Beiträge mit dem Schlagwort: Segeln

Spaziergang im Toskana-Meer

 

Kann man auch mit einem Segelboot spazieren gehen? Kennt ihr das Gefühl, das beim Spazierengehen entsteht? Dieser leere Kopf? Der angenehme Blutdruck? Warum nicht mal den Kopf leeren und baumeln? Am Mast, nicht am Baum, nur am Mast … der Mast meint es besser mit uns, weil er viel gerader ist als ein Baum.

Ein kleiner Streifzug durch den Westen der Toskana, inklusive einer Totalumrundung der „Secce di Vada“, eine Untiefe, nicht weit der Küste entfernt. Da bedecken nur noch zwei Meter Wasser die Steine. Und nach dieser anstrengenden Eroberung baumeln wir wieder zurück – im immer gleichen Modus: Baumeln. Den Kopf noch leerer machen.

 

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Der Duft der Insel

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Wenn der Mann aus dem Meer die Insel betritt – dann passierts. Was passiert? Er nimmt die Insel in Besitz, oder wie? – Manno, als Spanier wäre das geläufige Realität. Als Österreicher gibts Probleme. Es gibt kein Meer in Österreich. Verdammt!
Zum Glück gibts in Italien ein Meer, so groß, dass sogar Inseln dort Platz finden. Wie ein Garten Eden dieses Meer, wie für uns gemacht. Zum Beispiel, um Anlandungen zu üben,  ohne Waffengewalt, so ganz auf Pazi, ohne große Gefühle des Inbesitznehmens aufkommen zu lassen. Und das ist auch gut so.

Was noch? Der Mann aus dem Meer geht mit seinen abgetretenen Schlapfen am groben Sand spazieren, freut sich über angenehme 20 Grad im März, über die Windstille heute, und darüber, dass morgen 5 bft aus Südost angesagt sind. Ahh, das trifft sich gut, denn morgen segeln wir ab ans Festland. Und: es waren es dann 6 bft. Aber beim Vorwindsegeln ist ja die „Wahnsinnige Geschwindigkeit“ eine Größe: Kraft des Windes minus Abzug der Angst vor der Wellenhöhe, addiert mit Pipi-Gefühl und geteilt durch die Menge aller an Bord verteilten Tabletten gegen Seekrankheit. Die Formel wird am Seesportseminar gelehrt. Und das hier ist einfach nur ein billiges Plagiat.

Kommen dann noch Tanker dazu (siehe Foto) von links und rechts, schnell wie Springmäuse, dann wirds spannend und die Crew erlebt bis dahin nicht gekannte Levels des gegenseitigen Nervösseins. All das macht das schöne Wetter in Portoferraio wett. So viel Glück hat man selten.

(Photos by N. H.)

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Salzverkrustet – Der Reisebericht der Jahres!

Endlich im Handel erhältlich!! Unser Reisebericht in Buchform, gebunden, mit 61 Fotos, sieht schön aus – und liest sich fein. Und wenn man es selbst nicht lesen will, hat man ja immer noch Onkeln und Tanten, Nichten und Neffen, die bald beschenkt werden wollen!! Das ist DER Reisebericht des Jahres. Das ist sicher!! Wir freuen uns auch über eine Bewertung!!

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Vom Unterschied zwischen Wasser und Land

On Saturday, November 29, Team Vestas Wind«s boat grounded on the Cargados Carajos Shoals, Mauritius, in the Indian Ocean. Fortunately, no one has been injured.

On Saturday, November 29, Team Vestas Wind«s boat grounded on the Cargados Carajos Shoals, Mauritius, in the Indian Ocean. Fortunately, no one has been injured.

Auf diesem Bild stimmt etwas nicht. Oder bin ich auf einem Auge blind? Oder hat ein Computer ein Bild falsch generiert? Liegt da eine Yacht im Niemandsland? Ja. Hier liegt eine Yacht im Niemands“land“, mindestens eine Million schwer und schön aussehen tut sie auch noch. Sie steckt im Sand, ihr Mast ist noch gut, die Segel vielleicht auch noch, vielleicht ist da jede Menge noch gut – außer dem Kartenplotter. Also den würd ich nicht mitgehen lassen, wenn ich da jetzt ein Räuber wär. Es ist wirklich ein Land, in dem diese Yacht liegt, das Niemandsland, ohne Straßennamen oder beschilderten Mistkübeln.

