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Guadix – Vom Fortbestand der Höhlenmenschen

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Noch immer sie sind unter uns, die Höhlenmenschen. Blödsinn? Nein gar nicht. Die halten sich hartnäckig zwischen unseren Reihen. Sie geben ihre Gene dominant vererbt weiter an ihre Nachkommen und wie wahrscheinlich schon bekannt, ist das je nach sozial relevanter Umgebung gut oder schlecht.

BildViele von ihnen leben seit Urzeiten in Guadix, einer Stadt im andalusischen Hinterland. Dort kann man zwischen ihren Häusern, die mittlerweile mit Garagen und Sat-Schüssel ausgestatten sind, in kleinen Gässchen spazieren gehen. Oder schlicht über sie hinweg – über eine stark hügelige Wiese, deren wüstenbraun von weiß getüchnten Rauchfangschloten durchzogen wird.

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Wir waren dort und weil das Museum zum besseren Verständnis der „Casas de Cuevas“ von Guadix zugesperrt war, hat uns ein „Höhlenmensch“ zu sich hereingebeten. Überhaupt waren alle dortigen Höhlenmenschen sozial sehr hoch entwickelt! In seine Höhle hat er uns zwar gelockt mit einem „gratis!“, aufgefressen wurden wir aber trotz allem nicht. Sondern weiter gebildet. Wir wissen dank ihm, den lebensfrohen Höhlenopa, dass Guadix die nachweislich am längsten bewohnte Siedlung in Andalusien ist. Dass dort der Bischofssitz war während der Zeit der Mauren. Die Leuten haben bei ihren Streifzügen durch die Sierra Nevada immer wieder leicht bearbeitbare Löss- und Lehmschichten zwischen den Gesteinsbrocken entdeckt, die sich gut mit bloßen Händen bearbeiten ließen. Sie haben sich mit Hilfe der Hände und Spaten Schlafkammern (ganz hinten) Wohnzimmer (in der Mitte) und Küchen (ganz vorne) sowie Bäder und Klos gebaut. Einfach reingraben, verputzen, fertig! Die Vorteile wurden den Höhlenmenschen alsbald bewusst: im Sommer 20° und im Winter auch! Ebenfalls im Frühling und Herbst. Und immer leise, innen und außen.

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Apropos draußen: Die fortschrittlichen (oder degenerierten?) Höhlenmenschennachkommen quietschen sich dort ohrenbetäubend mit ihren Automobilen durch die Gegend, dass es eine Freud ist. Jedes Auto, egal ob langsam oder schnell, quietscht extrem. Ein neuzeitliches Statussymbol? Wir konnte das nicht eruieren. Wie man das als AnwohnerIn aushält, haben wir auch nicht herausgefunden – vielleicht sind die allesamt schon akklimatisiert, sprich ohrmuschellos und somit bereits organisch desensibilisiert?? Die Evolution hilft ja angeblich, wo sie nur kann. Wir jedenfalls konnten unsere eigenen Gedanken gar nicht mehr hören. Nur wenige ruhigere Exemplare konnten wir auf einem Eselskarren oder begleitet von Hütehunden unter einer großen Herde von Schafen im ausgetrockneten Flussbett entdecken.

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Aber auch außerhalb von Guadix findet man so manchen Höhlenmensch, der auszog, die Welt zu entdecken ….
Manche benützen den Paseo Maritimo (breit und schön angelegter Pier am Strand) in Almeria als Klo für ihre Höllenhunde (das zweite L stellt keine Tippfehler dar!) ohne sich um die fatalen olfaktorischen Folgen zu kümmern. Von der Ausrutsch- und Verletzungsgefahr ganz zu schweigen. Seit wir hier spazieren, kennt auch Kindbert den Unterschied zwischen Apfel und Wurze. (So beeindruckend wie manche Geschäfte hier uns vor Augen liegen, haben wir großen Respekt vor den Riesenviechern – weil die müssen tatsächlich gigantische Ausmaße haben). Auch ihre menschlichen Nachkommen erhalten diese „Lass-es-überall-laufen-Mentalität“ von klein an.
Am Strand und am Spielplatz wird munter von den Kleinen unter Anweisung ihrer Erwachsenen BegleiterInnen überall hin geludelt. Keiner kümmert sich darum oder lässt sich davon bekümmern. Einfach dreinsteigen scheint die Höhlenmenschenlösung zu sein (vielleicht sind sie ja im Besitz von urzeitlichen Abwehrkräften?) Ja, eh nicht so schlimm, aber im Hallenbad auch?  Da werden die Kindergartenkinder von den Kindergärtnerinnen aktiv dazu angehalten, in die Gemeinschaftsduschen (lokalisiert gut einsehbar am Rand des Beckens) zu urinieren. Puh, das hat Papabert Nerven gekostet – vor Entrüstung hätte er beinahe laut aufgeschrien. Das darf man aber nicht im Hallenbad, genauso wenig wie Ballspielen oder reinspringen. Da kommt er, der Bademeister und maßregelt Papabert. Er hatte keine Badeschlapfen mit …. auch ein Höhlenmensch ist vergesslich, ja, ludelt aber vor seinem Chef nicht in die Dusche.

Wir sind jetzt auch immer öfter in unserer schwimmenden Höhle. Der starke Wind in der Straße von Gibraltar hindert uns an weiteren Törns nach Melilla und Marokko. 30 Knoten Wind und Wellen so hoch wie Häuser – ob Höhle oder nicht – ist nicht unser Geschmack. ……
Wir selbst erscheinen anderen sicherlich auch wie Höhlenmenschen, wenn wir am Steg andere FahrtenyachtlerInnen ansprechen – ganz ungeniert mittlerweile, woher sie kommen und wohin sie ziehen, in Jogginghosen in Begleitung von Kindbert mit seinem schulterlangem, oft unfrisiertem Haar (Haaroptisch stehen ihm seine Eltern nun fast um nichts mehr nach) oder wir selbst fühlen uns so, während wir versuchen, mit unserem immer noch sehr schlechtem Spanisch ein auf die Packung gedrucktes Kochrezept zu verstehen.
Irgendeine(r) von den Höhlenmenschen hat unseren Roller, der schon seit Wochen fertig zum Einsatz an der Entnahmestelle für Strom und Wasser direkt vor unserem Boot am Pier steht einfach mitgenommen. Warum? Naja, weil alles MIR gehört was wo rumsteht, sofern mich nicht ein elektrischer oder sonstiger Schlag trifft, wenn ich es einfach nehme. Oder vielleicht weil er ein „guter“ Höhlenmensch ist, der für mehr Ordnung und Recht sorgen wollte. Wir Höhlenmenschen können uns die Beweggründe dafür nicht vorstellen – aber unsere Keule wird ihn hart treffen, sobald wir ihn mit unserem Roller an uns vorbeirollern sehen!

