandstränden, Riffen und Fischen am Riff, exotische warme Meere auf den Plakaten sieht, ist schlagartig klar, man kann nicht einfach nur in Italien bleiben kann. Gut ok, Augen zu und durch. Es gibt ja auch anderes als Pizza – obwohl, nicht viel. Wenns sein muss, oder die kulinarische Toleranz es erlaubt, kann auch mal woanders als nach Italien reisen, ja, das kann man zugeben. Man kann mit seinem Boot auch mal woanders hinfahren, segeln, mit 10.000 PS kurz ins Gas steigen. Nach Madeira zum Beispiel. Oder in die Karibik. Aber diese Pizza wird uns immer abgehen, immer, immer, immer, egal wo wir auch sind. Sobald wir Italien verlassen haben, ist auch die Pizza verlassen. Das ist eine Schande.

 

 

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Die Helden des Fahrtensegelns kommen aus Annaberg

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Also, es gibt ja echt Menschen, die alles für eine Weltumsegelung tun. Obwohl: Viele würden wahrscheinlich nicht ihre Kinder verkaufen, wohl aber ihre Wohnung, ihr Auto und ihre Plattensammlung. Manche verabschieden sich für die nächsten 10 Jahre – manche für immer, wenn sie nicht mehr nach Hause zurückkommen. Dann melden sie ihre Handys ab, melden dafür Satellitenhandys an, kündigen die Gis und besorgen sich dafür mobile Internetzugänge, kündigen Haushaltsversicherungen und eröffnen Lebensversicherungen, die Liste ließe sich noch lange fortführen. Man möchte davon halten was man will. Solange schiffstechnisch alles einwandfrei läuft ist die Sache vielleicht gar nicht schlimm. Ausgenommen mal das Soziale – aber um das soll es jetzt mal nicht gehen.

Manche dieser Helden sind schwere Idealisten, sie gehen ihren Weg, auch wenn er noch so mühsam ist. Und genau das macht diese Helden eben zu Helden. Vor 2,5 Jahren in Reggio haben wir Martina und Florian kennen gelernt und ein Bier am Pier getrunken. Zwei sympathische Abenteurer, unbeirrbar, hart im Nehmen, kaltschnäuzig und trotzdem locker an der Sache. Beim Lesen ihrer Geschichten bekommen wir regelmäßig nasse Füße, obwohl die Heizung in der Wohnung gerade mal 18 Grad schafft. Schon damals konnten sie ihren Motor nur 5 Minuten laufen lassen, weil die Seewasserpumpe defekt war. Der Motor wäre in Minute 6 wahrscheinlich explodiert. Sie erzählten von ihrem Schiff, das schon 2 Mal und die Erde gesegelt war, sie erzählten von ihrem Kreuzkurs durch die Straße von Messsina – die verdammt schmal im Kreuzkurs ist, auch im engen Hafenbecken noch Kreuzkurs, um im letzten Moment den Motor starten und gerade noch das Anlegemanöver hinkriegen. Huiiija! Und seit dieser Zeit lesen wir ihren Blog http://weltumsegelung.blogspot.co.at/ und fühlen uns in unserer Welt so was von verwöhnt, wie beim vollen Programm, im Aux Gazelle inklusive Seifenschaum und Massage, oder sonst wo. Was dagegen haben wir schon geleistet? Eine Totalsanierung einer GFK-Yacht auf der Wiese, mit allen Annehmlichkeiten?

Ein alter Seglerspruch ist ja: Segeln… Das ist…ähm… sein Boot an den schönsten Plätzen der Erde – zu reparieren. Dieser Spruch passt so gut wie die Faust auf das Schiff unserer Bekannten. Aktuell, nur während der letzten paar Tage – und diese Frequenz an Reparaturen hält laut ihrem Blog schon seit 2 Jahren an – haben sie die Wellendichtung im schwimmenden Schiff erneuert – dabei draufgekommen, dass das Getriebe einen Lagerschaden hat, dann hatte noch die Lichtmaschine einen Lagerschaden, dann dürfte ein Blitz den Kartenplotter beschädigt haben, sodass der keine Positionsdaten mehr an das UKW sendet – welches aber gerade neu eingebaut wurde. Ihr Schiff sieht permanent so aus wie unseres in Niederösterreich. Nur sind sie auf Fahrt – und in den Tropen, zur Zeit in Panama, da sind 40 Grad und eine Luftfeuchtigkeit wie bei einem Saunaaufguss nichts, was erwähnenswert wäre.