Gut. Man kann nicht sagen, eine Yacht brauche ihr Land nicht. Denn wenn sie repariert werden möchte, dann liegt sie gerne auf Böcken auf Asphaltplätzen ohne Beschattung. Oder auf Wiesen zwischen Maulwurfshügeln und Vogelnestern.

So ein schönes Schiff, so eine schöne Erfindung, ein technisches Wunderwerk, ein Kulturgut – meiner Meinung nach. Aber was zählt das schon. Dieses ausgeschiedene Stück Kultur liegt ziemlich weit weg von dem Ort, wo es produziert wurde. Ja, das ist doch üblich bei einem Segelschiff. Stimmt, der Leser hat immer Recht. Aber trotzdem hat das nicht nur Vorteile. Ähnliches kulturell hochgezüchtetes Material gibt’s dort nämlich nicht, deswegen ist ja die Bergung, ähm, Reparierung, ähm Totalrestaurierung, ähm die Mitnachhausenahme so einfach. Es gibt dort weder Schweißbrenner, noch Akkuschrauber, weder Bolzenschneider noch Brotmesser.

Aber vielleicht ist die Bergung schon geschehen, mit einem Kran von der Insel dort, einem Kranfahrer, der ausnahmsweise mal nicht voll mit Gras ist und einem LKW, der mit Biotreibstoff alles schonend in eine Müllverbrennungsanlage bringt, die dann den ganzen feuchten Schrott zu elektrischer Energie verarbeitet. Kein Biostrom – leider, ist dann Yacht-Strom.

Nichts von dem, was auf der Yacht verfügbar ist, gibt’s sonst noch wo. Gar nichts. Weder das Süßwasser im Süßwassertank, Glas- und Kohlefasern? – Fehlanzeige. Stahl? – vielleicht tausend Meter unter dem Meer. Aluminium? Ach ja, der Kochtopf dieses Renndampfers ist sicher aus Aluminium. Die Kochgelegenheit muss schön leicht sein, damit das Schiff schnell fahren kann. Dieses Teil ist nämlich eine Rennyacht, die mit 18 Knoten – das sind 33,336 km/h – auf einen Steinklotz aufgelaufen ist, der 30 Kilometer lang ist. Der größte Teil dieses Steines liegt auf eine perfide Art leicht unter dem Wasser, wo man ihn wirklich nicht sehen kann. Man kann ihn vielleicht erahnen, wenn man auf den Zettel guckt, auf dem groß „Seekarte“ steht. So alle paar Stunden sollte man das machen. Bestenfalls einmal am Tag. Also das ist jetzt nur eine Empfehlung.

Der liebe Onkel hier sagt euch mal was: Ein Rennen ist immer gefährlich. Die Gefahr viel zu groß, dass man nur ans Gewinnen denkt und dann – ohne dass man es merkt – alles andere außer acht lässt. Ich meine wirklich „alles“ außer Acht lassen, denn außer diesem ehemaligen Vulkan gibt es dort wirklich nichts. Also: ziehen wir mal alles ab, was an dieser Stelle – an diesem Foto – so unwichtig ist, dann haben die Alkoholiker auf diesem Schiff wirklich ALLES außer Acht gelassen. Im Prinzip sogar sich selber. Einen dreißig mal zehn mal drei Kilometer großen Stein.

In segler-geschwängerten Foren des Netzes ist eine Debatte darüber entbrannt, ob man zu diesem Fall sagen darf, dass die, die diesen Unfall verursacht haben, absolut kirre sind. Bobby Schenk tat sich als Moralapostel hervor – und wurde wüst beschimpft. Ich würde sagen: Nein. Diese Menschen sind nich kirre, sie sind absolut seriös. Diese Typen haben so gar keine Scheu von solchen Kleinigkeiten, denn sie sind kurz darauf weiter gefahren. Haben das Schiff gewechselt. Rennfahrer ist eben Rennfahrer.

