Beiträge mit dem Schlagwort: Segeltörn

Cecina Nummer 1

Cecina – Landhaus im Rosa-Sauber-Stil – direkt im Wald vor Cecina gelegen. Im dichten Gebüsch fast nicht auszumachen. Ein Weg führt dahin, scheint aber eine Sackgasse zu sein. Das Licht fällt fast waagrecht in den Wald. Bei Sonnenuntergang – wie ein Waldbrand, 5 MInuten davor. Wow, hier müsste Lars von Trier mal einen neuen Waldfilm drehen. Er könnte sich die Scheinwerfer sparen. Dringend benötigte Gasflasche besorgt. Oui Capitan. Hinter drei Hausecken und zwischen 2 scharfen Hunden mitten in Cecina gelegen. Das war nicht leicht herauszufinden – obwohl viele Menschen in der Stadt wahrhaftig dran mitgearbeitet haben – Tankwart, Fleischhacker, Verkäufer in der Eisenhandlung (2 Mal),  Einkaufszentrum – Mann mit breitem Grinsen, Verkäufer aus dem Modegeschäft – bei all der Fragerei gleich Bekanntschaften geschlossen. Gracie. Nun können wieder die Menüs aus der schiffseigenen Kombüse geliefert werden – mit Volldampf. Wann ist Ostern?

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Die Sonne sinkt

   Sonnenuntergang Es Vedra                                                  

                                                    »Heiterkeit, güldene, komm!

                                                            Du des Todes

                                                          heimlichster, süßester Vorgenuß!

                                                                – Lief ich zu rasch meines Wegs?

                                                     Jetzt erst, wo der Fuß müde ward,

                                                                 holt dein Blick mich noch ein,

                                                                 holt dein Glück mich noch ein.

                                                      Rings nur Welle und Spiel.

                                                                Was je schwer war,

                                                      sank in blaue Vergessenheit –

                                                          müßig steht nun mein Kahn.

                                                       Sturm und Fahrt – wie verlernt er das!

                                                                   Wunsch und Hoffen ertrank,

                                                                   glatt liegt die Seele und Meer.«

Friedrich Nietzsche

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Reise extrem: Die Marsmission „Mars-One“

Wer hat beim Lesen von Bougainville nicht mal daran gedacht, selbst mit hinaus zu rudern an den Strand von Tahiti, um Muscheln zu suchen? Wer hätte nicht an Bord der Endeavour unter James Cook sein wollen, als er Neuseeland entdeckte; oder Neil Armstrong, als er den „small Step“ machte?
Aus sicherer Entfernung lesen sich die alten Geschichten wie Reisen in ein andere Welt, eine Welt, in die hinein wir uns sehnen – solange wir am Kamin sitzen und einen Single-Malt schlürfen. Unsere eigene Phantasie zieht uns in ihren Bann. Sie verbindet unsere Sehnsüchte mit schön gezeigten Erlebnissen, während wir selbst von der Realität geschützt mitträumen. Toll, nicht? Deswegen lieben wir die Literatur und das Fernsehen.
Aber wer würde schon tatsächlich mit den Matrosen in den schwimmenden Fäkalientanks tauschen wollen? Wer riskiert schon einen Trip mit Menschen, die er nicht kennt und verbringt ein Leben in Isolation, auf einem (Raum)Schiff? Der Verstand sagt: Nur wenn er muss, oder als Sklave auf ein Schiff gepresst wird. Heutzutage gibt es keine Sklaven mehr – außer in Mauretanien und trotzdem finden sich Menschen in großer Zahl, die sich bereit erklären, auf den Mars fliegen zu wollen. Das nenne ich wirkliche Isolation. Denn der Ort, an dem sich diese Menschen befinden werden ist 50.000 km/h schnell. Dagegen waren Mangelernährung und Skorbut ja ein Kinderspiel – für ein bisschen Strand, Palmen und Rum leicht auszuhalten.
Aber kann man sich tatsächlich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man sieben Monate auf einem Flug zu einem anderen „Planeten“ ist um dort mit einem Landungsraumschiff aufzusetzen? Auf einem Planeten ohne Sauerstoff? Ohne Wasser? Auf dem Stürme mit 400 Stundenkilometern jeden Stein zur Kanonenkugel machen? Mit Blitzen und minus 130°C? Gut. Wissen kann man nicht, wie es sich anfühlt, auf diesem Ort mal einen Spaziergang zu machen. Vielleicht ist es eine Wohltat, vielleicht ein Genuss für die Sinne? Ganzheitlich ist es in jedem Fall.

Den Ozean kennen wir. Ein vertrauter Ort, in tausend Facetten „gefühlt“. Manche badeten schon als Kind in Lignano oder Caorle. Außerdem kann der Mensch schwimmen. Wenn er vom Schiff fällt, kann er ein bisschen überleben, nach Hilfe rufen. Und trotz aller Vertrautheit kann schon eine Reise am Ozean auf einem Schiff zum Martyrium werden, auch wenn nichts für uns neu ist und gar nicht so tödlich wie am Mars. Wie viele Berichte gibt es, in denen von menschlichen Abgründen zu lesen ist, wo einer den anderen umbringt, vom Boot schubst, an den Mast bindet, psychisch terrorisiert, vierteilt oder an Deck totschlägt? Auf einem Schiff bleibt die Außenwelt zumindest „lebbar“.

Mars-One ist ein eigentlich nur ein Projekt der Zukunft, alles offen. Niemand weiß in letzter Konsequenz, wer das (wie lange) finanziert und auch nicht, ob die Technik im Jahr 2024 so weit ausgereift sein wird. Versuchen tun sie es trotdem und suchen Leute dafür. 200.000 haben sich gefunden – ein Fünftel einer Million. 1058 stehen nach wie vor auf der Liste. Am Schluss sollen es 20-40 Personen sein, die durch ein Publikumsvoting in einer Reality-Show ausgewählt werden. Vom Standpunkt des Recrutings ist das nun wirklich mutig – der Öffentlichkeit so viel zuzutrauen? Oder gehts eigentlich darum, die Schuld auf die Allgemeinheit abzuwälzen: So nach dem Motto: also wenn ihr euch da oben in die Haare bekommt, sind „wir“ sicher nicht Schuld. Eher noch die Erdlinge. Für diesen Auswahlprozess sollen diese Leute schon vorab in die Isolation geschickt und der Öffentlichkeit preisgegeben werden. Das ist eine gute Idee, find ich. Denn wir brauchen immer mal wieder Menschen, die sich für uns opfern. Das war schon beim Jesus so, bei Kurt Cobain auch. Bald sind es die Mars-Fahrer. Wir schauen ihnen beim Opfern zu und dann fliegen sie für uns noch zum Mars – zum Mars! Wir sitzen wieder am Kamin und trinken diesmal keinen Whisky, sondern einen Henri Jayer Richebourg Grand Cru.

Ich bin tatsächlich erstaunt über die Bereitschaft von 200.000 Menschen, die Erde für immer verlassen zu wollen, um in einem Jogurtbecher am satellitären Ende der lebbaren Welt ein Dasein zu fristen – für immer! Denn ein Zurück gibt es nicht. Die Erde muss für diese Gruppe doch wirklich ein schrecklicher Ort sein! Was läuft hier schief? Sind es tatsächlich die Kriege, der Extremismus, die Umweltverschmutzung? Was bringt Menschen dazu, sich für eine endgültige Reise zum Mars zu entscheiden? Diese Entscheidung ist „total“, sie ist – aus der Sicht von Menschen, die auf der Erde wohnen – wie eine freiwillige Vernichtung der eigenen Existenz, sie ist fatalistisch, schicksalsergeben, absurd, nicht Erdling-gemäß.

Mein Staunen über diese Bereitschaft von Menschen nährt sich sicherlich auch aus der Einsicht, dass das Leben immer wieder ein paar Prinzipien bereit hält, die einfach immer gelten. Auch Lisa Nowak, eine amerikanische Nasa-Astronautin hat sich gemeldet. Sie war eine von 2432 Bewerbern – die Beste – ermittelt in nicht weniger als 123 Endrunden. Sie galt damit als das „Optimum Mensch“, kompetent genug, den Mars zu besiedeln. Dummerweise war sie verliebt in einen Mann, der auch eine andere Frau hatte. Eines Tages spürte Lisa Nowak ihre Konkurrentin auf, riss ihre Autotür auf und sprühte ihr Pfefferspray ins Gesicht. Tja, die Eifersucht! Die schwere Körperverletzung brachte ihr eine Bewährungsstrafe. Gerichts-Mission statt Mars-Mission. Nowak hatte bewiesen, dass das Menschliche des Menschen nicht so einfach in ein Schema gepresst werden kann – auch nicht in einem komplizierten Nasa-Auswahlverfahren mit tausenden von Prüfungen. Manche Menschen sind einfach crazy, wen wundert`s?