In letzter Zeit scheint es, als würden ein paar destruktive Wörter in den Berichten zu lesen sein. Nennen wollen wir sie hier nicht. Wir wollen ja kein Unglück heraufbeschwören und schon gar keine Werbung für Destruktion machen. Dabei sind sie gerade im Begriff, von Mittelamerika weiter nach Polynesien zu gehen. Wir wünschen ihnen jedenfalls hiermit beste Winde, eine tadellose Technik, eine Menge Daten, ein trockenes Schiff, ein trockenes Höschen, ein standhaftes Rigg und alles weitere, das man für so eine Überfahrt brauchen kann. Martina und Florian!! Ihr seid unsere Helden der Schifffahrt!!! Ihr solltet jetzt schon mal um Preise ansuchen! Um Preise für die „Expedition Schiff“!! Die habt ihr nämlich schon längst verdient!! Preise von all jenen, die mit euren unglaublichen Durchhaltevermögen Profit schlagen!! So wie wir zum Beispiel, indem ihr uns wissen lasst, was man doch alles aushalten kann, wenn man will. Oder alle Schiffsausrüster rund um den Globus. Haltet die Ohren steif und haltet uns am Laufenden! Wir halten zu euch – auch in Krisenzeiten!

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Salzverkrustet – Der Reisebericht der Jahres!

Endlich im Handel erhältlich!! Unser Reisebericht in Buchform, gebunden, mit 61 Fotos, sieht schön aus – und liest sich fein. Und wenn man es selbst nicht lesen will, hat man ja immer noch Onkeln und Tanten, Nichten und Neffen, die bald beschenkt werden wollen!! Das ist DER Reisebericht des Jahres. Das ist sicher!! Wir freuen uns auch über eine Bewertung!!

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Vor Anker in Porto Azzurro – mit Polizistenkopfball

elba2_grNach Elba. Da wollten wir hin. Endlich!!! Schon seit Ostern freuten wir uns auf diesen Tag der Abreise. Aber voher noch nach Cecina, Ilva vom Hafen abholen, mit dem Mietauto und Zwergiberta im Kindersitz. Nach 13 Stunden waren wir da, in brütender Hitze, bei Sonnenschein, nichts als Sonnenschein, fast 40 Grad, nicht viel weniger in der Nacht, da warens nur noch 32 Grad. Auch in Wien nicht weniger heiß – aber am Meer hält man ja alles besser aus. Mamabert fand trotzdem, dass sie weit über ihrer persönlichen Betriebstemperatur lief – die Muttermilch war schon sauer, bevor sie in Zwergiberts Mund gelangte.

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Nach ein paar Tagen des Wartens und einigen Reparaturen gings los, raus aus dem Hafen!!! Volle Kraft voraus!! In die Bucht an der Ostseite von Elba, nach Porto Azzurro, 33 Seemeilen, ein Klacks. Die Bedingungen waren perfekt. Windstärke 3 – zumindest die ersten Stunden, danach schlief der Wind ein und wir motorten mit Autopilot. Unsere Gäste an Bord wollten schließlich beeindruckt werden.

Die Bucht von Porto Azzurro ist nach Osten hin offen. Und das Beste: der Wind blieb auf West, die nächsten Tage lang – ich meine – was, wenn wir das so bestellt hätten? Wieviel müssten wir dafür bezahlen? Es war ein Traumtörn, und wieder wussten wir, wofür wir das alles auf uns genommen haben.