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Valentinstag – ein Tag, um sich in eine Yacht zu verlieben

Der Valentinstag kann ohne Blumen und Pralinen gefeiert werden. So wie der Zeit-Artikel vom 12. Februar schreibt, ist das Verleben des Valentinstages auch auf einer Insel möglich. Auf einer Insel in der Müritz oder auf der kroatischen Insel Galesnjak, beides Inseln in Herzform. Anscheindend wollten schon viele diese Inseln kaufen – um was zu tun? Sich liegend hinter Grasbüschel zu verstecken? Um endlich mal dieses verammte Wasserklosett loszuwerden? Oder vielleicht, um sich einfach nur an der Herzform der Insel zu erfreuen? Niemand wird es je erfahren.
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Man könnte sich aber auch daran erfreuen, eine Yacht zu renovieren. Gerade der 14. Februar ist dafür ganz sicher ein gutes Datum. Man könnte bei der Kälte mal den Innenausbau lackieren. Je kälter desto besser – denn dann trocknet der Lack langsamer – is für ein tolles Finish ja – was soll ich sagen – DIE Bedingung!
Man könnte aber auch den Sessel (auf dem Bild zu erkennen) hernehmen und sich damit mit Schleifmaschine und Staubsauger dafür opfern, den Gelcoat aufzurauen. Wenn er nicht schon rau genug ist.
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Ein Hang zum Extrem besteht bei uns Bootbauern ja in jedem Fall. Alleine der Wunsch, auf dem Wasser zu wohnen mutet doch extrem an. Wie viele normale Menschen haben so einen Traum? Ich meine hier „Traum“ im Sinne von „Wunsch“, nicht „Traum“ im Sinne von „Traum“. Denn träumen kann man ja eine ganze Menge. Während der REM-Phase ist ein Jahr auf dem Meer ja nichts Besonderes.

Nochmal zum Traum: Da beginnt man mit einer kleinen romantischen Idee. Verlockend, ahhh, sexy, (Yachten machen doch sexy, oder?), wie schön! Dabei weiß man aber nicht automatisch, dass einem dieser Traum nicht mehr so schnell loslassen wird. Nicht bevor dieses Ding vor der eigenen Nase im Wasser schwimmt, auf einen wartet und sagt: „Kapitain, der Latin Lover ist fertig serviert! Er wartet auf sie an der Dinette, gleich neben dem Logbuch und den Seekarten. Bitte nehmen sie ihn ein. Wenn sie wollen noch mit zwei Brocken Eis!“

Aber natürlich. Man könnte mit all der Träumerei schon aufhören. Jeden Traum kann man verwerfen, jedes Projekt zu Matsch zertrampeln. Man kriecht entweder aus dem Bett und vergisst, was gerade im Hirnareal abgelaufen war oder man verlässt die Baustelle, hängt den Blaumann an den Nagel, lässt das Ding vermodern, genauso wie den Wunsch, den man mal hatte. Den Traum von gestern hat man ja ohnehin vergessen, wenn man die Kaffeemaschine einschaltet.
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Man könnte auch warten, bis Bäume im Rumpf wachsen (Manche nennen das einen „Mast züchten“). Dann könnte man ein Maibaumsteigen organisieren. Vom Salon gehts über die Luke raus auf den Baum, höher, immer höher, bis zur Wurst. Die wird – einem österreichischen Brauch gemäß – abgeschnitten und als Trophäe mit nach unten genommen. So wie die Indianer oder Polynesier einer schlafenden Frau eine Locke vom Haar stehlen und sie ihren Freunden als Trophäe vorlegen. Diese Locke wird dann in einem Joint geraucht, quasi inhaliert, um den Geist dieser Frau auf das qualmene Selbst zu übertragen. Das ist ähnlich wie mit der Wurst, die wird auch gegessen. Der Geist der Sau wird quasi dann in das Selbst mit-übertragen. Ein Vorgang, den der gemeine Mitteleuropäer ja ziemlich oft wiederholt. Die Frage ist, inwiefern das Schwein vom Selbst nach außen dringt – oder – um es weniger plakativ zu formulieren – inwiefern sich das Schwein-Selbst ins Mensch-Selbst einpflanzt (oder dekonstruktivistisch gesprochen „aufpfropft“). Man könnte ja manchmal glauben, das Schwein-Selbst übernimmt sogar die Führung des Mensch-Selbst. Dann werden die Menschen selbst zum Schwein, schweinisch – sie zanken sich um Theaterkarten zum Beispiel oder an der Kassa beim Billa. Im Bett wird sich bei denen nichts regen. Deswegen müssen sie ihr Schwein-Sein anders ausleben. Das ist schade. Aber trotz allem ist das nichts anderes als einfachste Psychologie. Hat der Mensch, was er begehrt, wird er zum Lämmchen. Hat er es nicht – zum Schweinchen. Zwei Positionen. Eine Debatte auf höchstem Niveau tut sich hier auf. Wissenschaftler könnten sie verfolgen, diese Debatte. Sie könnte Analysen anstellen, Vergleiche, oder Beobachtungen. Auf jeden Fall nicht den Maßstab vergessen! Und nicht auf den folgenden Satz: Nimm dich in Acht vor den Ideen deines Gehirnes!
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Cecina Nummer 1