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Vorbereitungen zur Abfahrt

Nachdem wir in den nächsten Tagen nach Melilla (die spanische Enklave in Marokko) segeln wollen, stehen nun wieder langsam die Vorbereitungen für die Abfahrt an. Die Backskisten gehören einmal ordentlich gesäubert und das Zeug so verstaut, dass mans auch herausbekommt, wenns Not tut, ohne sich Arme und Beine zu verrenken. Der gesamte Innenraum benötigt ebenso mal einen Herbstputz, ganz zu schweigen von dem ganzen Rest außendrumherum, der im UV-Licht und vom vielen Sand gezeichnet vor sich rumaltert.
Kuchenbude, Deck, Fenster, Luken, Winschen – mal reinigen, pflegen und fetten – ist ja letztlich auch unser Haus und Heim. Dazu gehört natürlich ebenso der gesamte Motorraum, Bilge, Bilgenpumpen, Dichtungen, Schläuche – ist das alles noch ganz dicht – so wie wir?? Ist das kleine Wasserl im Bad unterhalb der Bilgepumpe nun ein Schwitzwassersee oder ein ungewollter geheimer Rücklauf aus dem Ventil oberhalb der kleinen süßen Pumpe?
Ist die Opferanode tatsächlich noch auf der Antriebswelle? Wie viel Kubikmeter Muscheln züchten wir schon in unserem Unterwasserwald am langen Kiel? Und – wie schön gleichmäßig und rasant kann der Propeller noch propellen, wenn er mit Muscheln und Algen bewachsen ist?

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Einen wesentlichen Teil hat Papabert heute über sich ergehen lassen: Mit Surferneopren-Anzug, Flossen und Taucherbrille gings, zugegebenermaßen nach einigen kurzen heftigen Luftschnappern (Neptun, ist das kalt!) im halbwegs sauberen Hafenbecken einmal rund um ILVA. Das  Wissen um die Fische, die sicherlich nicht umsonst um die Boote kreisen und sehr wohlgenährt aussehen, haben wir kurzfristig aus unserem Gedächtnis gestrichen.
Das Wasser kurzkalt und trüb, kaum Sicht (warum wohl??), aber es ging. Der Papabert hatte einen so großen Auftrieb (sicher ausschließlich wegen dem dicken Neopren), dass das Abtauchen alleine schon absolut „exhausting“ war. Mamaberts tolle Ideen von Gartenschläuchen zum Luftholen unter Wasser und „unten vielleicht Anbinden??“ zur Abtauchhilfe wurden heroisch ignoriert. Eine neue Anode da Unterwasser anzubringen ist sicher ohne Sauerstoffzufuhr ein Ding der Unmöglichkeit – nur mit Luftanhalten nicht zu machen. Aber ein kleiner Teil der Anode ist noch an der Welle – das genügt sicher für die Heimreise. Außerdem lassen wir jetzt im Hafen immer eine zusätzliche Anode an einem Kabel ins Wasser hängen.

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Den restlichen Tag muss Papabert seinen abgetauchten Kreislauf suchen. Wir sind bei unseren Sicherheitsrecherchen nämlich draufgekommen, dass wir durch das Landstromkabel mit der zusätzlichen Erdung eine schöne Batterie aus unserer Antriebseinheit gemacht hätten – und das trotz des Galvanischen Isolators. Die (testweise) ins Wasser gehängte zweite Anode löste sich binnen wenigen Tagen schon um 1 mm auf. So bliebt nichts anderes übrig, als die Erdung im Landstromkabel zu kappen.

Aber es gibt auch Gutes.
Kindbert ist schon seit einigen Wochen beim Fußballtraining. Ihm gefällts, die Kinder sind in seinem Alter, die Matches sehen auch schon gut aus. Doch zwei Stunden pro Woche sind der Beschäftigung nicht genug. Wir zeichnen, lesen, lernen, werkeln viel und kochen im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts. Auch wurden mehrere Exkursionen in den Wäschesalon der Stadt durchgeführt. Tja, es gibt nicht nur moderne Kunst, sondern auch altbekannte Notwendigkeiten im Leben! Die Damen dort sind schon ganz begeistert von unserem Sohnemann, der im Fußballoutfit dennoch nicht vorm Zusammenlegen diverser Wäscheteile zurückschreckt.

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Heute gabs dennoch mal eine Besonderheit: Apfelstrudel mit Vanillesoße!! Denn als Ausgleich für die Regatta-Einladung unserer Segelbootnachbarn vom letzten Wochenende soll eine Kochunterweisung das eigenständige Nachkochen des Lieblingsrezeptes „Epelstrul“ für engagierte spanische Patisserieköchinnen möglich machen. Puh, da muss erst mal Großvaters Rat per Email heran. Aber nachdem alle zusammen helfen und es dann am Teller dampft und sauer-süßlich nach Zimt riecht wird eine schöne Erinnerung an zu Hause wach. Jetzt wissen wir auch, warum die Urgroßmütter ihre Tage ausschließlich in der Küche verbringen – das dauert ja alles ewiglich! Ein Hoch auf alle, die sich die Zeit nehmen, österreichische Longplay-Rezepte nebst Arbeit und Familie zu kochen.

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Morgen gibts in jedem Fall bei Berts den beliebten Spanischen Eintopf. Das geht schnell – alles rein solang man noch keinen Hunger hat und dann heiß auf den Teller, wenns zu gut riecht, um noch länger darauf zu warten.
Apropos Er-Warten: Wir freuen uns schon sehr auf Melilla, aller Widersprüche zum Trotz, vielleicht gehts dann auch weiter nach Marokko – spannende Häfen,  endlich wieder mal exotisches Essen, Flanieren auf den lokalen Märkten, Funken mit Sprachbarriere – Abenteuer sind garantiert!

Wer sein Moped liebt, der schiebt! Wer ein Boot braucht, der taucht!

 

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Die Alhambra in Granada: Washington Irving – eine Geschichte

Bild– hat ja nicht so viel mit Booten zu tun. Aber: nicht nur Boote sind schön, auch maurische Festungen sind mitunter eine Geschichte wert. Eine davon stammt vom amerikanischen Schriftsteller Washington Irving. Auch er war ein Reisender, einer, der was erleben wollte und sich mit Fremden ohne Vorbehalt einließ, einer, der sich gnadenlos in den Weiten Andalusiens verfangen hat wie in einem Spinnennetz (so ähnlich wie wir).

Um 1830 zog es ihn nach Spanien. Er war einer der wenigen, der schon damals den Krieg der Weißen gegen die Indianer scharf verurteilte. 1828 zog er von Sevilla nach Granada, per Pferd. In der Festung Alhambra gelang es ihm – so quasi als Freizeitbeschäftigung, er war eigentlich ein Historiker – die Erzählungen der Alhambra mit Hilfe der dort anwesenden Personen zu verfassen. Eine Erzählung voller Authentizität, voller weicher Ausdrücke und romantischer Versessenheit. Auch hier kommen die christlichen Eroberer gegenüber den Mauren nicht gut weg.
In Granada angekommen wurden ihm vom Stadthalter die Räume der Alhambra für einige Wochen überlassen. Dieser Ort faszinierte ihn so sehr, dass aus dem – eigentlich nicht ganz so – strengen Geisteswissenschaftler ein Romancier der Sonderklasse wurde. Das Buch „Tales auf the Alhambra“ wurde auf die Schnelle ein Erfolg in England und in den USA.