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In einer Traumkulisse vor Anker, auf 8 Metern Tiefe ging wieder mal unser Seglerherzerl auf; unsere kulinarisch verwaisten Mägen wurden mit Pizze und Wildsau in höchster Güteklasse verwöhnt. Und die emotionalen Tanks füllten sich mit neuen Hormonen, sogenannten Opiaten, oder Endorphinen. Während der drei Wochen hatten wir eine Menge Gäste an Bord und eine Menge Spaß – es war die Mischung aus Seglerleben und Touristendasein. Schließlich wollten die Kinder ja wissen, wo Napoleon hinverbannt worden war.

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Ilva bekam wieder mal ein bisschen Liebe: Die gesamte Kloanlage ist nun wieder wie neu. Wie 2012, am Trockendock in den Alpen – gänzlich ohne Urinstein und mit einem nagelneuen Ventil, um auch dann den Klodeckel heben zu können, wenn man(n) od. fr(au) möchte, und nicht erst, wenn das Klo sich willig zeigt (grazie, lieber Papabert!). Dann bekam Ilva einen neuen Verklicker (den alten hatte der Wintersturm geholt – dieses billige Scheißding) und das Teakdeck bekam zwei neue Schichten Tropical Teak-Sealer. Und so weiter und so weiter. Was noch? Ach ja, eine Klüse hatte sich gelockert. War aber schnell erledigt. Ilva ist also immer noch (oder schon wieder) top in Schuss. Genauso wie ihre Crew.

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„Hey, Hey“, schrie er, der mutmaßliche Italiener am Gummiboot in der Bucht von Porto Azzurro. Er stand da ganz alleine, winkte und tat dem Papabert leid. Er hatte seinen Radiergummi an einer Boje im schnuckligen Hafen festgemacht. Der immer noch „mutmaßliche“ Italiener bat Papabert, der gerade mit dem Dinghi zwischen Ilva und Strand hin und her fuhr, ihn mitzunehmen an die Küste, zu seinem Hotel. Er sprach unheimlich gut Englisch und Papabert fragte ihn, warum er denn so gut Englisch konnte. Er sagte, er sei aus „E“merika. Papabert sagte: „Was? Aus „E“merika? Was macht denn ein Amerikaner auf einem Gummiboot in Porto Azzurro?“ Er sagte, er mache hier Business, DIE amerikanische Volkskrankheit. Aha. Blöde Frage aber auch. Was soll ein Amerikaner aus „E“merika sonst hier machen? Urlaub? Nö. Und wenn, dann nur unbezahlten Urlaub, zwei Wochen im Jahr. Jedenfalls war Fred aus New York und hier glücklich wie ein Baby. Fred erzählte noch, er sei vor sieben Jahren hier hergezogen und habe sich dieses Hotel gekauft. Er zeigte es mit einem Wink. Ein 3-Stern Hotel. Bei weitem das schäbigste an der Hafenpromenade. „Die Geschäfte laufen mittelmäßig bis schlecht“, erzählte er, aber hier sei schließlich der Ort, an dem er zu Hause ist. Viel Glück wünschte ihm Papabert. Und zahlende Kunden. Auch im Winter. Fred bedankte sich im Stile eines echten Sunnyboys und dann war er mit samt seiner knappen Badehose verschwunden.

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Aber nicht nur der entschleunigte Amerikaner, auch wir machten Eindruck. Zwergiberta war der Liebling der Nachbarschaft, so klein, so süß, so kokett …. eine richtige Südländerin, mit einem entzückenden Lächeln. Wenn dann die Kellnerin unseres Hafenlieblingsrestaurants sie mit „Ciao patata“ begrüßte und gleich auf ihrem Arm entführte, fühlte sich nicht nur Zwergberta königlich.

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Unser Kindbert hingegen wurde groß diesen Sommer – das konnte man an seiner coolen Art und dem unbeeindruckten Gesichtsausdruck beim Fußballspielen erkennen. Als nämlich die dünne Polizistin, „Piano, Piano“ schrie, wo sie mit ihrem dicken Kollegen über den Hauptplatz von Porto Azzurro ging. Sie war im Dienst, sah gemeinsam mit ihrem Kollegen nach, ob am Hauptplatz alles seine Ordnung hatte. Und die Ordnung war fixi foxi paletti. Garantiert. Das einzig Nicht-Ordentliche an der Umgebung war, dass Papabert – leibhaftiger Kapitän der Ilva – der dünnen Polizistin den Fußball auf den Kopf geschossen hatte. Das hat sie nicht so nett gefunden. Nicht so ihr dicker Kollege. Der hat gelacht. Und Kindbert hat auf dem Hauptplatz weiter Flanken geübt. Alles easy in Porto Azzurro.