Cecina – Landhaus im Rosa-Sauber-Stil – direkt im Wald vor Cecina gelegen. Im dichten Gebüsch fast nicht auszumachen. Ein Weg führt dahin, scheint aber eine Sackgasse zu sein. Das Licht fällt fast waagrecht in den Wald. Bei Sonnenuntergang – wie ein Waldbrand, 5 MInuten davor. Wow, hier müsste Lars von Trier mal einen neuen Waldfilm drehen. Er könnte sich die Scheinwerfer sparen. Dringend benötigte Gasflasche besorgt. Oui Capitan. Hinter drei Hausecken und zwischen 2 scharfen Hunden mitten in Cecina gelegen. Das war nicht leicht herauszufinden – obwohl viele Menschen in der Stadt wahrhaftig dran mitgearbeitet haben – Tankwart, Fleischhacker, Verkäufer in der Eisenhandlung (2 Mal),  Einkaufszentrum – Mann mit breitem Grinsen, Verkäufer aus dem Modegeschäft – bei all der Fragerei gleich Bekanntschaften geschlossen. Gracie. Nun können wieder die Menüs aus der schiffseigenen Kombüse geliefert werden – mit Volldampf. Wann ist Ostern?

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Nochmals zurück zum Golf von Lyon, aber anders

18. Juli 2014. Es ist 1:13 Uhr, stockdunkle Nacht. Kurs 65. Es geht Richtung Coté ´d Azur quer zum Golf von Lyon. Wir hatten die Überfahrt gewagt, queren gleich den ganzen Golf. Das Wetter war gut angesagt gewesen, mindestens drei Tage sollten angenehmste Segelbedingungen herrschen. Nun aber ist Wind aus Nordwest aufgekommen, nicht viel aber immerhin mehr als in der Vorhersage. Wir sitzen zu zweit im Cockpit, trinken Grüntee und essen Kekse von vorgestern. Die Dinger sind irgendwie feucht. Aber was solls. Chips hängen jedem schon zum Hals raus. Etwas Süßes zu früher Stunde? Ja bitte gerne.