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So reich wie seine Wortspenden über diesen Strich zerfurchten Landes und dessen Menschen können unsere stümperhaften Versuche, die Wildheit und den Reiz dieser Region auf Papier zu bringen, niemals werden. (Was nicht drin ist, kommt auch beim Hineinzerquetschen nicht raus – fünfter Merksatz in diesem Blog). Deswegen lassen wir in diesem neuen Beitrag– mal so zur Abwechslung – einfach Irving sprechen. Tief verbeugt wollen wir aus dieser Geschichte lernen:

„An dieser Stelle möchte ich zuerst einige Bemerkungen über die spanische Landschaft und über das Reisen in Spanien einfügen. Die meisten Menschen stellen sich Spanien als eine sanfte südliche Region vor, ausgestattet mit den üppigen Reizen des sinnenfreudigen Italiens. Es ist ganz im Gegenteil mit Ausnahme einiger Küstenregionen ein ernstes, ja melancholisches Land mit schroffen Gebirgszügen und weiten baumlosen Ebenen, deren unbeschreibliche Stille und Einsamkeit an das wilde und einsame Afrika erinnern. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die Abwesenheit von Singvögeln, da es an Büschen und Hecken, ihrer natürlichen Umgebung mangelt. Geier und Adler schweben über den Berggipfeln und über den weiten Ebenen, während schreckhafte Trappen sich im Heidekraut herumtreiben; es fehlt die unendliche Vielfalt an Vogelarten, die die Weite der Landschaft in anderen Gegenden beleben, und die hier hauptsächlich zwischen den Obst- und Gemüsegärten in der Nähe der menschlichen Siedlungen anzutreffen sind.

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Im Inneren des Landes durchquert der Reisende manchmal unendliche Weiten, die, so weit das Auge reicht, mit grün wogendem Getreide bebaut sind oder brach unter der sengenden Sonne liegen; aber umsonst hält er Ausschau nach der Hand, die den Boden bearbeitet. Nach einiger Zeit wird er ein kleines Dörfchen auf einem steilen Hügel oder über einem felsigen Abhang erblicken, umgeben von Mauerresten und den Ruinen der Wachtürme. […]
Obwohl einem großen Teil Spaniens der Schmuck der Büsche, Wälder sowie anderer sanfter landschaftlicher Reize fehlt, ist das Land erhaben in seiner Kargheit und steht im Einklang mit den Eigenschaften seines Volkes.
Ich glaube den stolzen, unbeugsamem, anspruchslosen und enthaltsamen Spanier und seinen männlichen, der Gefahr trotzenden Charakter, der alle weichliche Nachgiebigkeit verachtet, besser verstehen zu können, seitdem ich das Land kenne, das er bewohnt.

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Diese einfache Kargheit der spanischen Landschaft vermittelt der Seele ein Gefühl von Erhabenheit. Die weiten Ebenen beider Kastilien und der Mancha, die sich bis an den Horizont erstrecken, beeindrucken gerade wegen ihrer Blöße und Unendlichkeit und erinnern in gewisser Weise an die erhabene Grenzenlosigkeit des Ozeans. Auf der Reise durch die  endlosen Ebenen nimmt das Auge von Zeit zu Zeit eine vereinzelte Schafherde wahr, geführt von einem einsamen und bewegungslosen Schäfer, der mit seinem langen dünnen Hirtenstab, wie eine Lanze in den Himmel zeigend, einer Statue gleicht. Oder man gewahrt einen langsamen Zug Maulesel, die durch die Einöde ziehen, gleich den Kamelherden in der Wüste. Manchmal taucht auch ein einsamer Reiter auf, der mit Doppelflinte und Stilett bewaffnet, die Ebene durchstreift. Auf dieser Art weisen das Land, die Sitten, sogar das Aussehen seiner Bewohner arabische Züge auf.

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Der Brauch, Waffen zu tragen, muss zudem als Beweis für die unsicheren Verhältnisse im Lande angesehen werden. Sowohl der Rinderhirt auf dem Feld als auch der Schafhirt auf der Ebene tragen einen Karabiner und ein Messer. Selten wagt sich ein reicher Bauer ohne seine Trabuco in die nächste Stadt und wenn, dann nur in Begleitung eines Knechtes, der auch ein Gewehr schultert, und so wird aus jedem kleinen Unternehmen ein wahrer Kriegszug.“ (Washington Irving: Erzählungen der Alhambra. Übersetzt von Conchita Sanchez. Ediciones Edilux. Granada. Seite 1-3.)

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Wie kommt es dazu, dass wir solche Texte in das Blog stellen? Wir wollen eine Weile verharren, bevor wir wieder Hafenmole an Hafenmole und Küstenstrich an Küstenstrich reihen. Es erscheint uns wertvoll, die uns unbekannte Küste Spaniens nicht nur im Slow-Motion-Modus an uns vorbeiziehen zu lassen, sondern auch die ersten (und hier beträchtlich hohen) Bergeshürden zu überwinden, um dahinter blicken zu können. Das braucht Energie und Zeit. Wir lesen viel darüber, wie zum Beispiel Geschichten der Alhambra oder von der Insel Cabrera – Napoleons forgotten Soldiers, wir lesen von den Wilden und den Zivilisierten und versuchen auch Kindbert einen Blick in die bewegte Geschichte dieser Kontaktzone zwischen den großen Kulturen der Mauren und der Christen zu geben. Auch wir selbst sind und bleiben Fremde – fast überall auf der Welt. Dennoch leben wir nicht allein oder beziehungslos in unserer Umgebung. Wir lernen unsere Nachbarn, die Leute im Hafen und zufällig vorbeikommende Flanierer kennen. Wir gewinnen Haustiere – wenn auch nur sehr lose – in Form von vielen „Fisch-Hausschweinen“ die unsere Brotreste fressen oder aber auch Wildkatzen am Strand, die sich für unsere Fleischreste begeistern lassen. Es freut uns, für all das Zeit zu haben. Wir verfolgen Segelbootregatten (und Segelbootmodellregatten) und freuen uns schon darauf, den ersten Sperling in unserem neu gebauten Vogelhaus zu begrüßen. Die Sonne lacht noch immer und so tuns auch wir!

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Andalusien – mixed pickles

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Nach der 100 Meilen Fahrt von Cartagena nach Almeria stehen wir nun schon seit über einer Woche in Almeria, im nobel klingenden „Club de Mar“. Der Wind bescherte uns wieder einmal leichtes Amwindsegeln (die Windfahne mags), später gepaart mit einer Motorfahrt durch die pechschwarze Nacht per Autopilot (der Käpten mags). Der Schiffsverkehr wird hier mehr, um nicht zu sagen stark. Man merkt, dass Gibraltar nicht mehr weit ist. Auf den Schiffsstraßen fährt ein Riese nach dem anderen, wie die Laster am Gürtel.
Mit sensationellen 13 Euro pro Nacht (all inklusive Winterpreis) haben wir uns einen längeren Hafenaufenthalt gegönnt. Dazu gibts einen Parkplatz für ein Mietauto (wenn man denn eines besitzen möchte), Internet am Schiff und nur mehr samstags eine ordentliche musikalische Dröhnung vom nahen, äußerst schicken Hafenrestaurant.

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Die Wege in die Stadt sind kurz, gleich um die Ecke liegt der Club de Mar Fitnessbereich mit einem großen Schwimmbecken zum Tauchen und Schwimmenüben für Kindbert.
Weiter vorne zwischen Strand und Küstenstraße liegen fein angelegte Parkanlagen, in denen sich Jongleure, Skater, Läufer, Radler, Fußballer, Speedminton-Spieler, Cafe- und Rotweintrinker die Plätze teilen. Auch in die Altstadt sind es zu Fuß nur zehn Minuten. Selten auf dieser Reise lag alles so eng beieinander.

Inmitten dieses Paradieses herrscht überraschenderweise kein Gedränge. Die Marina samt ihren Gebäuden haben wir fast ganz für uns allein. Abends können wir an Deck nie enden wollend Gitarre spielen und singen, kein Geräusch ist im schwellfreien Wasser zu hören, morgens braucht niemand Angst zu haben, zu spärlich bekleidet von der Aftkabine zur Morgentoilette im Bug zu huschen. Nur die immerscheinende Sonne siehts. Es ist einfach herrlich, was auch immer uns einfällt an Bord oder drum herum zu tun – singen, spielen, fernschauen, flexen, Holzarbeiten … niemanden kratzts.