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Vom Unterschied zwischen Wasser und Land

On Saturday, November 29, Team Vestas Wind«s boat grounded on the Cargados Carajos Shoals, Mauritius, in the Indian Ocean. Fortunately, no one has been injured.

On Saturday, November 29, Team Vestas Wind«s boat grounded on the Cargados Carajos Shoals, Mauritius, in the Indian Ocean. Fortunately, no one has been injured.

Auf diesem Bild stimmt etwas nicht. Oder bin ich auf einem Auge blind? Oder hat ein Computer ein Bild falsch generiert? Liegt da eine Yacht im Niemandsland? Ja. Hier liegt eine Yacht im Niemands“land“, mindestens eine Million schwer und schön aussehen tut sie auch noch. Sie steckt im Sand, ihr Mast ist noch gut, die Segel vielleicht auch noch, vielleicht ist da jede Menge noch gut – außer dem Kartenplotter. Also den würd ich nicht mitgehen lassen, wenn ich da jetzt ein Räuber wär. Es ist wirklich ein Land, in dem diese Yacht liegt, das Niemandsland, ohne Straßennamen oder beschilderten Mistkübeln.

Gut. Man kann nicht sagen, eine Yacht brauche ihr Land nicht. Denn wenn sie repariert werden möchte, dann liegt sie gerne auf Böcken auf Asphaltplätzen ohne Beschattung. Oder auf Wiesen zwischen Maulwurfshügeln und Vogelnestern.

So ein schönes Schiff, so eine schöne Erfindung, ein technisches Wunderwerk, ein Kulturgut – meiner Meinung nach. Aber was zählt das schon. Dieses ausgeschiedene Stück Kultur liegt ziemlich weit weg von dem Ort, wo es produziert wurde. Ja, das ist doch üblich bei einem Segelschiff. Stimmt, der Leser hat immer Recht. Aber trotzdem hat das nicht nur Vorteile. Ähnliches kulturell hochgezüchtetes Material gibt’s dort nämlich nicht, deswegen ist ja die Bergung, ähm, Reparierung, ähm Totalrestaurierung, ähm die Mitnachhausenahme so einfach. Es gibt dort weder Schweißbrenner, noch Akkuschrauber, weder Bolzenschneider noch Brotmesser.

Aber vielleicht ist die Bergung schon geschehen, mit einem Kran von der Insel dort, einem Kranfahrer, der ausnahmsweise mal nicht voll mit Gras ist und einem LKW, der mit Biotreibstoff alles schonend in eine Müllverbrennungsanlage bringt, die dann den ganzen feuchten Schrott zu elektrischer Energie verarbeitet. Kein Biostrom – leider, ist dann Yacht-Strom.

Nichts von dem, was auf der Yacht verfügbar ist, gibt’s sonst noch wo. Gar nichts. Weder das Süßwasser im Süßwassertank, Glas- und Kohlefasern? – Fehlanzeige. Stahl? – vielleicht tausend Meter unter dem Meer. Aluminium? Ach ja, der Kochtopf dieses Renndampfers ist sicher aus Aluminium. Die Kochgelegenheit muss schön leicht sein, damit das Schiff schnell fahren kann. Dieses Teil ist nämlich eine Rennyacht, die mit 18 Knoten – das sind 33,336 km/h – auf einen Steinklotz aufgelaufen ist, der 30 Kilometer lang ist. Der größte Teil dieses Steines liegt auf eine perfide Art leicht unter dem Wasser, wo man ihn wirklich nicht sehen kann. Man kann ihn vielleicht erahnen, wenn man auf den Zettel guckt, auf dem groß „Seekarte“ steht. So alle paar Stunden sollte man das machen. Bestenfalls einmal am Tag. Also das ist jetzt nur eine Empfehlung.