Es gibt Zusammenhänge im menschlichen Leben, die nicht zu unterschätzen sind. Man begehrt Dinge ja normalerweise dann am meisten, wenn man sie nicht haben kann. Das heißt: Ist man mal am Mars angekommen und genießt die erste Tasse heißen Kaffee, dann wünscht man sich ja nicht mehr, dass man am Mars lebt. Dann ist dieser Wunsch erfüllt. Dann wünscht man sich sicher bald etwas anderes. Nur was? Ist man erst einmal weg, wird man wahrscheinlich zu seinen „Daheimgeblieben“ eine dringliche Sehnsucht aufbauen. Das Prinzip ist genau dasselbe, wie wenn man sich am Küchentisch nach Moorea oder in die Wellen von La Reuion sehnt. Und dabei ist das nicht einmal ein wirkliches Problem, nur eines des Budgets. Und wenn auch: vieles lässt sich regeln, im Lauf der Zeit. Solange man auf der Erde bleibt, kann man die Dinge händeln. Nach La Reunion kann man segeln, auch zurück, oder nach Vanuatu. Am Mars bleibt man ewig. Egal, ob Psychose, Liebeskummer, Zukunftsängste oder das Bedürfnis, mal in ein Irish-Pub zu gehen, um sich einen umzuhängen – ein Zurückkommen ist passé, rien ne va plus.
Denken Menschen, die für immer zum Mars wollen eigentlich an die wichtigen Dinge des Lebens, bevor sie in die Rakete steigen? Wissen sie um die einfachsten Prinzipien des Daseins? Man müsste sie befragen, wenn man die Zeit dafür hätte.

Vielleicht geht es den Weltraumpilgern ja um Ruhm. Das Heldentum ist ja was, das allen etwas bringt. Bedeutende Männer und Frauen wurden schon durch die Großstädte gekarrt, bewundert, bejubelt, zu Wunderwuzis hochstilisiert. Ja, mit einer Mars-Mission wäre man sicher auch ein Held, ich bin mir sicher. Aber das Bejubeln fände nur per Computer statt, oder in der heim-eigenen Jogurtschale bei „Schlechtwetter“. Schade, das Heldentum kann man sich am Mars nur virtuell vergeistigen. Denn durch die Straßen wird man garantiert nie mehr wieder gefahren, und von Menschenmassen umjubelt schon gar nicht. Was bringt der Ruhm schon, wenn man nicht mehr auf der Erde ist? Freut man sich dann „marsianisch“, so überschäumend, so befriedigend, dass es für alle Zeiten anhält? Oder nimmt man die „Ich-freu-mich-mal-ganz-doll-Tablette“? Ich hoffe es.

Außerdem kann ein Vergleich nicht schaden, behaupte ich. Die Probleme, die bei einer Schiffsreise auftreten können, müssten ja im Vergleich zu einer jahrelangen Fahrt durch den Weltraum wie Peanuts erscheinen. Ein Schiff ist eines der primitivsten Dinge der Welt. Trotzdem liegt auch dort manchmal der Teufel im Detail, in der Konstellation des Zufalls, in der Verquickung von Einzelheiten, die eine Situation kippen lassen. Noch dazu ist man nicht alleine. Das hat Vorteile und Nachteile. Vielleicht wird die Art wie jemand niest zur Katastrophe? Vielleicht ist es die größere Zahl an Liebesbriefen, die der Mars-Reise-Kollege von der Freundin aus New York bekommt? Vielleicht ist es nur die ungleiche Verteilung von Bereichen, die abgestaubt werden müssen. Wer kann im Vorfeld schon alles ausschließen?
Die Webseite von Mars-One spricht von einem „relativ geringen Risiko“ dass etwas passiert. Das beruhigt doch ungemein. Zuerst wären acht Fracht-Missionen an der Reihe, erst wenn diese positiv verlaufen sind, dann würden Menschen in die Kapsel steigen, so die Homepage. Dann werden die ersten vier Menschen zum Mars geschossen, ausgestattet mit Geräten oder portablen Gewächshäusern, mit denen ein „Ziehen von Nutzpflanzen“ möglich sein soll. Außerdem sollen Methoden geschaffen werden, die jenen „da oben“ erlauben sollen, Plastikteile selbst herzustellen, damit sie selbst Wohnraum schaffen können. Das wäre dann der erste außerirdische Baumarkt (Hornmars oder Mars-Bau? Sicher Wall-Mars).
Skrollt man auf der Homepage weiter nach unten findet sich ein Raumschiff – ähnlich wie das Hubble Teleskop, darunter noch ein Astronaut auf Weltraumspaziergang in einem komfortablen Sessel – so wie man sie kennt – die Bilder, die um die Welt gingen, als Weltraumspaziergänge noch so interessant waren, dass sie in den Medien gezeigt wurden. Gleich neben dem Weltraumspaziergänger erscheinen muntere Gesichter, lächelnd, gut aussehend und strahlend. Als ob sie sich für den Job des Universtitätslektors bewerben würden.
Ob den Machern dieses Werbeereignisses selbst klar ist, worauf sich ihre Probanden da einlassen? „The next giant leap for mankind“ steht unterhalb der Jogurtbecher geschrieben – dazu sag ich nun mal nichts mehr. Außerdem steht immer noch die Frage im Raum, was denn der „erste“ Schritt eines Menschen außerhalb der Erde wirklich gebracht hat. Brauchen wir da schon den „Nächsten“? Warum bevölkern wir eigentlich nicht den Mond? Das wäre doch viel kürzer und einfacher. Und Stürme gibts da oben auch nicht. Man kann auch noch nach Hause sehen.
Was wird es bringen, wenn ein paar unserer Abkömmlinge am Mars herumspazieren? Wer wird sich nach einer ersten überschäumenden Begeisterung für das Leben „da oben“, „da unten“, oder „drüben“ noch interessieren? Wir alle wissen, wie schnell die Begeisterung nachlässt, wie schnell wir Menschen uns an Dinge gewöhnen, von denen wir nicht direkt betroffen sind.
Was, wenn die da oben zurück wollen? Haben wir dann die Technik, sie wieder nach Hause zu holen? Wer wird das bezahlen? Die Marsianer selbst? Mit welchem Einkommen? Sagt man ihnen dann: Hey, ihr habt euch selbst da rein geritten, jetzt müsst ihr die Suppe auslöffeln? So wie im Film?
Eine Lebenszeit ist verdammt lange. Das merkt man aber erst, wenn man in einer Situation ist, die man nicht mehr kontrollieren kann. Das kann eine Krankheit sein, ein Sturm auf hoher See, soziale Wünsche oder Bedürnfisse, die nicht eingelöst werden können. Was, wenn sich lebensbedrohliche Probleme am Mars ergeben und wir können den Menschen da oben nicht helfen? Schauen wir ihnen dann per Standleitung zu, wie sie langsam dahinvegetieren? Ich hoffe, dass das Programm dann geändert und auf Studioaufnahmen umgeschaltet wird! Ansonsten wird das wirklich archaisch und erinnert an die Sklaven in der Löwengrube!
Ich behaupte, die, die sich gemeldet haben können nur Naivlinge sein, die von irrationalen Sehnsüchten gequält werden – so gequält, dass sie gleich jede Beziehung zur Erde abbrechen. Lisa Nowak ist dreifache Mutter, auch Tochter, vielleicht auch Tante oder Schwester. Beschränken wir uns mal auf die Erledigung der einfachen Dinge, ehe wir in den Weltraum greifen! Anerkennung, Wertschätzung, Moral, Gerechtigkeit und so. Beginnen wir mit unseren Kindern! Das ist auch ein Abenteuer.

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Nochmals zurück zum Golf von Lyon, aber anders

18. Juli 2014. Es ist 1:13 Uhr, stockdunkle Nacht. Kurs 65. Es geht Richtung Coté ´d Azur quer zum Golf von Lyon. Wir hatten die Überfahrt gewagt, queren gleich den ganzen Golf. Das Wetter war gut angesagt gewesen, mindestens drei Tage sollten angenehmste Segelbedingungen herrschen. Nun aber ist Wind aus Nordwest aufgekommen, nicht viel aber immerhin mehr als in der Vorhersage. Wir sitzen zu zweit im Cockpit, trinken Grüntee und essen Kekse von vorgestern. Die Dinger sind irgendwie feucht. Aber was solls. Chips hängen jedem schon zum Hals raus. Etwas Süßes zu früher Stunde? Ja bitte gerne.