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Nebenbei hatten wir auch indirekten Besuch von drei netten Freunden in einem Hotel in Granada – wir freuen uns, sagen zu dürfen, dass wir luxuriös mit einer Berühmtheit (Niederösterreicher des Monats!) aus heimatlichen Gefilden gespeist haben, und sozusagen als VIPs im Hotelzimmer waren, um ein bisschen Spaß und Gaudi zu haben – Fußballmatch inklusive: Österreich – Schweden per ipad. Leider hat unsere Schützenhilfe wenig genützt. Langweilig wurde uns jedenfall nicht – der Barfrau des Hotels auch nicht.

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Und gesehen haben wir hier auch schon eine Menge: von den verschiedenen Wüsten, die hinter den ersten Bergkämmen nach der Küste beginnen, über die Sergio-Leone Filmstudios in der Sierra Tabernas (inklusive Western-Schieß-Show), das Cabo de Gata Naturreservat – dem trockensten Ort Spaniens, in dem eine bilderbuchreife Bucht an die andere schließt, das Kastello Alcazabar – eine fulminante Burg mitten in Almeria, den Felsen von Gibraltar inklusive aller Affen und schlechten Pizza-Hut-Pizze und – nicht zu vergessen – das Mare Plastico – das größte von Menschenhand geschaffene Gebiet mit Plastikplanen überzogen. Zwischen den Gewächshäusern liegen immer wieder slumartige Ansiedelungen, in denen die Agrararbeiter ihr Dasein fristen. Diese Menschen, meist aus Afrika zu Billigstlöhnen engagiert, versorgen Europa und die übrige Welt mit billigstem Gemüse und Obst. 80 % der spanischen Obst- und Gemüseproduktion kommen von hier. Immer wieder sieht man Arbeiter, die etwas außerhalb in halb verfallenen Häusern wohnen, wahrscheinlich ohne Strom und fließendes Wasser. Hier wird wasserreiches Gemüse noch billiger produziert als in Afrika! Und das im trockensten Gebiet Europas!

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Durch die vermehrte zeitliche Kapazität bekommt Kindbert in letzter Zeit täglich Unterricht von Mamabert oder Papabert. Es sind schon Fortschritte zu verzeichnen, die uns die Brust stolz anschwellen lassen. Vor allem in Musik gab es einige zu vermerkende Leistungen. Kindbert kann „Drunt in der greanen Au“ singen! Mamabert kann sich nie zurückhalten und singt allweil mit. An „Black Hole Sun“ arbeiten wir noch. Kindbert benennt Mamaberts und Papaberts inbrünstige Bemühungen diesbezüglich bisweilen noch als Gejaule.

Auch Warmwasser haben wir jetzt, wenn der Motor nicht läuft – durch eine elektrische Heizspirale im Boiler und endlich – dank dem hochgelobten Papabert eine tolle Lösung für zwei immer wieder auftretende Wünsche: 1. Mamabert will ein Doppelbett außerhalb des Salons und 2. will Kindbert morgens noch mit dazu. Ein paar Fichtenbretter vervollständigen nun die kaiserlich-königliche Aftkabine. Nun können wir zu dritt (unter luxuriösen Platzverhältnissen bittesehr) in unserer Aftkabine ruhen. Soooo Cool.

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Es hat mittags immer noch 30 Grad, schwitzen ist ja bekanntlich gesund. Das Wetter ist immer noch bis auf ein paar wenige Wolken so, wie man sich das im Himmel vorstellt – trocken, warm, sonnig, klar am Tag, abends angenehm kühl und „zum Zudecken“ in der Nacht bei offenen Türen und Fenstern – sollen wir noch weiter erzählen?

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Badegasticum Idealum (Der ideale Badegast)

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Gefragt, welche Charaktermerkmale den idealen Badegast (wahlweise auch ideale Badegästin) von dem gemeinen Badegast unterscheiden, können folgende 25 Attribute festgehalten werden, welche bis dato jedoch nur selten alle erreicht wurden:

 1. Optimale Höhe: 130 cm, optimale Breite: 20 cm und optimale Tiefe: 30 cm.

2. Sie/Er weiß, die Demokratie hat bis dato alle Boote zum Sinken gebracht und ordnet sich devot in die vorgegebenen Verhaltensregeln ein.

3. Sie/Er kann schwimmen oder erweckt dauerhaft auch in Krisensituationen unter emotionaler Anspannung den Eindruck, es zu können.

4. Sie/Er ist Ernährungswissenschaftler und kann den durchschnittlichen Kalorienbedarf einer Kleinfamilie auf längerer Überfahrt spontan errechnen oder zumindest erraten.

5. Sie/Er trinkt Kaffee ohne Milch und Zucker, warmes Bier, frühstückt das Abendessen von gestern, trinkt ausgerauchtes Mineral und ist mit mindestens einem kardianisch fixierten „Saumagen“ ausgestattet. Sollten dennoch bereits anverdaute Lebensmittel den Körper auf dem falschen Weg und zu ungeeigneter Zeit verlassen, ist es ihr/ihm kein Problem, die Lage soweit im Vorfeld einzuschätzen, dass zeitgerecht und ohne Vorwurf an Crew oder Skipper ein geeignetes Gefäß gesucht, gefunden und in Position gebracht werden kann (am besten eines mit festem Deckel).

6. Sie/Er versucht stets, das Gute in jeder Situation zu erkennen und nimmt positiven Einfluss auf die Bordstimmung – auch ohne Auslauf.

7. Sie/Er hat eine hinlänglich große Portion Humor, bzw. ist zu ironischen Interpretationen der umweltbestimmten Realität in der Lage.

8. Sie/Er liebt Kinder und ihre Tätigkeiten am frühen Morgen und säubert gerne per Hand dreckiges Geschirr – ohne Anleitung von Skipper oder Crew.

9. Sie/Er hat keine Wünsche bezüglich der Reiseroute, hat überall hin eine Flug-, Bus oder Bahnverbindung und flexible Urlaubszeiten.

10. Sie/Er kann auch bei starker Lage Krautsuppe mit Risotto machen.

11. Sie/Er liebt Wind und Flaute, salzverkrustete (mitunter aufgesprungene) Haut, Sonne den ganzen Tag, sowie Regen wenn es denn welchen gibt.

12. Sie/Er liebt es, mit nassem Hintern von der Dinghifahrt an den Strandboulevards zu flanieren um in feinen Restaurants zu sitzen.

13. Sie/Er schwitzt/stinkt niemals und ist olfaktorisch auch nicht in der Lage, Schweiß oder andere Körperausdünstungen in der näheren Umgebung wahrzunehmen.

14. Sie/Er kann in jeder Position erholsamen Schlaf finden und ein Handpumpklo ohne Erklärung benützen.

15. Sie/Er hat die spirituellen oder finanziellen Mittel, unangenehmen Schwell zu unterbinden (Transportboot zum Aufwerfen von optisch ansprechenden Sanddünen zwecks Wellenbrechung sollte mindestens zur Verfügung stehen) und ist gelernter und passionierter Landmaschinenmechaniker mit Hang zum kopfüber Extremschrauben.

16. Sie/Er ist allzeit tauchbereit und führt alles notwendige Equipment zum Durchführen aller anfallenden Unterwasserreparaturen mit sich.