Der liebe Onkel hier sagt euch mal was: Ein Rennen ist immer gefährlich. Die Gefahr viel zu groß, dass man nur ans Gewinnen denkt und dann – ohne dass man es merkt – alles andere außer acht lässt. Ich meine wirklich „alles“ außer Acht lassen, denn außer diesem ehemaligen Vulkan gibt es dort wirklich nichts. Also: ziehen wir mal alles ab, was an dieser Stelle – an diesem Foto – so unwichtig ist, dann haben die Alkoholiker auf diesem Schiff wirklich ALLES außer Acht gelassen. Im Prinzip sogar sich selber. Einen dreißig mal zehn mal drei Kilometer großen Stein.

In segler-geschwängerten Foren des Netzes ist eine Debatte darüber entbrannt, ob man zu diesem Fall sagen darf, dass die, die diesen Unfall verursacht haben, absolut kirre sind. Bobby Schenk tat sich als Moralapostel hervor – und wurde wüst beschimpft. Ich würde sagen: Nein. Diese Menschen sind nich kirre, sie sind absolut seriös. Diese Typen haben so gar keine Scheu von solchen Kleinigkeiten, denn sie sind kurz darauf weiter gefahren. Haben das Schiff gewechselt. Rennfahrer ist eben Rennfahrer.

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Giovanni Passanante – Anarchist. Ein Nachruf unter die Erde.

PassananteIhr habt lange nichts von uns gehört. Das heißt aber nicht, dass wir nicht aktiv waren. Wir waren auf Elba. Ja! Auf Elba. Insel Napoleons und der Medici. Kaum zu glauben, dass wir es mit der Fähre so weit geschafft haben! Wind und Wetter waren gegen uns. Dazu noch die Wellenhöhen. Gar nicht passend zum Schaukel-Rhythmus, den Zwergibert derzeit benötigt. Aber seis drum: Mit Bahn und Schiff kommt man bequem nach Portoferrario – um nicht zu sagen perfekt! Wieder einer dieser Orte, an die es uns scheinbar ständig zieht!

Mitten im alten Hafen – eigentlich begrenzt er die Hafeneinfahrt steuerbords – steht der Torre del Martello – der Hammerturm. Von den Medici erbaut, 500 Jahre alt. Heute schaut er eher aus, als ob er im ersten Weltkrieg erbaut worden wäre – mit glatten Wänden, achteckig, wehrhaft, grauenerweckend, rationalistisch, hässlich – und doch macht ihn seine Geschichte zu einem Bauwerk, das man erhalten muss – für die Nachwelt. Damit sie sieht, wozu Menschen fähig sind.

Denn dort hat sich eine Geschichte zugetragen, die auch müde Urlauber in eine Schockstarre versetzt. Wie kann es denn sein, dass dort im Torre del Martello – unterhalb der Meereslinie – ein Mensch – Giovanni Passanante – in einem 1,40 Meter hohen Raum ohne Licht und Fenster zehn Jahre überleben konnte? Zehn Jahre in absoluter Finsternis in einem kalten, nassen Verlies aus Felsen und Nässe, die aus den Steinen sprudelt? Zehn Jahre, das sind 3650 Tage ohne Zuspruch, ohne Sozialität, ohne Menschlichkeit! Es heißt, die ein- und auslaufenden Fischer hätten Passanante schreien gehört. Zehn Jahre lang.

Wenn man sich die Szenerie vom hoch gelegenen Forte Falcone ansieht, läuft es einem kalt über den Rücken. Die menschliche Leidensfähigkeit kennt scheinbar keine Grenzen. Und die menschliche Grausamkeit ebenso wenig.