Jedenfalls gefällt uns der aufkommende Wind gar nicht. Wir checken nochmals die Grip-Files und schauen, ob wir vielleicht etwas übersehen haben, irgendwelche kleinen Huster von unserem so gefürchteten Windchen mit dem wohlklingendem Namen „Mistral“. Nein. Max vermeldet, es dürfte nicht mal ein Hauch von einem Windchen zu spüren sein. Nicht in der Nacht. Na gut, dann wird sich das gleich legen. Vermutlich nur ein kleines Druckspielchen zwischen den Luftdrückchen dieser Gegend. Plötzlich füllt sich das Segel. Wir werden eine Spur nach Steuerbord versetzt. Verdammt, was ist das? Die Windvane gleicht den Kurs gleich wieder aus. Wir fahren jetzt 2 Knoten schneller. Ilva legt sich auf die Seite und beginnt, leicht in den anrauschenden Wellen zu stampfen. Max fällt der Keks aus der Hand. Er ist zum ersten Mal mit einem Segelboot unterwegs. Ist eigentlich mehr ein Freund von rollenden Maschinen (genannt Autos), die auf der Straße so gar nicht von den Elementen abhängig sind. Segeln in der Nacht ohne was zu sehen ist so gar nicht sein Ding.
Plötzlich vermeldet das AIS einen Alarm. Nun gut, ein Tanker kreuzt unseren Kurs. Die kommen von Marseille und fahren Richtung Barcelona oder sonst wo hin. Ich hechte zur Windvane und versetze unseren Kurs etwas mehr Richtung 70. Das wird sich ausgehen, der Wind wird sich ja auch gleich wieder legen, versichere ich Max. Die Grip-Files zur Wettervorhersage haben bis jetzt immer gestimmt.
Plötzlich trifft uns die nächste Böe. Es ist keine Böe, es ist Wind, stetig, kräftig. Er ist kühl und trocken, so wie der Mistral. „Habe ich gerade Mistral gesagt?“ Verdammt, nochmal mehr? Sollen wir gleich reffen oder hört das Spiel gleich hinter den nächsten 25 Wellen wieder auf? „Wir gehen kein Risiko ein“, rufe ich zu Max. Wir reffen die Segel. Groß ins 2. Reff, auch die Genua rollen wir leicht ein. Mit dem 1-Leinen Reff-System ist das keine Schwierigkeit. Wir schießen in den Wind, verkleinern die Segel, fallen wieder ab.
Hier ist etwas im Gange. Ilva stampft wie wild auf den Wellen, die mittlerweile – Respekt und Dunkelheit abgerechnet – schon sicher 2 Meter hoch sind. Ich tue so, als sei das alles normal und gebe mich abgebrüht. „Das ist nur ein kleiner Druckunterschied hier mitten im Golf. Das müsste sich normalerweise gleich legen“, sage ich, ohne nun aber bald selbst nicht mehr dran zu glauben. Max schaut mich finster an. Vielleicht denkt er, ich verarsche ihn? Mittlerweile ist Herbert, das dritte Crewmitglied erwacht. Er hängt zwischen den Handläufen im Salon und fragt, ob er nun ein paar Stunden oder ein paar Tage geschlafen haben. „Ist alles ok“, vermelde ich. Das kleine Windchen dürfte eine kleiner Ausrutscher des Wettergottes gewesen sein. Der Wetterbericht verspricht eigentlich Totalflaute zwischen 22 und 6 Uhr früh. „Das wird sich gleich legen“, sage ich. „Aber wenn wir schon dabei sind, legen wir doch gleich die Rettungswesten an“, ergänze ich, „wer weiß, was noch kommt“. Und es kommt. Der Wind nimmt stetig zu, nun schon mindestens Windstärke 4. Die Wellen rauschen vom Norden heran und schieben sich unter unseren Hintern durch. Nun sind schon Schaumkronen zu sehen. Die Wellen überschlagen sich langsam immer öfter. Sie zischen laut.
Max wird langsam aber sicher unwohl. So habe er sich das nicht vorgestellt. Ja, ich weiß. Ist alles kein Problem. „Das Wasser kann Ilva nichts anhaben“, versichere ich ihm, weder bei Tag noch bei Nacht, weder bei Sturm, noch bei Flaute. Niemals! Nun gut, wir knallen nun auf Halbwindkurs fast schon mit 7 Knoten in Richtung Isle de Hyeres, Porquerolle oder die Nachbarinsel. „Bei dem Wind sind wir jedenfalls schneller da als erwartet“, sage ich. Ein bisschen Spaß, ein bisschen Optimismus bei allen Wetter-Unstimmigkeiten tut immer gut. Langsam aber sicher ist bei jeder Welle eine weiße Schaumkrone zu sehen. Der Mistral (der immer noch keiner ist, zumindest in meinem Kopf – denn das möchte ich jetzt nicht wahrhaben, um 2 in der Früh) bläst stetig und kräftig. Er nimmt auch in Böen nicht ab. Na das wird ja eine lange Nacht. Ich hole noch mehr Grüntee. Herbert gesellt sich auch ins Cockpit. Im Seglergewand und Stirnlampe versuchte er, sein Buch fertig zu lesen. Die erotischen Schriften von Georges Bataille. Na gut, da wird ihm sicherlich warm ums Herz, denke ich.
Ein lauter Knall. Verdammt, was war das? Ein Ruck geht durch Ilva mit samt ihren an Bord befindlichen Menschen, gefolgt von einem lauten Kratzen unter uns. Ein paar Sekunden lang dauert das. Eine gefühlte Ewigkeit. Eiskalt läuft es mir den Rücken runter. Wir hechten zur Reling, neigen unsere Köpfe Richtung Wasser, versuchen irgendwas im schwarzen Nichts zu erkennen. Was geht da vor sich? „Nichts zu sehen“, vermelden wir uns gegenseitig. Wir blicken uns an, so wie wir uns noch nie zuvor angeblickt hatten.
Eine weitere Böe trifft uns. Noch mehr Schräglage. Dazu kommen jetzt die Wellen wie kleine Panzer aus Richtung Nord und ergänzen sich mit dem Wind zu einer Front, die nur noch gegen uns zu kämpfen scheint. Wir können doch gar nichts dafür, denke ich. Wir sind doch nur unschuldige Bergmenschen mit dem Hang zur Extravaganz, nur ein bisschen Spaß, mehr ist es doch gar nicht. Auch Herbert holt sich seine Seglerjacke. Er verschwindet im Niedergang. „Hat jemand von euch ein Fenster offen gelassen?“, fragt er. Wir verneinen und fragen warum. „Da schwappt Wasser im Boot.“ Was? Wie? Wasser im Boot? Ich gehe nach unten. Tatsächlich. Ein kleines Rinnsal veteilt sich, je nach Lage im Salon. Es schwappt je nach Lage herum. Eine leere Kekspackung schwimmt oben auf. Es ist nicht zu sehen, woher das Wasser kommt. Wie lange brauchen wir noch bis Marseille? Ich krame die Karten hervor, trage unsere jetzige Position ein und messe. Immer noch 35 Seemeilen. Das sind mindestens 6 Stunden. Bis dahin wird es jedenfalls schon hell sein. Ich spüre, wie das Wasser langsam aber sicher höher steigt. Nun geht es mir schon bis zu den Knöcheln. Ich reiße ein Schapp nach dem anderen auf, hole mir den Taschenlampe und schaue, wo dieses verdammte Wasser herkommt. Es ist jedenfalls Salzwasser; also kommt es von draußen. Die Sache mit dem einlaufenden Wasser hatten wir schon mal vor mehr als einem Jahr. Damals war es aber nur das Wasser vom bootseigenen Tank. Nun garantiert nicht. Es ist salzig und bitter im Abgang. Ich kann nichts entdecken, kein Loch, keinen Riss. Aber alle Verkleidungen kann ich auf die Schnelle nicht entfernen. Und schon gar nicht bei dem Geschaukel.
Hatten wir tatsächlich etwas gerammt? Ungläubig und nicht mehr ganz so guter Dinge schaue ich nochmal auf die Seekarte. Welcher Weg ist der Kürzeste zur Küste? Nach Norden sind es nur etwas über 20 Seemeilen. Das wäre aber fast gegen den Wind. Das bedeutet stampfen und ein böses Auf und Ab über Stunden. Wir besprechen kurz die Lage. Ich gebe mich immer noch ruhig, sofern das noch glaubwürdig rüberkommt. Wir beschließen, nach Norden zu gehen, an die Küste, in den Hafen oder in der Nähe von Land, jeder hier an Bord möchte Land sehen, Land spüren, Handstände, Purzelbäume oder was weiß ich machen. Es geht jetzt nicht mehr um Urlaub, es geht ums Überleben. Nur irgendwie ans Land kommen.
„Wir brauchen keine Angst haben. Die Pumpen sind stark genug, um das bisschen Wasser abzupumpen. Das ist kein Problem“, höre ich mich sagen. Der Wind hat es sich nicht anders überlegt. Er ist gekommen um zu bleiben. Er hat nochmals zugegelegt. Windstärke 6, nach meiner Schätzung, ein klassischer Mistral aus Nordwest, der üblicherweise noch zunimmt auf 8 Beaufort.
Wir rollen die Genua ein, entkoppeln die Windvane und schießen in den Wind. Ilva stampft in den anrollenden Brechern. Manche von ihnen schlagen schon aufs Deck. Ich gehe zum Steuerstand, starte die Maschine. Sie kommt nicht. Nochmals. Vorglühen, ganz langsam bis sieben zählen, dann den Schlüssel rum. Der Starter kullert, aber die Maschine kommt nicht. Ich habe schon lange beschlossen, nicht mehr zu fluchen. Genau jetzt wäre das Gift für unsere Sandmühlen. Ich versuche es nochmal. Ich denke an einen Schwarzen Verlängerten mit Cremeschnitte bei der Aida im 9. Bezirk. Sonnenschein, verspiegelte Wände, die Kellnerinnen in ihrem Rosa-Dress. Das beruhigte mich immer. Ich denke an die Vitrine mit den Köstlichkeiten, Kardinal-Schnitte, Majonaise-Ei. Sieben. Nochmals starten. Der Starter arbeitet. Nichts passiert. Ilva stampft. Wir sitzen im Cockpit wie auf einem wild gewordenen Stier und schauen uns an. „Nun Leute wird es langsam ernst. Wir reißen uns jetzt zusammen und bringen das Boot zur Küste. Wenn nicht mit der Maschine, dann unter Segel. Wer will noch Tee?“ Niemand wollte Tee.
Auf einmal höre ich eine Ente quaken. Quak, Quak, Quak, Stilles brummen. Ich öffne die Augen. Ich reiße die Tür ins Cockpit auf. Max und Herbert liegen auf den Cockpit-Bänken. Beide heben die Köpfe. Ich sehe nichts als Zähne. Nichts von Wind, Unruhe, Nervösität oder gar Wellen zu sehen, hören oder spüren. Ich habe geträumt, jetzt ist es fix. Niemand bewegt sich schneller als üblicherweise auf einer Segelyacht. Worte werden gewechselt, der Himmel bestaunt. Eine schöne Szenerie. Die Maschine brummelt ruhig vor sich hin, der Autopilot bemüht sich. Fast kann ich es nicht glauben. Ich beruhige mich. Meine Schicht beginnt. „Wir kommen bald in die Nähe von Marseille“, vermeldet Max. „Ach ja, danke, ich komme gleich. Nur noch 5 Minuten.“ Ich knalle meinen Kopf in den Polster, schalte das Gequake des Handys ab. Ich muss mich noch kurz erholen von diesem Traum.