17. Sie/Er steht in einem verwandtschaftlich positivenVerhältnis zu Neptun und den Windgöttern.

18. Sie/Er gründet eine finanziell potente Seglerstiftung zum Wohle segelnder Familien aus Wien Ottakring.

19. Sie/Er macht ausschließlich schöne, jugend- und doppelkinnalarmfreie Fotos von Schiff, Kapitän und Crew – und das ständig.

20. Sie/Er freut sich von Anfang bis zum Schluss, mit dabei sein zu dürfen und weint ein bisschen beim Abschied.

21. Sie/Er ist goldenes Clubmitglied in allen Marina-Privat-Clubs des Törns und verschafft damit auch den Begleitpersonen freien Zugang zu Einrichtungen, die in Crew/Skipper Begehrlichkeiten wecken wie z. B: Fuß- und Tennisplätze, Hallenschwimmbäder, Jacuzzis, etc.

22. Sie/Er kann ein Instrument spielen und großartige Texte fürs Internet schreiben, oder wenigstens singen.

23. Sie/Er hat gute Verbindungen zu internationalen Autovermietungen, bzw. verfügt über die finanzielle Freiheit, sich jederzeit ein passendes fahrbares Gerät zu verschaffen, um damit die weitere Umgebung zu erkunden, bzw. Einkäufe zu tätigen (notfalls werden auch Esel angenommen).

24. Sie/Er ist im Besitz des Transponders zum Beamen nach langen Außeneinsätzen von Scotty (Raumschiff Enterprise, eh scho wissn)

25. Sie/Er kann sich auch selbst beschäftigen.

Wie eingangs erwähnt, ist noch kein Badegast erschienen, welcher alle Bedingungen erfüllt hat. So ist Fam. Bert dazu übergegangen, Abweichungen außerhalb des normalen Toleranzbereiches zusätzlich zu verrechnen.

 So, das wars auch schon…..wie ihr seht, es ist ganz leicht, die wenigen Bedingungen zu erfüllen……..falls nicht:

Geld regiert die Welt! Oder ist es doch der (Über)Mut????

 Wir freuen uns darauf, Euch als Badegäste an Bord der ILVA begrüßen zu dürfen.

 

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Nobel in Andratx

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Drei Tage auf See – Mallorca erwartet uns

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Vier Nächte des Wartens in der Marina von Calasetta im äußersten Westen Sardiniens waren genug. Wir wollten weg. Nicht, dass uns der Marinero nicht unterhalten hätte. Headbangend saß er immer in seinem Büro mit Rammstein aus dem Laptop. Die Menschen hier waren nicht das Problem. Das Problem war eher, dass uns eine lange Überfahrt bevorstand, eine ungemütliche obendrein und schon am Donnerstag abends soll es bei Menorca auffrischen, bis zu 25 Knoten. Das wollten wir uns sparen. Also raus in die Wildnis – sind eh nur 250 Meilen bis zu den Balearen. Drei Tage hatten wir Zeit, laut Wetterberichten. Viel Wind unten an der Nordafrikanischen Küste, viel Wind im Golf von Lyon im Norden – und wir – dazwischen. Schon 20 Knoten auf der glatten Wasserfläche, gepaart mit aufschiebenden Wassermassen ergeben eine speibüble Suppe – auf Dauer.

Aber bloß nicht ohne Sprudel fahren – wer weiß schon, wie weit uns der letzte Champagner-Tank bringen würde … Wieder mal gabs keine Tankstelle in der Marina, wir mussten auf die nahegelegene Insel Carloforte zum Tanken – eine Stunde Fahrt. Tiefgang nur 1,5 Meter, wir haben 1,4 unter Wasser – puh eine kleine Welle und es wird eng. Ein geschäftstüchtiger wie freundlicher Marinero griff uns schon weit vor der Hafeneinfahrt mit der Gummiwurst auf und fragte nach unserem Tiefgang. Alles paletti, wir legten an. Tanken? Ja tanken könnten wir, und er zeigte auf die Straße. Wir sahen seinem Fingerdeut mit großen Augen folgend zu, auf die Hauptstraße, auf eine Kreuzung – dahinter eine Agip – leider keine AWI. Ja ja, er nickte freundlich. Zum Glück bauen die Italiener ihre Tankstellen so nahe an ihre Marina-Büros, dass man sie vom Pier aus sehen – und per Kanister sein Boot betanken kann.

Einen Sicherheitsanruf tätigten wir noch (auf Anraten des Kapitäns): Wenn wir uns am Samstag bis Mittag nicht telefonisch gemeldet haben, so solle man uns doch suchen lassen. Und gleich darauf gings hinaus aufs offene Meer. Meterhohe, knallharte Wellen rollten von vorne an und hoben uns und alles rund um uns als auch in uns (Mägen, Blasen, Gehirne) einige Meter in die Höhe, im fünf Sekundentakt. Komischerweise rutschte das Herz kurz in die Hose — nach einer Eingewöhnungsphase kams aber eh wieder an den richtigen Platz.

Die Wellen standen hoch, weil der Meeresboden hier sehr steil nach oben steigt (es ist ja immer gut, wenn schlechte Dinge eine fachlich-fundierte Erklärung kriegen). Wir segeln einfach weiter, draußen wirds sicher besser, da glättet sich der Meeresboden. Das Meer mags nicht, wenn es zu viel zusammengedrückt wird (erster Merksatz in diesem Blog).

So wars dann auch, die Wellen waren zwar noch hoch, aber gutmütig…. langgezogen, ohne Gischt mit gutem Abstand dazwischen hoben sie uns hoch und setzten uns hernach wieder nieder. Kindbert hat es mit dem Götterblitz im Prater verglichen, obwohl er niemals damit fahren würde.

Der Windgott meinte es besser mit uns als der Wassergott. Konstanter 3-er Wind von Nord bei Kurs West, das ergibt ein leichtes Amwindsegeln. Ilva stampft gemütlich, rollt dafür aber nicht. Der Windfahnensteuerung gefiels ebenso. Wir mussten kaum steuern auf diesem fünfzig Stunden. Nur in der Nacht verließ uns der Wind und wir ließen unseren Perkins straucheln. In der Nacht wars auch immer etwas unheimlicher als am Tag. Das gewittrige Wetterleuchten von Nord-Ost und Süd erinnerte uns stets daran, Kurs zu halten und schnell zu bleiben. Aber, mehr als hohe Wellen waren zum Glück vorerst nicht drin.

Dies war dennoch hinlänglich genug für uns —- es belebte alle Dinge. Der eben noch brav liegende Senf hüpfte bei plötzlicher Welle grandios mit einem Looping auf den Rand der eben vorbereiteten Salatschüssel, welche gemäß den Hebelgesetzen freudig den Salat durchs halbe Cockpit schleuderte. Na ja, gibts halt Hamburger ohne Salat. Es klapperte, klimperte, ächzte und klopfte überall, das Backrohr mit seinen Innereien schrie lauter als der AIS-Alarm (ja auch dieses Gerät konnte wieder nicht umhin, alle verlorenen Ziele immer wieder neu zu melden).

Es war wie im Spukschloss, wo sich die Gänge verbiegen, Stufen plötzlich nicht mehr gerade sind, Haltegriffe aus der Reichweite verschwinden, alle Ecken und Kanten den Gliedmaßen entgegenspringen – gottlob sind wir nicht schlecht gepolstert. Klogänge wurden zur Expedition und der Abwasch zur Grauwasserdusche. Letztlich haben wir uns auf das Mindeste beschränkt. Sitzend oder im Cockpit liegend, eine(r) am Ausguck. Nur Kindbert schaffte es, geistige Leistungen zu erbringen: Fernsehen und Games am Handy konnte er am Rücken liegend gut aushalten.