Jedenfalls gefällt uns der aufkommende Wind gar nicht. Wir checken nochmals die Grip-Files und schauen, ob wir vielleicht etwas übersehen haben, irgendwelche kleinen Huster von unserem so gefürchteten Windchen mit dem wohlklingendem Namen „Mistral“. Nein. Max vermeldet, es dürfte nicht mal ein Hauch von einem Windchen zu spüren sein. Nicht in der Nacht. Na gut, dann wird sich das gleich legen. Vermutlich nur ein kleines Druckspielchen zwischen den Luftdrückchen dieser Gegend. Plötzlich füllt sich das Segel. Wir werden eine Spur nach Steuerbord versetzt. Verdammt, was ist das? Die Windvane gleicht den Kurs gleich wieder aus. Wir fahren jetzt 2 Knoten schneller. Ilva legt sich auf die Seite und beginnt, leicht in den anrauschenden Wellen zu stampfen. Max fällt der Keks aus der Hand. Er ist zum ersten Mal mit einem Segelboot unterwegs. Ist eigentlich mehr ein Freund von rollenden Maschinen (genannt Autos), die auf der Straße so gar nicht von den Elementen abhängig sind. Segeln in der Nacht ohne was zu sehen ist so gar nicht sein Ding.
Plötzlich vermeldet das AIS einen Alarm. Nun gut, ein Tanker kreuzt unseren Kurs. Die kommen von Marseille und fahren Richtung Barcelona oder sonst wo hin. Ich hechte zur Windvane und versetze unseren Kurs etwas mehr Richtung 70. Das wird sich ausgehen, der Wind wird sich ja auch gleich wieder legen, versichere ich Max. Die Grip-Files zur Wettervorhersage haben bis jetzt immer gestimmt.
Plötzlich trifft uns die nächste Böe. Es ist keine Böe, es ist Wind, stetig, kräftig. Er ist kühl und trocken, so wie der Mistral. „Habe ich gerade Mistral gesagt?“ Verdammt, nochmal mehr? Sollen wir gleich reffen oder hört das Spiel gleich hinter den nächsten 25 Wellen wieder auf? „Wir gehen kein Risiko ein“, rufe ich zu Max. Wir reffen die Segel. Groß ins 2. Reff, auch die Genua rollen wir leicht ein. Mit dem 1-Leinen Reff-System ist das keine Schwierigkeit. Wir schießen in den Wind, verkleinern die Segel, fallen wieder ab.
Hier ist etwas im Gange. Ilva stampft wie wild auf den Wellen, die mittlerweile – Respekt und Dunkelheit abgerechnet – schon sicher 2 Meter hoch sind. Ich tue so, als sei das alles normal und gebe mich abgebrüht. „Das ist nur ein kleiner Druckunterschied hier mitten im Golf. Das müsste sich normalerweise gleich legen“, sage ich, ohne nun aber bald selbst nicht mehr dran zu glauben. Max schaut mich finster an. Vielleicht denkt er, ich verarsche ihn? Mittlerweile ist Herbert, das dritte Crewmitglied erwacht. Er hängt zwischen den Handläufen im Salon und fragt, ob er nun ein paar Stunden oder ein paar Tage geschlafen haben. „Ist alles ok“, vermelde ich. Das kleine Windchen dürfte eine kleiner Ausrutscher des Wettergottes gewesen sein. Der Wetterbericht verspricht eigentlich Totalflaute zwischen 22 und 6 Uhr früh. „Das wird sich gleich legen“, sage ich. „Aber wenn wir schon dabei sind, legen wir doch gleich die Rettungswesten an“, ergänze ich, „wer weiß, was noch kommt“. Und es kommt. Der Wind nimmt stetig zu, nun schon mindestens Windstärke 4. Die Wellen rauschen vom Norden heran und schieben sich unter unseren Hintern durch. Nun sind schon Schaumkronen zu sehen. Die Wellen überschlagen sich langsam immer öfter. Sie zischen laut.
Max wird langsam aber sicher unwohl. So habe er sich das nicht vorgestellt. Ja, ich weiß. Ist alles kein Problem. „Das Wasser kann Ilva nichts anhaben“, versichere ich ihm, weder bei Tag noch bei Nacht, weder bei Sturm, noch bei Flaute. Niemals! Nun gut, wir knallen nun auf Halbwindkurs fast schon mit 7 Knoten in Richtung Isle de Hyeres, Porquerolle oder die Nachbarinsel. „Bei dem Wind sind wir jedenfalls schneller da als erwartet“, sage ich. Ein bisschen Spaß, ein bisschen Optimismus bei allen Wetter-Unstimmigkeiten tut immer gut. Langsam aber sicher ist bei jeder Welle eine weiße Schaumkrone zu sehen. Der Mistral (der immer noch keiner ist, zumindest in meinem Kopf – denn das möchte ich jetzt nicht wahrhaben, um 2 in der Früh) bläst stetig und kräftig. Er nimmt auch in Böen nicht ab. Na das wird ja eine lange Nacht. Ich hole noch mehr Grüntee. Herbert gesellt sich auch ins Cockpit. Im Seglergewand und Stirnlampe versuchte er, sein Buch fertig zu lesen. Die erotischen Schriften von Georges Bataille. Na gut, da wird ihm sicherlich warm ums Herz, denke ich.
Ein lauter Knall. Verdammt, was war das? Ein Ruck geht durch Ilva mit samt ihren an Bord befindlichen Menschen, gefolgt von einem lauten Kratzen unter uns. Ein paar Sekunden lang dauert das. Eine gefühlte Ewigkeit. Eiskalt läuft es mir den Rücken runter. Wir hechten zur Reling, neigen unsere Köpfe Richtung Wasser, versuchen irgendwas im schwarzen Nichts zu erkennen. Was geht da vor sich? „Nichts zu sehen“, vermelden wir uns gegenseitig. Wir blicken uns an, so wie wir uns noch nie zuvor angeblickt hatten.