 

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Die Tiger von Calpe

Nach einigen Segeltagen mit guten Etmalen legen wir in Calpe an. Der starke Wind schiebt uns rollig vor sich her, die Windfahne müht sich ab, gegen die hohen Wellen von hinten Kurs zu halten. Nach Alicante ists vorbei mit der herrlichen andalusischen Sonne, der Trockenheit, der Klarheit des Himmels, den angenehmen Abenden. Schon bald steht fest: hier kommen wir nach Europa! (eigentlich haben uns die Leute hier erzählt, es sei verdammt kalt jetzt – also das mit dem Klima wird bald wieder besser). Wir frieren nämlich beim Segeln. Und obwohl wir wissen, dass so manche/r unserer LeserInnen jetzt ein wenig schadenfroh lächeln wird – ok, wir wissen, dass Mitteleuropa grad im Eis ertrinkt, dagegen brauchen wir hier nur eine Seglerhose anzuziehen! Während der Nächte in den Häfen straucheln 2 elektrische Radiatoren und halten unsere Gehirne eisfrei.

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Nun liegen wir ziemlich unruhig im Hafen von Calp oder Calpe, je nachdem welche Schreibweise man wählt. Und obwohl wir „nur“ im Mittelmeer geblieben sind und dort auch wiederum „nur“ an der Küste entlang segeln, gibts dennoch viel zu berichten.
Nach einem zweifachen Rittberger bei Starkwind beim Anlegen in der Marina, müssen alle ganz dringend Pipi, denn kurz zuvor ist die Pumpe unseres Schiffklos kaputt gegangen. Dies erforderte gewitzte wie auch risikoreiche gegenderte Lösungen, damit die SeglerInnenblasen nicht platzen. Und was dann noch geschah: nachdem wir uns zum Essen in den dank Landstrom endlich warm werdenden Schiffsbauch zurückgezogen hatten, sahen wir achtern nur mehr eine riesige weiße Genua, ganz nahe bei unserem Heck. Papabert springt hoch. Gerade eben noch beim Laptop gesessen setzte er an zu einem rekordverdächtigen Decksweitsprung, um die eifrigen Jollensegler, die allesamt ziemlich erfahren oder zumindest erfahrener aussahen als wir, anzuschreien. Ohne Skrupel ob ihrer tollen Seglerkleidung, ihren hohen Ehrfurcht-einflößenden Haaransätzen und ihrer großen Anzahl. Mamabert und Kindbert hinter ihm her – weniger aufgebracht, weniger hübsch – Mamabert in ihren Hüttensocken mit Herz und Jogginghose, Kindbert in alter Jogginghose und unfrisiert, aber nicht minder ambitioniert, die Situation zu retten als irgendeiner der Großen. Was war da abgegangen? Als die britischen Wassersportler ihre Jolle mit einer Wende im engen Hafenbecken ins offene Meer rausmanövrieren wollten, krachten sie voller Freude gegen unser schönes Heck und rammten mit dem Großbaum fast noch den Außenborder von unserer Reling.

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Vollen frohen Muts waren sie ohne Motor und auch ohne Leinen oder Fender nur bis zur nächsten Ecke gekommen, wo unser Boot im Weg stand weil der Wind die Segel mächtig füllte.  „Where are your fenders? Where are your lines?“, brüllte Papabert. „Sorry, sorry, we are so sorry, so dumb“, gab die Crew kleinlaut von sich. „What means sorry?“, konterte Papabert. Bei Sturm mit der Genua  und dem Groß gegen den Wind zu gehen ist vielleicht doch nicht so eine gute Idee, ob nun ordentlich angezogen oder nicht. Ziemlich gedämpft fuhr die Crew samt Segelguru wieder an ihren Platz zurück – ja, so schnell kann ein Männertag sein Ende finden. Ok, gut – Schwammdrüber-Blues, unser Tag will auch gerettet werden, das Hin- und Hergeruckel raubt Papabert den Nerv. So wendet er sich konstruktiven Dingen zu und erfährt bei seinen Recherchen, dass das Plastikteil für das Klo läppische 100 Euro (!!) kostet, ein Klacks, oder?  Wir können es nach Valencia in einem Geschäft abholen und müssen dafür noch nicht mal einen Umweg fahren. Der Kratzer an der Bordwand wird durch zwei Bier von John, dem altgedienten Jollensegler wett gemacht. Was hilft gegen Stress im Hafen: Weg da!!! Sollen doch alle anfahren wenn wir nicht dabei Herzstechen kriegen. Abhlife schafft eine Wanderung.

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Kindbert freut sich ohnehin schon auf eine kleine Tour und uns allen tut ein Spaziergang durch die Natur gut. Na das trifft sich ja bestens, dass Calpe direkt an einem ca. 400 Meter hohen Felsen, dem „Peñon de Ifach“ liegt, der ähnlich wie „the Rock“ bei Gibraltar aussieht, mindestens genau so steil ist und von mindestens ebenso vielen Tieren in einem Naturpark wohlversorgt bevölkert wird. Allerdings sinds hier keine Affen, sondern Möwen und Katzen.

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Am höchsten Punkt des Felsens tummeln sich die kleinen Tiger, um Möwenküken oder wenigstens ihre Eier zu stehlen. Sie scheinen sich wohl zu fühlen bei Wind und Wetter, 400 Meter über dem Meer. Das Fotografieren sind sie wohl gewöhnt, streicheln ließ sich jedoch nur eine. Der Weg auf den Felsen ist durch ein kleines aber wichtiges Schild markiert: Caution! Extreme dangerous track! Don`t walk with Children! Das Flip-Flop-Zeichen war dazu auch noch durchgestrichen. Ok, wir würden das verstanden haben, wenn wir es gelesen hätten, haben wir aber nicht. Zum Glück sind so viele Engländer da. Aber es war ohnehin egal, schon der Anblick nach oben muss einem Menschen (wenigstens einem aus den Alpen) sagen, das wird lustig! Rauf gehts einer „maurischen Mauer“ entlang (hatten die auch schon Kletterseile?)