Ein dunkles ruderndes Objekt entlockte dem seekranken Papabert dann doch einen Stellungswechsel: eine Schildkröte paddelte mutterseelenalleine durchs offene Meer. Wo die wohl ihre Eier abgelegt hat?

Ein Blick aufs Navi zeigt an, dass wir schon zu weit nördlich segeln und wir wundern uns, warum unsere Windsteueranlage keinen Kurs unter 270 Grad schafft – dummes Ding, muss ein Dilettant gebaut haben (???) – wir steuern von Hand und merken, dass ein Kurs unter 270 schlichtweg unmöglich ist. Die Wellen sind so stark, dass sie Ilva immer nach Norden versetzen. Jede Richtungsänderung wird zur Aufgabe an Mensch und Maschine – und zur Bewährungsprobe für die Ruderanlage.

Wir zählen Wellen, Sterne, Stehminuten im Cockpit, Stunden, Seemeilen vor und zurück. Es ist uns nicht gelungen einen Witz oder einen Schüttelreim zu erfinden, so geschüttelt waren unsere Gehirne. Drei Tage im selbem Gewand, salzverkrustet, unfriesiert, auf unseren Schlafsäcken eng am Boden beisammen sitzend (oder meist liegend) wie Hausbesetzer aus den späten Achzigern, so kamen wir schließlich auf den Balearen an – und wollten so schnell wie möglich bei Menorca ankern, in den Hafen einlaufen, stehen bleiben, ausruhen. Aber im Hafen meldete sich niemand und dunkel war es auch noch. Die Steilküste, an der die Gischt hoch aufspritzte, lud auch nicht gerade zum Ankern ein. Mittlerweile haben wir Schiss vor so engen Schluchten, vor allem mit diesen verschlafenen Augen und diesem vielen Wind. Schnell war klar, wir fahren noch 50 Meilen weiter nach Mallorca, denn, da wollen wir ja wirklich hin und außerdem kommt doch übermorgen unsere Freundin an. Seekrankheit und Migräneanfälle mal beiseite – Kurs SW, Wind von hinten und nochmals Ritte auf Wellen und durch Täler bist speibst. Nochmal acht Stunden Geschaukel, dann die Einfahrt in die Cala Porto Cristo suchen und anlegen, untypisch mit elegantem Einkehrschwung, mit Pirouette in die Garage. Noch ein Blick rundum vom Boot aus: Häuser, Menschen, Straßen, Busse, Kaffeehäuser, Burgerking (oh ja…..), alles da. Freuen, stolz sein und schlafen bis der Hunger das Schlechtweh endgültig besiegt. Ausschalten.

Yacht PortoCristo Lifesaver Felsen Esel Aft

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Cefalu – Sizilien in two days

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In Cefalu ist es schön, so unsere Erwartung aufgrund eines geschenkten Info-Buchs für Segler aus 1979 (Danke nochmals an Urs). Tja und das hat auch gestimmt… die Stadt hat uns in ihren Bann gezogen, wir sind mehrmals reingelatscht um einzukaufen, essen zu gehen oder einfach nur die imposanten römischen Waschbecken unterhalb der hoch erhobenen Häuser zu bestaunen, wo das Wasser kalt durchsaust und jeder seine Beinchen kühlen kann, ohne was zu löhnen und das schon seit tausend Jahren mindestens. Nicht alles was nix kostet ist nix wert wie man sieht. Am Hauptplatz singt ein Liedersänger den ganzen Abend und die Gäßchen sind so eng, dass die Säume der an den Wäschenleinen baumelnden Höschen fast eine Sonnenfinsternis herbeiführen. Schön, einmal in einer fernsehkulissenhaften Umgebung zu schwitzen. Leider wurden die Schnorchelphantasien in der wunderbaren Hafen-Bucht unterhalb der Festung jäh zerschlagen – zu viel Müll entlag des Strandes, das Wasser glänzte regenbogenfarben vom auslaufenden Diesel der Tankstelle und Kindbert meinte, er könne da nicht reingehen, ohne sich wie eine Ölsardine zu fühlen, sicher werde er davon krank. Wir hoffen doch für Cefalu und für die dorthin Reisenden, dass es ein Unfall war – es wäre schade, wenn dieser Schmutz ein Dauerzustand wäre. Aber, alles hat was Gutes, wir spazierten ein wenig in den Bootsfriedhöfen rum und fanden Plastikteile, die helfen würden, unser krankes Beiboot (eine Halterung der Rückwand war gebrochen) wieder hinlänglich zu stabilisieren.

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Nach schlaftrunkener Nacht weckten uns laute Kanonenschüsse. Was war das? Krieg? Sprengung? Fregattenfest der Trunkenbolde? Flatolenzen im großen Stil? Nein: es waren nur die Christen. Die ließen nämlich ihre holy virgine Mary hoch leben. Mit Böllern so gewaltig, dass unsere Trommenfelle auf Anschlag gingen. Wir schauten dem Treiben zu und zählten von fünf rückwärts, bis zum nächsten Kawumm. Zum Glück hatte der Herr Pfarrer ein Megaphon auf seiner Schiffspredigt. Niemand hätte ihn gehört. Zum Abschluss gabs eine Messe im Hafengelände – unter Hunderten von Gläubigen und Schaulustigen.

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Eigentlich wollten wir in zwei Tagen Richtung Trapani (am Westrand von Sizilien) lossegeln. Sizilien soll ja wunderschön sein – und wir hatten Zeit und Lust, etwas zu wandern. Aber die Wege der SeglerInnen sind ja oft verschlungen und unser Schicksal wollte es anders. Einem Gewitter an der Küste ausweichend erinnerten wir uns an die Worte des Skipperschönlings von der Nachbaryacht „Ustica is beautiful“ – also ab zur Insel Ustica Richtung nordost, um dort eine Nacht auszuruhen, bevor wir das Thyrrenische Meer ein letztes Mal durchkreuzen würden. Wie schon so oft kamen wir nachts an, in völliger Dunkelheit war an ein Ankern nur knapp an den Klippen zu denken, bei nur 50 Meter Ankerkette – no way. Yachten um Yachten drängten sich im gespenstischen Wasser um die Steine und Felsen. Per Handynavigation gings ca. 50 Meter knapp an die Klippen; zu tief, kein ankern, zu gefährlich. Spontan sein – hurra, so wie im Abenteuer-Märchen – direkt nach Sardinien.
So trieb uns der Unmut hinaus aufs Meer – da schimpft es sich auch leichter auf die blöden Inseln mit ihren wenigen Stellplätzen und alle Angst vor der Leere sind vergessen. Endlich Platz für Emotionen. Schließlich wurde auch noch unser geheiligtes HandyApp-Pocket-Grib-Orakel befragt…….und es kam wie „propheziehn“:  Fahret hin in Ruhe und Frieden!

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Auf der Überfahrt von Sizilien (213 Seemeilen) nach Sardinien konnten wir nur 7 Stunden segeln. Der Rest war Motorfahrt wegen Totalflaute. Nicht einmal ein Wellchen war zu erblicken, geschweige denn, dass sich ein Winderl hätte spüren lassen. „Der einzige Wind, der hier weht, kommt von sozial tabuisierten Orten“ meinte Papabert. Spiegelglatt war die See, wie in Breitenbrunn aber mit zwei Kilometer Wasser unter uns. Die Wiederkehr des Nichts – fast glaubte man durch die Luft zu schweben. Auch die Nachtfahrten waren angenehm, wir waren nur einmal kurz mit einem Tanker auf Kollisionskurs (das einzige Schiff, das wir sahen), sonst aber verliefs wie am Schnürchen. Mit Kindbert Papierflieger basteln und zielfliegen, Hackysack-üben im Cockpit. Wir entdeckten tausendmal gesehene Filme auf Englisch neu.