Eine weitere Böe trifft uns. Noch mehr Schräglage. Dazu kommen jetzt die Wellen wie kleine Panzer aus Richtung Nord und ergänzen sich mit dem Wind zu einer Front, die nur noch gegen uns zu kämpfen scheint. Wir können doch gar nichts dafür, denke ich. Wir sind doch nur unschuldige Bergmenschen mit dem Hang zur Extravaganz, nur ein bisschen Spaß, mehr ist es doch gar nicht. Auch Herbert holt sich seine Seglerjacke. Er verschwindet im Niedergang. „Hat jemand von euch ein Fenster offen gelassen?“, fragt er. Wir verneinen und fragen warum. „Da schwappt Wasser im Boot.“ Was? Wie? Wasser im Boot? Ich gehe nach unten. Tatsächlich. Ein kleines Rinnsal veteilt sich, je nach Lage im Salon. Es schwappt je nach Lage herum. Eine leere Kekspackung schwimmt oben auf. Es ist nicht zu sehen, woher das Wasser kommt. Wie lange brauchen wir noch bis Marseille? Ich krame die Karten hervor, trage unsere jetzige Position ein und messe. Immer noch 35 Seemeilen. Das sind mindestens 6 Stunden. Bis dahin wird es jedenfalls schon hell sein. Ich spüre, wie das Wasser langsam aber sicher höher steigt. Nun geht es mir schon bis zu den Knöcheln. Ich reiße ein Schapp nach dem anderen auf, hole mir den Taschenlampe und schaue, wo dieses verdammte Wasser herkommt. Es ist jedenfalls Salzwasser; also kommt es von draußen. Die Sache mit dem einlaufenden Wasser hatten wir schon mal vor mehr als einem Jahr. Damals war es aber nur das Wasser vom bootseigenen Tank. Nun garantiert nicht. Es ist salzig und bitter im Abgang. Ich kann nichts entdecken, kein Loch, keinen Riss. Aber alle Verkleidungen kann ich auf die Schnelle nicht entfernen. Und schon gar nicht bei dem Geschaukel.
Hatten wir tatsächlich etwas gerammt? Ungläubig und nicht mehr ganz so guter Dinge schaue ich nochmal auf die Seekarte. Welcher Weg ist der Kürzeste zur Küste? Nach Norden sind es nur etwas über 20 Seemeilen. Das wäre aber fast gegen den Wind. Das bedeutet stampfen und ein böses Auf und Ab über Stunden. Wir besprechen kurz die Lage. Ich gebe mich immer noch ruhig, sofern das noch glaubwürdig rüberkommt. Wir beschließen, nach Norden zu gehen, an die Küste, in den Hafen oder in der Nähe von Land, jeder hier an Bord möchte Land sehen, Land spüren, Handstände, Purzelbäume oder was weiß ich machen. Es geht jetzt nicht mehr um Urlaub, es geht ums Überleben. Nur irgendwie ans Land kommen.
„Wir brauchen keine Angst haben. Die Pumpen sind stark genug, um das bisschen Wasser abzupumpen. Das ist kein Problem“, höre ich mich sagen. Der Wind hat es sich nicht anders überlegt. Er ist gekommen um zu bleiben. Er hat nochmals zugegelegt. Windstärke 6, nach meiner Schätzung, ein klassischer Mistral aus Nordwest, der üblicherweise noch zunimmt auf 8 Beaufort.
Wir rollen die Genua ein, entkoppeln die Windvane und schießen in den Wind. Ilva stampft in den anrollenden Brechern. Manche von ihnen schlagen schon aufs Deck. Ich gehe zum Steuerstand, starte die Maschine. Sie kommt nicht. Nochmals. Vorglühen, ganz langsam bis sieben zählen, dann den Schlüssel rum. Der Starter kullert, aber die Maschine kommt nicht. Ich habe schon lange beschlossen, nicht mehr zu fluchen. Genau jetzt wäre das Gift für unsere Sandmühlen. Ich versuche es nochmal. Ich denke an einen Schwarzen Verlängerten mit Cremeschnitte bei der Aida im 9. Bezirk. Sonnenschein, verspiegelte Wände, die Kellnerinnen in ihrem Rosa-Dress. Das beruhigte mich immer. Ich denke an die Vitrine mit den Köstlichkeiten, Kardinal-Schnitte, Majonaise-Ei. Sieben. Nochmals starten. Der Starter arbeitet. Nichts passiert. Ilva stampft. Wir sitzen im Cockpit wie auf einem wild gewordenen Stier und schauen uns an. „Nun Leute wird es langsam ernst. Wir reißen uns jetzt zusammen und bringen das Boot zur Küste. Wenn nicht mit der Maschine, dann unter Segel. Wer will noch Tee?“ Niemand wollte Tee.
Auf einmal höre ich eine Ente quaken. Quak, Quak, Quak, Stilles brummen. Ich öffne die Augen. Ich reiße die Tür ins Cockpit auf. Max und Herbert liegen auf den Cockpit-Bänken. Beide heben die Köpfe. Ich sehe nichts als Zähne. Nichts von Wind, Unruhe, Nervösität oder gar Wellen zu sehen, hören oder spüren. Ich habe geträumt, jetzt ist es fix. Niemand bewegt sich schneller als üblicherweise auf einer Segelyacht. Worte werden gewechselt, der Himmel bestaunt. Eine schöne Szenerie. Die Maschine brummelt ruhig vor sich hin, der Autopilot bemüht sich. Fast kann ich es nicht glauben. Ich beruhige mich. Meine Schicht beginnt. „Wir kommen bald in die Nähe von Marseille“, vermeldet Max. „Ach ja, danke, ich komme gleich. Nur noch 5 Minuten.“ Ich knalle meinen Kopf in den Polster, schalte das Gequake des Handys ab. Ich muss mich noch kurz erholen von diesem Traum.