Gut. Passanante war ein Übeltäter, das muss man sagen. Er hatte im Jahr 1878 versucht, König Umberto mit einem Messer zu töten. Gut, muss man sagen, das gehört sich nun wirklich nicht. Wie krank muss man sein, das versuchen zu wollen? Mit einem Messer auf offener Straße? Vielleicht hat er sich bewusst für den Widerstand geopfert? Wer weiß? Vielleicht wollte er ein Zeichen setzen: dass man sich auch gegen die Monarchie auflehnen KANN – dass es möglich ist – seht her!! Es bringt zwar nichts und bringt mir ein paar Probleme, aber machen KANN man es!! Seht nur her – und nehmt euch ein Beispiel! Ihr lahmen Pfützen !°!

Vielleicht hat Passanante genau das gedacht. Wir werden es nie erfahren. Wir wissen nur, dass er an einer 18 kg schweren Eisenkette hing. Wir wissen nicht – und können uns nicht vorstellen, wie sich das über die Jahre anfühlt. In Dunkelheit und Kälte, blind, ohne Sinne, in einem leeren Universum ein- und ausatmen.

Nach zehn Jahren wurde Passanante in ein Irrenhaus, in das Montelupo Fiorentino der Villa Medici L‘Ambrogiana gebracht. Dort blieb er zwei Jahre lang am Leben, ehe er 1910 Selbstmord beging. Sein Kopf wurde abgetrennt und ins Kriminalmuseum nach Rom gebracht und ausgestellt.

Da steht man nun und beschaut diese wundervolle Insel. Man sieht Wälder, Bergketten, Steilküsten, Strände und Buchten, fein gezeichnete Täler, Pinien, Föhren, Schiffe in allen Größen, Häfen, Kinder mit Eistüten, kleine Inselhopper-Autos, rauchende Schülerinnen und sonnenhungrige Urlauber aus Pisa. Und mitten unter ihr – eine Geschichte, ganz nahe, ganz schauderhaft, ganz real, ganz irre, ganz europäisch.

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Valentinstag – ein Tag, um sich in eine Yacht zu verlieben

Der Valentinstag kann ohne Blumen und Pralinen gefeiert werden. So wie der Zeit-Artikel vom 12. Februar schreibt, ist das Verleben des Valentinstages auch auf einer Insel möglich. Auf einer Insel in der Müritz oder auf der kroatischen Insel Galesnjak, beides Inseln in Herzform. Anscheindend wollten schon viele diese Inseln kaufen – um was zu tun? Sich liegend hinter Grasbüschel zu verstecken? Um endlich mal dieses verammte Wasserklosett loszuwerden? Oder vielleicht, um sich einfach nur an der Herzform der Insel zu erfreuen? Niemand wird es je erfahren.
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Man könnte sich aber auch daran erfreuen, eine Yacht zu renovieren. Gerade der 14. Februar ist dafür ganz sicher ein gutes Datum. Man könnte bei der Kälte mal den Innenausbau lackieren. Je kälter desto besser – denn dann trocknet der Lack langsamer – is für ein tolles Finish ja – was soll ich sagen – DIE Bedingung!
Man könnte aber auch den Sessel (auf dem Bild zu erkennen) hernehmen und sich damit mit Schleifmaschine und Staubsauger dafür opfern, den Gelcoat aufzurauen. Wenn er nicht schon rau genug ist.
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Ein Hang zum Extrem besteht bei uns Bootbauern ja in jedem Fall. Alleine der Wunsch, auf dem Wasser zu wohnen mutet doch extrem an. Wie viele normale Menschen haben so einen Traum? Ich meine hier „Traum“ im Sinne von „Wunsch“, nicht „Traum“ im Sinne von „Traum“. Denn träumen kann man ja eine ganze Menge. Während der REM-Phase ist ein Jahr auf dem Meer ja nichts Besonderes.