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Ein Durchgang durch den Fels verkürzt den mittleren Aufstieg, gleicht aber einer Rutschbahn-Tube und kann nur mittels der Halteseile am Rand bewerkstelligt werden – der 100 Meter lange Tunnel wurde irgendwann mal durch den Fels gehauen und erinnert Kindbert und Mamabert gleich an Herr der Ringe. Dann gehts über glatte und eingerissene Steine auf einem schmalen Steig an den hohen Klippen entlang nach oben, zum Anlehnen, mit Steigseilen ausgerüstet. Komisch, von unten sah der Felsen doch so klein aus? Kindert und Papabert gehen alleine weiter, der Weg sehr schwierig –  glatt –  steil – weit. Mamabert geht lieber zum Supermarkt  – es gab ja letztlich gute Gründe, warum sie den Alpen den Rücken kehren wollte und lässt die beiden Entdecker alleine aufsteigen, so nach dem Motto Ehefrau und Ehemann. Oben dann ein Ausblick, der einem die kleine Welt auf so einer Yacht vergessen lässt. Wie dicht der Landstrich doch besiedelt ist! Das meiste wird nur im Sommer bewohnt – rund 200.000 Menschen wollen dann gemeinsam hier braun und entspannt werden. Ob das möglich ist? Ein Panorama auf die Gelsenlacke (früher mal eine Saline) hinter hohen Hoteltürmen, dahinter irgendwo Ibiza im Osten, die imposanten „Zähne“ von Benidorm im Westen– die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern pro Mensch – hässlich und unbelebt sieht das aus. Voller Eindrücke und wieder  innerlich eingenordet wird das Zusammensein am Boot erneut genossen. So ein Hafentag hats einfach in sich!

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Wem die Stunde schlägt – Almeria Tschüss baba

Der gute Ernest hat es ja schon – von allen, die geduldig genug waren, den Schinken bis zur letzten Seite durchzulesen  – episch ausgedrückt.  Angst und Schrecken – Grundsatzfragen, leben und sterben, heimfahren oder bleiben, Almeria oder Monfalcone – und wir?

BildAlmeria markiert den westlichsten Punkt unserer Reise, sieht man von unseglerischen Seitensprüngen nach Gibraltar und Marokko mal ab. Almeria hat alles, was ein Mensch so braucht. Eine Altstadt, Einkaufsstadt, Bars, coole Flamenco-Clubs, Restaurants (nie eins besucht –zu teuer), Sportzentrum, günstige Mietautos, billiges Gas in Flaschen, traumhaftes Klima, super-nette Leute, zerkratzte Autos, nicht allzu billigen Wein, eine verdammt gute und billige Tapas-Bar, einen genialen Paseo am Strand, zu tausenden bepisste Straßenlaternen, eine imposante Alcacabar (maurische Festung), staubig-trockene Baguettes und ca. 2 Miliarden frische Hundstrümmerl täglich.
Wem die Stunde schlägt – nicht schon wieder!!  – der macht sich Gedanken über Kameradschaft und Suizid – nein ganz soweit geht es bei uns nicht, aber unsere Stunde hat geschlagen – das fühlen wir deutlich. Es wird resümiert, was denn alles erlebt wurde, geschafft worden ist, was „im schwarzen Album mit dem silbernen Knopf “ mit soll ins weitere Leben, wenigstens im Hirnkastl. Was bleibt zurück?  Keine Ahnung, dafür war bis jetzt noch keine Zeit, auch nicht für den letzten almerianischen Sonnenuntergang.
Denn:  Es wird klar Schiff gemacht – neu verstaut und fix fixiert. Tausende Gripfile-Downloads in den letzten Tagen machen den Kopf schwer. Ist das Hoch „groß genug“ um ein gutes Stück nach Osten zu kommen? Wird uns der Wind gnädig sein und nicht sofort wieder stark aufs Näschen blasen? Alles anstellen zur großen Geräteprade. Sind alle nach der Pause noch arbeitswillig? Es dauert ewig, den legalen Weg für die Entledigung der „ausländischen“ Gasflasche herauszufinden. Für alle noch Unwissenden: hinter der Plane rechts im Club del Mar dürfen auch die landes-fremden leeren oder halbleeren Gasflaschen stehen. OK. Es wollen alle hier gewonnenen Freunde ordnungsgemäß abschiedsgeküsst werden (Freu*Wein*) und selbstverständlich „abschieds-mohnbestrudelt“.  Mohn gibts hierzulande nämlich nicht. Aber es gab gute Rückmeldungen aus spanischen „el Mundos“!

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Unzählige Male läuft Papabert mit Wasser zwischen El Arbol und Schiff  hin und her. Man könnte glauben, wir müssen in die andere Richtung noch übern Atlantik. Doch auch im Mittelmeer wird es wieder lange dauern, bis der Weg vom Boot zum Flaschenwasser so ein kurzer ist. Es wird vorgekocht – Spanischer Eintopf del Capitano, was sonst. Am ersten Segeltag nach 3 Monaten soll es niemand an Futter mangeln!

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Wo liegt der nächste Hafen – was wird uns empfohlen….. und unter welcher Telefonnummer? Tja, dennoch niemand erreichbar. Egal, wir sind motiviert!! Zum Trost gehen wir nochmals in Papaberts Lieblinsrestaurant Cabana del Tio Tom! Marwin bestellt dort zum wiederholten Mal Fresa con Nata!! Jetzt kennen ihn wohl schon alle aufgrund seiner Vorliebe (vielleicht auch wegen seiner langen Haare und dem Fußball, der allweil an seinem Fuß klebt). Mamabert genießt noch den letzten Einkaufsausflug zum Carrefour…..auch wenn es dort keinen Tintenkiller für Kindbert gibt. Spanien steht auf Tip-Ex! Tintenkiller sind ausgestorben. Auch Wäsche wird noch gewaschen. Was, schon wieder? Ja schon wieder!

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Neben dem gesamten Bootskleinkram, der vielleicht schon so manchen von unseren LeserInnen (wie uns auch oft) langweilt, geht es aber auch um „große Würfe“, so wie halt auch bei den literarischen Größen. Wie soll die Rückreise im Groben verlaufen? Wo soll bzw. könnten mögliche Endpunkte sein? Was steht auf der „Unbedingt-noch-erleben-Liste“? Wo kann Ilva nach ihrem „Tagwerk“ angemessen im Wasser liegen bis wir wieder Zeit für sie finden? Wir schreiben in etwa 40 Häfen in Ligurien und der oberen Adria an. Die Antworten liegen irgendwo zwischen amüsant und erschreckend, von den Zahlen ganz zu schweigen. Mal sehen. Wieso besteht unser Leben immer aus mehr Fragen als Antworten? Weil wir Lebensliteraten sind? Weil das normal und bei allen so ist? Naja, wollen wirs mal nicht übertreiben. Nach einem ausgiebigen Frühstück für uns und einer Tankfüllung für Ilva (gleiches Recht für alle!) samt Adios-Picture (mit geschenktem Almeria-Kapperl) geht es unerbittlich los. Fast hätten wir einen Enteisungsspray gebraucht. Wir waren da ja schon fast festgewachsen.

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Aber Nun: Kurs 210 – Ost. Wir freun uns wieder, am Meer zu sein. Ilva pfeift durchs Wasser. Jeder tut, was er kann, um zum Fahrtglück beizutragen. Kindbert liegt herum und zieht sich ein Video rein, Mamabert schaut versonnen aufs Meer, Papabert bestaunt die Küste und knipst noch eifrig bis der Fotoapperat nimmer kann. Ja, kein Scherz, wir faulenzen ausgiebig, weil Ilva fährt sofort wieder wie fast von alleine.  Schön ist so das Seglerleben.

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Andalusien – mixed pickles

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Nach der 100 Meilen Fahrt von Cartagena nach Almeria stehen wir nun schon seit über einer Woche in Almeria, im nobel klingenden „Club de Mar“. Der Wind bescherte uns wieder einmal leichtes Amwindsegeln (die Windfahne mags), später gepaart mit einer Motorfahrt durch die pechschwarze Nacht per Autopilot (der Käpten mags). Der Schiffsverkehr wird hier mehr, um nicht zu sagen stark. Man merkt, dass Gibraltar nicht mehr weit ist. Auf den Schiffsstraßen fährt ein Riese nach dem anderen, wie die Laster am Gürtel.
Mit sensationellen 13 Euro pro Nacht (all inklusive Winterpreis) haben wir uns einen längeren Hafenaufenthalt gegönnt. Dazu gibts einen Parkplatz für ein Mietauto (wenn man denn eines besitzen möchte), Internet am Schiff und nur mehr samstags eine ordentliche musikalische Dröhnung vom nahen, äußerst schicken Hafenrestaurant.