Mit viel Sitzfleisch und durchvibrierten Hintern erreichten wir Sardiniens Südspitze glücklich und auch etwas stolz. Das einzig Blöde ist nur, dass wir für die Motorfahrten keinen Autopiloten haben – 43 Stunden steuern, alle 2-3 Stunden eine Ablöse, gar nicht urlauberisch, sondern fast wie Schichthackln, aber das geht so nicht weiter  – in Mallorca bekommen wir ob unserer tollen und treuen Freundin einen Pinnenpiloten geliefert, der wird in die Windfahne eingekuppelt. Alles geht.

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Nachtrag: Reggio: Welcome to Saverio-Land

Die Marina in Reggio besitzt den Charme eines Betonbassins der späten 70 Jahre. Der Hafenboy sieht ruhigen Gewissens zu, wie der Bug der Yacht der Kaimauer unsittlich nahe kommt und auch, wie Mamabert mit der Grazie einer Seekuh vorn über den Bugkorb hechtet, um diese aufzuhalten.
Es windet stark – Ilva ist kaum von der Kaimauer fernzuhalten – die Moringleine muss mit Hilfe eines motorisierten Beibootes durchgesetzt werden. Trotz Zweifeln des Skippers ist es laut Havenboy nicht nötig, eine zweite Leine zur Sicherheit zu erhalten und eine Spring auszulegen ist nicht erlaubt. Na Bravo – ein herzlicher Empfang dafür, dass die Marina halb leer steht und das zur Hauptsaison.
Aber seis wie es sei – wir riechen die „City“ und erinnern uns all unserer Wünsche, die wir auf See erfolgreich verdrängt haben. Kindbert will seine verloren gegangene Angelrute durch eine neue ersetzen, das Ende von Papaberts einzig sozial-verträglicher kurzer Hose nähert sich in riesen Schritten (sprich Löchern) und dann wär da noch eine potentere Nachfolgerin der 7-Euro Sonnenbrille von Mamabert gesucht.
Kurz: Wir haben Wünsche und Begehren und dem soll Rechnung getragen werden. Doch zuerst – der übliche Schönheitsschlaf. „Hello! Salve! Hello, Austria“ schallt es über den 40 Grad heißen Schatten. Im Boot regt sich nix – wir haben keine Lust. Aber das scheint ein örtlich ungültiges Signal zu sein. Die Rufe werden lauter. Schicksalsergeben kriecht Mamabert – im Bikini – unter dem Sonnensegel zum Bug und steht einem kleinen, älterem Herrn gegenüber, der sie gnädig begutachtet und ihr eine Karte hinhält. Saverio ist sein Name, sein Geschäft im Hafen: Einfach alles. Vom Reggio-Guide, über privaten Käse und Weinverkauf, Taxifahrten, Bootsservice und Ersatzteilhandel bis hin zum Wäscheservice.
Alles ist möglich – Best Service – best Price. Er überreicht mit reichlich Stolz lächelnd seine Visitenkarte mit ausschweifender italienischer Erklärung. Schläfrig und etwas überfordert gibt sich Mamabert untentschlossen und verkriecht sich wieder in ihre Höhle. Sache erledigt? Weit gefehlt. Als wir (Anm.: Stunden später) Richtung Bahnhaltestelle flanieren und an der Marinareception (einem Metallcontainer mit Plastikstühlen davor) vorbeikommen, wetzt Saverio unglaublich behende auf uns zu und bietet seine Dienste dem Capitano an. Unentschlossene sind ja bekanntlich die besten Opfer, wenn es heiß ist überhaupt. So sitzen wir in seinem Taxi und freuen uns darüber, dass 10 Euro eine gute Investition sind und wir dann in der City wenigstens früher zum Essen kommen. Da haben wir Saverio noch nicht gekannt. Lächelnd bleibt er bei Affenhitze voll entspannt und überreicht uns eine Anzahl von Kopien, wo er in einem amerikanischen Reiseguide der 80er Jahre für seine Originalität und Dienste als Lokalcolorit gelobt wird. Es wird dies auch laut durch ihn verlesen, Punkt für Punkt. Witzig, aber nein, kaufen wollen wir nichts, jedoch können wir nun in die City fahren? Sicherlich — Wir kriegen auf italienisch erklärt, was an uns vorbeirauscht: Nein, wir brauchen keine Früchte. Kurz darauf halten vorm Iper Simply Einkaufsmarkt an der Ausfahrtsstraße irgendwo Richtung Norden. Das ist nicht die City. Saverio verlässt das Taxi und geht hinein – wir bleiben verdutzt zurück und Mamabert kriegt den ersten Lachkrampf. Was wird das? Saverio kommt kurz danach mit einer Palette Bier und einer 6er-Packung Tiefkühleis-Kornettos (Schoko-Vanille nicht Erdbeer, tja leider) für Bambino und uns. Naja, jetzt wirds wohl ins Zentrum gehen – die Eise zergehen schon. Die Straße schaut gut aus, die Richtung auch, aber gleich danach gehts rechts raus in eine Siedlung. Saverio telefoniert, winkt aus dem Fenster, hält vor einem Einfamilienhaus. Es kommen weitere Männer – räumen den Kofferraum aus und wieder mit anderen Dingen an. Unser Erstaunen kennt keine Grenzen – unsere Geduld schon. Na jetzt wirds wohl werden, sicher hat er nur kurz was gebraucht.

Aber da gehts auch gleich wieder weiter, wir brausen an seinem Haus vorbei und halten wenige Kurven weiter vor einer kleinen Lagerhalle aus Blech. Saverio wieselt heraus, öffnet die hintere Tür – ein Ersuchen ums Aussteigen – und verschwindet in der Hütte. Wir verlassen (jetzt schon leicht verzweifelt, aber immer noch wohlerzogen höflich) das Auto, in der Hand schmelzen die Kornettis – welche Mamabert rasch an den Mann bringt.

Ein Tor wird zurückgeschoben, wir stehen in einer Werkstatt, Boote hängen von der Decke. Maschinen und Gerätschaften, viele Kühlschränke, Neonleuchten, eine Kinette. Wir fühlen uns entführt – ohne Stockholmsyndrom. Saverio ist ob unserer Blicke unbeeindruckt, wahrscheinlich reagieren alle seine Gäste bei seinen Überraschungsfahrten angfänglich so und er ist es gewöhnt. Es öffnet sich das Tor vorne und ein Strand mit Katzen, ungefallenen Bäumen, allerhand Kramuri und einem bellendem Hund in einem selbstgemachten Zwinger mit einem Napf rohem Fleisch wird sichtbar. Wie kommen wir nun in die City? Saverio heißt uns mit unerbittlicher Liebenswürdigkeit willkommen, tätschelt Hände, bringt Stühle. Öffnet eine Flasche Wein, füllt unsere Gläser und begibt sich zu einem der vielen Kühlschränke wo er einen Laib Käse mit einem großen Messer bearbeitet und uns Kostproben überreicht. Er war früher Marinero, dann Cucinero, dann Skipper, jetzt macht er alles. Ah….wir sind auf einer Promotion-Tour. Es werden Erinnerungen an lange und mühselige Werbe-Busfahrten aus unserer Kindheit mit unseren Großeltern wach. Kindbert ergibt sich als erster und geht mal zum Meer.