Nochmal zum Traum: Da beginnt man mit einer kleinen romantischen Idee. Verlockend, ahhh, sexy, (Yachten machen doch sexy, oder?), wie schön! Dabei weiß man aber nicht automatisch, dass einem dieser Traum nicht mehr so schnell loslassen wird. Nicht bevor dieses Ding vor der eigenen Nase im Wasser schwimmt, auf einen wartet und sagt: „Kapitain, der Latin Lover ist fertig serviert! Er wartet auf sie an der Dinette, gleich neben dem Logbuch und den Seekarten. Bitte nehmen sie ihn ein. Wenn sie wollen noch mit zwei Brocken Eis!“

Aber natürlich. Man könnte mit all der Träumerei schon aufhören. Jeden Traum kann man verwerfen, jedes Projekt zu Matsch zertrampeln. Man kriecht entweder aus dem Bett und vergisst, was gerade im Hirnareal abgelaufen war oder man verlässt die Baustelle, hängt den Blaumann an den Nagel, lässt das Ding vermodern, genauso wie den Wunsch, den man mal hatte. Den Traum von gestern hat man ja ohnehin vergessen, wenn man die Kaffeemaschine einschaltet.
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Man könnte auch warten, bis Bäume im Rumpf wachsen (Manche nennen das einen „Mast züchten“). Dann könnte man ein Maibaumsteigen organisieren. Vom Salon gehts über die Luke raus auf den Baum, höher, immer höher, bis zur Wurst. Die wird – einem österreichischen Brauch gemäß – abgeschnitten und als Trophäe mit nach unten genommen. So wie die Indianer oder Polynesier einer schlafenden Frau eine Locke vom Haar stehlen und sie ihren Freunden als Trophäe vorlegen. Diese Locke wird dann in einem Joint geraucht, quasi inhaliert, um den Geist dieser Frau auf das qualmene Selbst zu übertragen. Das ist ähnlich wie mit der Wurst, die wird auch gegessen. Der Geist der Sau wird quasi dann in das Selbst mit-übertragen. Ein Vorgang, den der gemeine Mitteleuropäer ja ziemlich oft wiederholt. Die Frage ist, inwiefern das Schwein vom Selbst nach außen dringt – oder – um es weniger plakativ zu formulieren – inwiefern sich das Schwein-Selbst ins Mensch-Selbst einpflanzt (oder dekonstruktivistisch gesprochen „aufpfropft“). Man könnte ja manchmal glauben, das Schwein-Selbst übernimmt sogar die Führung des Mensch-Selbst. Dann werden die Menschen selbst zum Schwein, schweinisch – sie zanken sich um Theaterkarten zum Beispiel oder an der Kassa beim Billa. Im Bett wird sich bei denen nichts regen. Deswegen müssen sie ihr Schwein-Sein anders ausleben. Das ist schade. Aber trotz allem ist das nichts anderes als einfachste Psychologie. Hat der Mensch, was er begehrt, wird er zum Lämmchen. Hat er es nicht – zum Schweinchen. Zwei Positionen. Eine Debatte auf höchstem Niveau tut sich hier auf. Wissenschaftler könnten sie verfolgen, diese Debatte. Sie könnte Analysen anstellen, Vergleiche, oder Beobachtungen. Auf jeden Fall nicht den Maßstab vergessen! Und nicht auf den folgenden Satz: Nimm dich in Acht vor den Ideen deines Gehirnes!
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Cecina Nummer 1

Cecina – Landhaus im Rosa-Sauber-Stil – direkt im Wald vor Cecina gelegen. Im dichten Gebüsch fast nicht auszumachen. Ein Weg führt dahin, scheint aber eine Sackgasse zu sein. Das Licht fällt fast waagrecht in den Wald. Bei Sonnenuntergang – wie ein Waldbrand, 5 MInuten davor. Wow, hier müsste Lars von Trier mal einen neuen Waldfilm drehen. Er könnte sich die Scheinwerfer sparen. Dringend benötigte Gasflasche besorgt. Oui Capitan. Hinter drei Hausecken und zwischen 2 scharfen Hunden mitten in Cecina gelegen. Das war nicht leicht herauszufinden – obwohl viele Menschen in der Stadt wahrhaftig dran mitgearbeitet haben – Tankwart, Fleischhacker, Verkäufer in der Eisenhandlung (2 Mal),  Einkaufszentrum – Mann mit breitem Grinsen, Verkäufer aus dem Modegeschäft – bei all der Fragerei gleich Bekanntschaften geschlossen. Gracie. Nun können wieder die Menüs aus der schiffseigenen Kombüse geliefert werden – mit Volldampf. Wann ist Ostern?

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