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Die Wege in die Stadt sind kurz, gleich um die Ecke liegt der Club de Mar Fitnessbereich mit einem großen Schwimmbecken zum Tauchen und Schwimmenüben für Kindbert.
Weiter vorne zwischen Strand und Küstenstraße liegen fein angelegte Parkanlagen, in denen sich Jongleure, Skater, Läufer, Radler, Fußballer, Speedminton-Spieler, Cafe- und Rotweintrinker die Plätze teilen. Auch in die Altstadt sind es zu Fuß nur zehn Minuten. Selten auf dieser Reise lag alles so eng beieinander.

Inmitten dieses Paradieses herrscht überraschenderweise kein Gedränge. Die Marina samt ihren Gebäuden haben wir fast ganz für uns allein. Abends können wir an Deck nie enden wollend Gitarre spielen und singen, kein Geräusch ist im schwellfreien Wasser zu hören, morgens braucht niemand Angst zu haben, zu spärlich bekleidet von der Aftkabine zur Morgentoilette im Bug zu huschen. Nur die immerscheinende Sonne siehts. Es ist einfach herrlich, was auch immer uns einfällt an Bord oder drum herum zu tun – singen, spielen, fernschauen, flexen, Holzarbeiten … niemanden kratzts.

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Nebenbei hatten wir auch indirekten Besuch von drei netten Freunden in einem Hotel in Granada – wir freuen uns, sagen zu dürfen, dass wir luxuriös mit einer Berühmtheit (Niederösterreicher des Monats!) aus heimatlichen Gefilden gespeist haben, und sozusagen als VIPs im Hotelzimmer waren, um ein bisschen Spaß und Gaudi zu haben – Fußballmatch inklusive: Österreich – Schweden per ipad. Leider hat unsere Schützenhilfe wenig genützt. Langweilig wurde uns jedenfall nicht – der Barfrau des Hotels auch nicht.

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Und gesehen haben wir hier auch schon eine Menge: von den verschiedenen Wüsten, die hinter den ersten Bergkämmen nach der Küste beginnen, über die Sergio-Leone Filmstudios in der Sierra Tabernas (inklusive Western-Schieß-Show), das Cabo de Gata Naturreservat – dem trockensten Ort Spaniens, in dem eine bilderbuchreife Bucht an die andere schließt, das Kastello Alcazabar – eine fulminante Burg mitten in Almeria, den Felsen von Gibraltar inklusive aller Affen und schlechten Pizza-Hut-Pizze und – nicht zu vergessen – das Mare Plastico – das größte von Menschenhand geschaffene Gebiet mit Plastikplanen überzogen. Zwischen den Gewächshäusern liegen immer wieder slumartige Ansiedelungen, in denen die Agrararbeiter ihr Dasein fristen. Diese Menschen, meist aus Afrika zu Billigstlöhnen engagiert, versorgen Europa und die übrige Welt mit billigstem Gemüse und Obst. 80 % der spanischen Obst- und Gemüseproduktion kommen von hier. Immer wieder sieht man Arbeiter, die etwas außerhalb in halb verfallenen Häusern wohnen, wahrscheinlich ohne Strom und fließendes Wasser. Hier wird wasserreiches Gemüse noch billiger produziert als in Afrika! Und das im trockensten Gebiet Europas!

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Durch die vermehrte zeitliche Kapazität bekommt Kindbert in letzter Zeit täglich Unterricht von Mamabert oder Papabert. Es sind schon Fortschritte zu verzeichnen, die uns die Brust stolz anschwellen lassen. Vor allem in Musik gab es einige zu vermerkende Leistungen. Kindbert kann „Drunt in der greanen Au“ singen! Mamabert kann sich nie zurückhalten und singt allweil mit. An „Black Hole Sun“ arbeiten wir noch. Kindbert benennt Mamaberts und Papaberts inbrünstige Bemühungen diesbezüglich bisweilen noch als Gejaule.

Auch Warmwasser haben wir jetzt, wenn der Motor nicht läuft – durch eine elektrische Heizspirale im Boiler und endlich – dank dem hochgelobten Papabert eine tolle Lösung für zwei immer wieder auftretende Wünsche: 1. Mamabert will ein Doppelbett außerhalb des Salons und 2. will Kindbert morgens noch mit dazu. Ein paar Fichtenbretter vervollständigen nun die kaiserlich-königliche Aftkabine. Nun können wir zu dritt (unter luxuriösen Platzverhältnissen bittesehr) in unserer Aftkabine ruhen. Soooo Cool.

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Es hat mittags immer noch 30 Grad, schwitzen ist ja bekanntlich gesund. Das Wetter ist immer noch bis auf ein paar wenige Wolken so, wie man sich das im Himmel vorstellt – trocken, warm, sonnig, klar am Tag, abends angenehm kühl und „zum Zudecken“ in der Nacht bei offenen Türen und Fenstern – sollen wir noch weiter erzählen?

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Badegasticum Idealum (Der ideale Badegast)

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Gefragt, welche Charaktermerkmale den idealen Badegast (wahlweise auch ideale Badegästin) von dem gemeinen Badegast unterscheiden, können folgende 25 Attribute festgehalten werden, welche bis dato jedoch nur selten alle erreicht wurden:

 1. Optimale Höhe: 130 cm, optimale Breite: 20 cm und optimale Tiefe: 30 cm.

2. Sie/Er weiß, die Demokratie hat bis dato alle Boote zum Sinken gebracht und ordnet sich devot in die vorgegebenen Verhaltensregeln ein.

3. Sie/Er kann schwimmen oder erweckt dauerhaft auch in Krisensituationen unter emotionaler Anspannung den Eindruck, es zu können.

4. Sie/Er ist Ernährungswissenschaftler und kann den durchschnittlichen Kalorienbedarf einer Kleinfamilie auf längerer Überfahrt spontan errechnen oder zumindest erraten.

5. Sie/Er trinkt Kaffee ohne Milch und Zucker, warmes Bier, frühstückt das Abendessen von gestern, trinkt ausgerauchtes Mineral und ist mit mindestens einem kardianisch fixierten „Saumagen“ ausgestattet. Sollten dennoch bereits anverdaute Lebensmittel den Körper auf dem falschen Weg und zu ungeeigneter Zeit verlassen, ist es ihr/ihm kein Problem, die Lage soweit im Vorfeld einzuschätzen, dass zeitgerecht und ohne Vorwurf an Crew oder Skipper ein geeignetes Gefäß gesucht, gefunden und in Position gebracht werden kann (am besten eines mit festem Deckel).

6. Sie/Er versucht stets, das Gute in jeder Situation zu erkennen und nimmt positiven Einfluss auf die Bordstimmung – auch ohne Auslauf.

7. Sie/Er hat eine hinlänglich große Portion Humor, bzw. ist zu ironischen Interpretationen der umweltbestimmten Realität in der Lage.

8. Sie/Er liebt Kinder und ihre Tätigkeiten am frühen Morgen und säubert gerne per Hand dreckiges Geschirr – ohne Anleitung von Skipper oder Crew.

9. Sie/Er hat keine Wünsche bezüglich der Reiseroute, hat überall hin eine Flug-, Bus oder Bahnverbindung und flexible Urlaubszeiten.

10. Sie/Er kann auch bei starker Lage Krautsuppe mit Risotto machen.

11. Sie/Er liebt Wind und Flaute, salzverkrustete (mitunter aufgesprungene) Haut, Sonne den ganzen Tag, sowie Regen wenn es denn welchen gibt.

12. Sie/Er liebt es, mit nassem Hintern von der Dinghifahrt an den Strandboulevards zu flanieren um in feinen Restaurants zu sitzen.

13. Sie/Er schwitzt/stinkt niemals und ist olfaktorisch auch nicht in der Lage, Schweiß oder andere Körperausdünstungen in der näheren Umgebung wahrzunehmen.

14. Sie/Er kann in jeder Position erholsamen Schlaf finden und ein Handpumpklo ohne Erklärung benützen.

15. Sie/Er hat die spirituellen oder finanziellen Mittel, unangenehmen Schwell zu unterbinden (Transportboot zum Aufwerfen von optisch ansprechenden Sanddünen zwecks Wellenbrechung sollte mindestens zur Verfügung stehen) und ist gelernter und passionierter Landmaschinenmechaniker mit Hang zum kopfüber Extremschrauben.

16. Sie/Er ist allzeit tauchbereit und führt alles notwendige Equipment zum Durchführen aller anfallenden Unterwasserreparaturen mit sich.

17. Sie/Er steht in einem verwandtschaftlich positivenVerhältnis zu Neptun und den Windgöttern.

18. Sie/Er gründet eine finanziell potente Seglerstiftung zum Wohle segelnder Familien aus Wien Ottakring.

19. Sie/Er macht ausschließlich schöne, jugend- und doppelkinnalarmfreie Fotos von Schiff, Kapitän und Crew – und das ständig.