Der Ausblick auf der anderen Seite der Hütte ist genial, wir sind verblüfft. Ein kleiner Naturstrand, Messina am anderen Ende der Meeresenge erscheint uns als ein reizvolles Ziel und wir wünschen uns dorthin, oder wenigstens in die City von Reggio. Aber es hilft alles nix, die Gläser werden nachgefüllt. Essen wär jetzt gut. Statt dessen wird Mamabert schier aufgefressen vor Zuneigung (die auch inbrünstig gezeigt wird, sobald Papabert sich auch nur kurz umdreht) Papabert wird mit Alkohol abgefüllt, die Nachbarn kennen wir weitere 30 min später mit Vornamen. Sie sind sehr nett. Es wird uns ein gratis Ankerplatz angeboten.
2 Stunden später haben wir 6 Flaschen Wein gekauft und einen ganzen Laib Käse (weil einen halben gibts nicht, leider) und sind nun endlich anscheinend (kauf)willig genug gewesen um nach Reggio gefahren zu werden. Noch Obst – weil da wär die Gelegenheit? Aber nix da, der Capitano bleibt hart und will in die City – wir verlassen das Taxi mit einem Tipp für eine Pizzeria und freuen uns, es überstanden zu haben. Müde gehen wir durch eine Gasse, sind extrem hungrig und geschafft und spazieren nach dem Essen, welches tatsächlich gut und günstig war, zu Fuß zurück zu Ilva. Wär gar nicht so weit gewesen.

Am nächsten Morgen schon hilft Saverio erneut. Die Tankstelle der Marina hat geschlossen – für uns ein Desaster, weil unser Tank ist leer, so kommen wir nicht von hier weg. Doch rasch sind Kanister organisiert – Taxi? Selbstverständlich gern und schon gehts ab zum Dieselkauf, 100 Liter. Danach werden noch Lebensmittel gebunkert und Früchte in Saverios Obstgeschäft gekauft. Sehr lecker.

Das übernächste Schiff im Hafen gefällt uns – es sind Annaberger auf Weltumsegelung. Sehr witzig –  trinken abends ein Bier am Pier, tauschen uns aus und sehen Saverio zu, wie er Geschäfte an Land zieht – aus sicherer Entfernung. Gleich am nächsten Morgen wollen wir wieder los. Unsere Shoppinggelüste sind verflogen – wir müssten ja stets an Saverio vorbei, der sichtlich traurig ist, als wir ihm mitteilen, dass wir früh ablegen. Warum, das wissen wir nicht. Vielleicht gabs zu wenig Geschäft dieses Jahr, vielleicht auch zu wenig Gesellschaft. Wie auch immer, wir sind der Überzeugung, Reggio ist eine tolle Stadt, auch wenn wir sie letztlich gar nicht gesehen haben.

Kurz vor dem Ablegen meldet uns ein dumpfes Geräusch, dass etwas auf unser Boot gefallen ist. Croissants — wir rufen noch Mille Grazie hinter Saverio her, der winkend über den Pier radelt und legen ab.

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Brindisi – Perle im Abfall

DSC00527 Brindisi hat uns echt überrascht und Entspannung gebracht. Nach zwei Nächten vor Anker (mit voller Disko-Dröhnung bis 3 Uhr in der früh volle Kanne „Onki, Onki, Onki, Onki“) und auffrischendem Wind inklusive hohem Swell von der Seite versuchten wir um 6 in der Früh so schnell wie möglich in den Hafen zu kommen. Hoher Seegang vor der Einfahrt, fast hätte er unsere Ilva verschluckt. Dann kommst du rein in das Hafenbecken und du bist dir nicht mehr sicher, ob nicht doch hier die erste Atombombe hochgegangen ist. Riesige Schiffe, eine gehörige und gestunkene Raffinerie (klar, irgendwo muss das Zeug ja herkommen), Schlepper, heruntergekommene irgendwann-mal-stabile-Kastellos, man glaubt, dass das nicht mehr besser wird. Aber: Brindisi hat eine tolle zweite Seite. Erst mal, die Altstadt. Enge Gassen voller Autos und Mupetten (wie wir im Pielachtal sagen), morbider Flair… genauso, wie man sich das so vorstellt.
Wir hatschten bei Tropenhitze nach einem schwer improvisierten Starkwind-Anlegemanöver (gottlob hat da niemand zugesehen….) müde die 2 km bis Brindisi – Downtown. Warum die da drinnen alle mit den Autos herumfahren wie wilde Italiener wissen wir nicht. Ein Rad würds auch tun, die Autos sind Ein-Mann-Betriebe. Im Vorbeigehen touristisieren wir kurz am Tancredi-Brunnen (mehr als 1000 Jahre alt) und in einer Kirche aus dem 1. Jahrhundert – dafür gibts keine Süßigkeiten oder gar Gerstensaft während der streng überwachten Siesta. Siesta ist zum Ausrasten, für nix anderes.
Zum Glück hatte der Marine-Shoppe Limoncelli einen 40mm Auspuffschlauch. Das Geschäft würde man nie finden, auch wenn man daran vorbei gehen und in die Auslage starren würde. Wir fragten uns einfach durch; die Leute hier sind sehr nett und offenherzig, und das auch ohne Englischkenntnisse. Jede Frage in unserem fantasievollem oder nicht vorhandenem Italienisch wird akribisch beantwortet, bis ma´s versteht. Selbstverständlich und ohne Eile.
By the way – auch die Marina-Mama Katharina in Vieste (am Kap von Gargano) servisierte uns königlich, war mitten in der Nacht erreichbar und telefonierte mit allen möglichen Händlern, um Preise für unsere bevorstehende Auspuffreparatur herauszufinden; der immer-arbeitende Marinamann, der uns eine Stiege bringt, damit wir leichter von unserem Bugkorb an die Pier flanieren können —- SeglerInnenherz was willste mehr.
Und noch dazu nette Nachbarn, die einfach so, wie bestellt, die passenden Seekarten für unsere Route haben und diese samt Liegeplatz-Geheimtipps billig abgeben. Nochmals vielen Dank an Urs, der übrigens ein Boot abzugeben hat und irgendwo allein in der Adria herumschippert.
Nun ankern wir fern ab der Adria, im Ionischen Meer, am südlichsten Zipfel von Italien. Es ist halb vier und ich habe Ankerwache. Es ist unglaublich und vielleicht verrückt. Als wir die Adria verließen und ums Kap (Castrignano del Capo) herum gingen, begann die Luft anders zu riechen, milder, samtiger. Mamabert meinte, vielleicht ist hier irgendwo in der Nähe eine Mülldeponie. Aber nein, nach ca. 500 Mal einatmen erwächst in uns die Überzeugung, die Luft ist hier anders als noch in der Adria. Ich habe das noch nie irgendwo gelesen, dass nach einem Kap sich die Luft, der Geruch der Luft verändert. Auch die Preise haben sich verändert – es ist noch etwas billiger hier – erleichternd nach den teuren kroatischen Wochen…..Wir sind noch ca. 60 Seemeilen entfernt von der westlichen Seite des Stiefels. Morgen gehts weiter, hoffentlich mit etwas mehr Wind. Der war nämlich die letzten 2 Tage auf Urlaub, wo auch immer er geblasen hat, bei uns nicht.

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