20. Sie/Er freut sich von Anfang bis zum Schluss, mit dabei sein zu dürfen und weint ein bisschen beim Abschied.

21. Sie/Er ist goldenes Clubmitglied in allen Marina-Privat-Clubs des Törns und verschafft damit auch den Begleitpersonen freien Zugang zu Einrichtungen, die in Crew/Skipper Begehrlichkeiten wecken wie z. B: Fuß- und Tennisplätze, Hallenschwimmbäder, Jacuzzis, etc.

22. Sie/Er kann ein Instrument spielen und großartige Texte fürs Internet schreiben, oder wenigstens singen.

23. Sie/Er hat gute Verbindungen zu internationalen Autovermietungen, bzw. verfügt über die finanzielle Freiheit, sich jederzeit ein passendes fahrbares Gerät zu verschaffen, um damit die weitere Umgebung zu erkunden, bzw. Einkäufe zu tätigen (notfalls werden auch Esel angenommen).

24. Sie/Er ist im Besitz des Transponders zum Beamen nach langen Außeneinsätzen von Scotty (Raumschiff Enterprise, eh scho wissn)

25. Sie/Er kann sich auch selbst beschäftigen.

Wie eingangs erwähnt, ist noch kein Badegast erschienen, welcher alle Bedingungen erfüllt hat. So ist Fam. Bert dazu übergegangen, Abweichungen außerhalb des normalen Toleranzbereiches zusätzlich zu verrechnen.

 So, das wars auch schon…..wie ihr seht, es ist ganz leicht, die wenigen Bedingungen zu erfüllen……..falls nicht:

Geld regiert die Welt! Oder ist es doch der (Über)Mut????

 Wir freuen uns darauf, Euch als Badegäste an Bord der ILVA begrüßen zu dürfen.

 

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Aktiv in Alicante

Papabert plagt schon seit einigen Tagen ein böses Sodbrennen, ein verstimmter Magen, Säure, nicht wegzukriegen. Fettes Essen ist damit tabu, Wein eigentlich auch wegen der Säure, Bier eigentlich auch wegen des Blubbers. Was bleibt übrig? Richtig – etwas Obst und gekochte Erdäpfeln, Reis. Das Einhalten einer solchen Diät wird aber durch den derzeitigen Aktivitäts-Überschuss beim Essengehen verdammt schwierig und man müsste fast sagen, unmöglich gemacht. Soda mit Himbeeren hilft vielleicht, vielleicht auch die besorgten Medikamente.
Aber wir möchten nicht gleich abschweifen. Das eigene Wohl wird ja in Seglerkreisen gerne zurückgestellt. Was macht es schon aus, wenn einem a Schas plagt? Wir leben vom Verzicht und von unserer Ausdauer auch in Krisenzeiten. Wer wird denn schon bei Seegang über die Reling kotzen? Richtig; niemand, außer die Leute, die ehrlich sind, oder die, die keine Chance haben, etwas zu verheimlichen, weil sie Gäste bei uns sind und eine Tour auf die Insel Tabarca ansteht.

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Eventuell war es ein Zeichen der Stressbewältigung. Bei der Insel war nämlich kein Heimkommen in Sicht – der Anker hatte sich in einer Felsspalte verfangen und war trotz aller Versuche nicht mehr raufzuwinden. Böses DUDU!!!! Das passt uns eine Stunde vor Sonnenuntergang gar nicht. Schon gar nicht, wenn die Taucherbrillen das einzige Mal auf der ganzen Reise nicht an Bord sind (ein Mietauto ist doch nicht immer gut – dritter Merksatz in diesem Blog) und die Geschäfte schon zu haben. Papabert fuhr verzweifelt den Ankerplatz auf und ab – auf der Suche nach einer Taucherbrille. Niemand hatte eine, und wenn, dann nur Goggles und mit denen kann man unter Wasser nix sehen. Aber: auf den Käptn ist Verlass – in den Ort laufen (ohne Schuhe), Taucherbrille nicht kaufen, sondern ausborgen – von irgendwem. Im verlassenen Dörfchen konnte er jemanden überzeugen, dass der „Verleih“ seiner Taucherbrille absolut kein Nachtteil für ihr ist (ein junger Spanier verstand anscheinend den Ernst der Lage) und tauchen – such den Anker … mit ausgeborgter Brille und nigelnagelneuer Unterwassertaschenlampe. Auf Eitelkeiten verzichtet man gern, wenn die Stunde fortschreitet, die Jause im Hafen wartet nicht ewig. Mit einigen inbrünstig rübergebrüllten „Gracias“ waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg – mit leicht erhöhtem Adrenalinspiegel, aber nix passiert, alles gut. Laut unseren Gästen ist Alicante auch nach unserem Ausflug immer noch einen Urlaub wert.
Zugegeben: vom Meer aus lädt Alicante nicht auf Anhieb auf ein paar nette Wochen ein. Während der Einfahrt in den Hafen sah es aus, als kämen wir in eine total versaute Industriestadt. Auf den Balearen nämlich, kann man schon an das Schöne gewöhnt werden –  die haben den Müll ja ganz hinten am Berg versteckt. Aber hier lag er hoch aufgetürmt in der Hafeneinfahrt, gemeinsam mit Schwefel- und Alteisenbergen. Hässliche Hafenmauern, Wracks, die halb aus dem Wasser ragen, Hochhäuser, die wie Soldaten in der Landschaft stehen, quasi nach der Reißbrettmethode (vielleicht eine spanische Architekturdisziplin?), Flugzeuglärm und große Fähren, die  – wenn du nicht gelegentlich mal nach hinten blickst – dich einfach überfahren, mit Volldampf und einer Portion Zerstörungswelle. Das ist eine Begrüßung.
Aber: So wie überall und immer im Leben muss man auch in Alicante nach den schönen Plätzen suchen. Es gibt sie. Am Besten entdeckt man sie „amerikanisch“, mit eigenem fahrbaren Untersatz, oder aber auch zu Fuß.

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Die Wasserfälle im Hinterland von Benidorm z. B. waren ein Inbegriff eines paradiesischen Platzes – inklusive reinstem Bergwasser, nicht einmal Fische gehen da aufs Klo. Schon nach ein paar Metern in den Fels eingedrungen, tut sich ein enger Kamin auf, in dem aus zehn Metern Höhe das Wasser herabrauscht. Der Eingang in die Höhle ist geheimnisvoll schmal, die Wände durch das abfallende Wasser dick vermoost. Das Sonnenlicht dringt bis zur Wasseroberfläche durch und beleuchtet diese kleine Höhle von oben wie mit einem Scheinwerfer. Anfangs waren wir alleine, die einzigen Touristen saßen bei Bier und Tapas weiter oben in der Cafeteria … was Mamabert dazu verführte, sich gleich an Ort und Stelle umzuziehen und hineinzuschwimmen. Bei 15 Grad Wassertemperatur entstand ein ziemlich „kurzes“ Gefühl – Pielach-Dejavu im September.
Einmal im Kamin, ist man abgeschottet von der Außenwelt. Man kann hier den Ort genießen, sich auf die glatten Steine setzen und allein sein (habens probiert), auch wenn weiter draußen 40 spanische Senioren stehen, lauthals kommentieren und sich mit Fotoapparaten an den Höhleneingang anpirschen.

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Einmal sind wir barfuß auf der rosaroten Salzkruste am Strand der Salinas bei Torrevieja entlanggelaufen, verwundert, wie abgespaced ein sanftes Tal mit ca. 2 Mio. tatsächlich identen Ferienhäusern und einer rosaroten Lagune als Ortszentrum aussieht. Und Wolkenkratzer haben wir gesehen. Viele, viele, direkt in die Wüste gebaut. Anscheinend hat nur New York mehr Wolkenkratzer als die Stadt Benidorm. Naja, viele waren es schon….aber so viele?? Sicherlich hat diese skurrile Skyline dazu beigetragen, dass sich der Autor unseres Reiseführers zu der Aussage hinreißen ließ: „Die Welt würde keinen großen Schaden nehmen, wenn sich der Küstenstreifen beim Mar Menor vom Land lösen würde und im Meer versänke“. Nicht grad nett – aber wir verstehn`s.

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Auch ein Bergbauerndorf haben wir besucht. Ein halb abgesprengtes Kastello thront über dem Ort, dazwischen gibt es geheime Durchgänge und ca. 200 Geschäfte, dazu nochmal 100 Wirtshäuser und 50 Hotels und unzählige Museen, die fast alle das gleiche zeigen – Flohzirkus und die Bibel im Stecknadelkopfformat. Das kleine „verträumte“ Bergbauerndorf wirkt nach Ladenschluss eher wie ausgestorben (ist es auch definitiv).

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Unter dem Ort befindet sich ein Wasserreservoire. Im scharfem Azurblau liegt es wie eine Blume im hohen Tal zwischen den unerwartet grünen Hängen – ein krasser Gegensatz zum restlichen Steingebirge. Daneben liegen Finkas mit angelegten Terrassenfeldern, auf denen tatsächlich noch was angebaut wird.

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Auch Alicante wird bewacht von einem Kastello hoch oberhalb der Stadt. Kindbert ist frühmorgens in Begleitung unserer Gäste raufgewandert. Sehr tüchtig – für die gemütlicheren Urlauber gibts aber auch einen Lift mitten im Berg (so habens auch wir geschafft). Das Kastello wurde im frühen 18. Jahrhundert von den Briten erobert und von den einheimischen Spaniern bald darauf gesprengt; von unten, durch einen Tunnel.
Heute werden die Feinde subtiler abgewehrt. Mit Fett, Friteuse, Fett, nochmals Fett und ein paar Würsten; auch Hanswürsten in den Gassen, die ständig Gaukeln, mit leidlich wenig bis super kreativem Betteln: „I have made 5000km on my bike, now I´m hungry“. Oder Dauerbeschallung beim Essen, oder Spaziergang. Es geht aber auch anders: Am Hafen sitzt still und demütig ein wohlerzogener alter Chinese und spielt sein Saiteninstrument – er lädt Kindbert ein, mitzumachen – Musikstunde a`la internacional: Do – Re – Mi –Fa – So…. klingt eigen. Kindbert gefällts und er macht lange mit. Die gesamte restliche Woche verbeugt er sich, wenn wir vorbeigehen. Wir winken zurück. Aber nicht alle ImperatorInnen können subtil abgewehrt werden: Vielen Engländern schmeckt, was serviert wird, die Restaurants sind brechend voll. Die stellen ja auch den Großteil der finanziell mehr oder weniger betuchten Urlauberschaft dar. Leer ist es hingegen beim Inder – dafür aber ausgezeichnet lecker, sicher das beste Essen, welches wir im städtischen Dschungel erlegt haben.

Zur selben Zeit – gleich um die Ecke konnte man plötzlich nicht mehr über die Straße. Ein Worldcup-Triathlon mit ebenso worldcupmäßigen Menschen brachte Polizisten und schnelle alte Frauen zur Verzweiflung. Wie TriathletInnen sich in Alicante wohl ernähren? Mit englischen Tapas? Wir haben uns dann beim Wettbewerb in Stellung gebracht (nur wohlgenährt, damit wir nicht an Hungers sterben) und sie beobachtet. Muy impressionante!!! Eine Runde im Hafenbecken schwimmen hätte Mamabert schon an Brechreiz erkranken lassen. Dass die das machen, kann nur mit Unwissenheit über die vielen SeglerInnenbräuche in weitläufigen Hafenbecken erklärt werden. Sogar die Fische haben immer wieder das Wasser verlassen und zwischen den Planken des Schwimmsteges den Freitod gewählt, weil sie es wahrscheinlich nicht mehr in dieser Brühe ausgehalten haben. Kein Wunder also, dass die AthletInnen so dünn sind…..vielleicht brauchen sie dann eh viel Fett. Der passende Song dazu sei per Youtube von Ytitty – „Ich steh auf Wings von Kentucky“ – empfohlen. Wir hoffen nach wie vor auf richtige spanische Küche, irgendwann mal.




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Ein Hoch auf die Pityusen!

Wer oder was sind denn die Pityusen? Eine neue Biermarke? Pechstränen am laufenden Band? Sandalen mit neuem Aufdruck oder vielleicht verbrauchte Mosiko-Räucherstäbchen? Sessel aus Meerschaum? Aufgedunsene Bleichgesichter, verbraucht wie alte Maulesel? Nein, alles nicht: die Pityusen sind Inselchen der Balearen mit wohlklingendem Namen. PITYUSEN – kommt vom griechischem Begriff Nissoi pityussai. Die Griechen nannten die Inseln so wegen ihrer damals reichen Pinienwälder. Von denen ist aber jetzt nichts mehr zu sehen. Schön sind die Inseln jedenfalls trotzdem und wir waren dort – lagen quasi auf dem Weg von Ibiza nach Alicante am spanischen Kontinent. Nun gut, jetzt ist es raus. Pityusen sind etwas absolut normales, etwas, wohin jedermann/frau leicht kommen könnte, etwas wo der Otto-Normaltourismus Einzug gehalten hat, lange schon, gleich nach den kiffenden Hippies. Und es stimmt, man kann leicht dorthin gelangen (auch ohne Silikonimplantat). Man braucht nur mit dem Schiff von Mallorca nach Alicante zu segeln, dann fährt man einfach durch sie hindurch.

Auf einem Segelschiff lässt es sich hier hoch leben. Bei Espalmador wir liegen wir an einer (gratis!) Mooringboje. Die Bucht ist umschlossen von drei Seiten, das Wasser so platt wie am Erlaufsee, ein Haucherl von Wind weht angenehm frisch – dazu noch amüsante Unterhaltung vom Kommen und Gehen der Yachten – lustig anzusehen, wie Charterboote sich um die Bojen tummeln. Manche köpfeln von den Booten, gleich nachdem sie eine Leine durch die Mooringboje gezogen haben. Bei anderen Boatpeople beginnt das Boot wild zu schaukeln, nachdem sie angelegt haben. Manche sehen so aus, als seien sie schon Jahre hier – verschollen in den Pityusen, abgeschieden, nahe an den Ballermann-Metropolen des Mittelmeeres.

Seit einer Stunde sitzen wir im Cockpit und haben grade unsere Petroleumlampe angezündet. Seit einigen Tagen schon ist ihr Glasgehäuse derart verrußt, dass sie kaum noch Licht abgibt. Das macht aber nichts – der Vollmond blendet fast, in dem Licht könnte man ein Buch lesen.
Auf der einen Seite ist die Bucht von einem Postkartenstrand abgegrenzt (fischen verboten, deswegen wieder äußerst zutrauliche Fische und Möwen), auf den anderen zwei Seiten verlaufen Rifffelsen bis knapp über die Wasseroberfläche, nur ein kleiner Spalt ist Richtung See hin offen. Nachts möchte man hier nicht anlegen. Weiter vorne, wo die Insel sich um die Ecke biegt, laufen die Seen aufeinander auf, verkrallen sich die Wellenkämme ineinander, schlagen sich gegenseitig tot oder begraben eine unter der anderen mit einem „schlupp“ – ist nett anzusehen. Die Möwen kümmert es nicht – sie leben von Mahlzeit zu Mahlzeit. Gerade laufen sie eifrig an der Gischt entlang, noch nicht jede hat was im Schnabel. Aber alle sind aufgeregt. Kein Wunder – fast zwanzig Zentimeter hoch springen die Fische hier immer wieder aus dem Wasser. Am Strand laufen nackte Menschen auf und ab. Manche lassen sich sonnen, andere schrauben an ihren Dinghis herum oder feiern sich selbst mit erhobenen Händen und Affengeschrei (Ibiza ist ja nicht weit weg). Es gibt auch rosa Sand!! Da kann man sich ablenken und die Augen entspannen.

Gerade fährt ein kleines Motorboot vorbei und gesellt sich mit einem „Ooollllaaaa“ an ein anders kleines Motorboot – Festtagesstimmung in kleinster Atmosphäre. Außerhalb der Bucht, dort wo die Insel eine weitere großräumige Einbuchtung hat, liegen Schiffe, halb Privatyacht, halb Kreuzfahrtschiff. Einige sind dermaßen beleuchtet, dass es aussieht, als bräuchten die schon allein dafür ein Atomkraftwerk.
Enorm ist der Schiffsverkehr zwischen Formentera und Ibiza. Fähren, Kriegsmarineschiffe, 5-Master, kleinere Aquatour-Bummelschiffe, normale Motorboote, Segelboote, uralte Segelschiffe im Stil von Piratenschiffen wechseln sich ab und durchqueren abwechselnd oder alle zugleich die engen Durchfahren durch die Untiefen. Oben drein fliegt im Zwei-Minuten-Takt ein Passagierflugzeug in Richtung Urlaubsspaß oder Arbeitswelt. Man glaubt, in einer Metropole wie Paris oder Berlin angekommen zu sein. Dabei sieht man hier kaum ein Haus. Nur mehr Leuchttürme und die Leuchtturmwärterhäuser……

Links von uns will grad ein Motorboot die Boje aufnehmen. Sieht in der Nacht viel spannender aus, als am Tag. Als der Fahrer dann zehn Minuten später auf seinem Steuerstand den Motor abstellt, fallen mehr leere Bierflaschen zu Boden als Zylinder in diesem Motor sind. Vielleicht hat er nur vergessen, das Altglas zu entsorgen. Hu noos?

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