 

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Fotos rund um Barcelona

Ab 13. Juli 2014 wird Ilva vom Käptn und seinen Freunden nach Livorno (IT) überstellt. 400 Seemeilen warten darauf, bezwungen zu werden. Die Vorbereitungen laufen schon auf Hochtouren! Auf Bald!!BildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBildBild

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„How was your trip?“

„How was your trip?“, fragte uns eine alte Amerikanerin, als wir in der Bar hoch oberhalb der Marina von Denia im Internet surften. Tja, das war schon eine Fahrt, da rund um den Felsen von Calpe, die erinnernswert bleibt, so haben wir erzählt. Einmal haben wir ja bereits die Metapher von der Glückssau (Straße von Messina) bemüht, um unsere Rückschau mit den richtigen Emotionen zu unterfüttern. Diesmal hat sie wohl geschlafen und nur mit einem halben Auge dafür gesorgt, dass nix gar Schlimmes passiert ist. Ja, auch bei den Glücksschweinen ist man um Effizienz und Ökonomie bemüht, wen wunderts. Aber der Reihe nach….

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Wir wollen also raus von Calpe, der Hafen, in dem wir schon andere anschrien, wies ihnen denn wohl so geht, bei ihren Ausfahr-Manövern hat es auch für uns bei der Abreise in sich. Es kommt Wind auf, wie schon so oft drehen wir uns mit Hilfe von Leinen (diesmal waren es die Moorings) in eine halbwegs sichere Ausgangsposition, um unseren Parkplatz zu verlassen, aber wies halt auch so ist, die Moorings, die uns Richtung Ausfahrt wenden soll, gibt solange nach, dass wir es schließlich zuwege brachten, uns um 180 Grad umzudrehen. Not much to the captains satifsfaction. Unsere Spitze ragt nun genau Richtung teurer Superyacht und da wollen wir uns auf keine Experimente einlassen.

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Wir brauchen eine geschlagene Stunde, um aus dem kleinen Windloch dort rauszukommen. Mit Mut und Tempo. Jedoch wird auch draußen nichts besser, meterhoch stehen die Wellen, ja das wussten wir ja eh schon von unserer Ankunft, dass sich das Meer hier grauslich zusammenquetscht. Ist ja auch fast eine kreisrunde Naturbucht, wo es bei viel Wind hin- und herschwappt, ohne dass etwas zur Ruhe kommen kann.
Aber auch vorne um den Felsen rum wirds kein bisserl leichter. Kein Wind, aber meterhohe Wellen von der Seite und hier geht erstmals Interieur zu Bruch. Ein Kastltürl springt auf, Teller rasseln (nein leider nicht zu Boden, sondern) schräg vis-a-vis in den dort unterm Tisch befestigten Radiator rein und zerspringen in tausend Scherben. Kindbert heult gerade in der  hinteren Kabine und will Schlechtheits-Gesellschaft, Papabert hängt schon ziemlich schräg am Steuerrad und Ilva stampft meterhoch durchs „Meeresgemüse“. Gottlob war dies einer von den kalten Tagen und Mamabert hatte ihre SeglerInnen-Rüstung angelegt, die auch gut dazu dient, dem hoch dynamischen Scherbenhaufen unter Deck mit Bartwisch und Schaufel gemächlich den Garaus zu machen. Jedesmal wenn was vorbeirutscht wurde es eingefangen und nach der nächsten Welle unwiderbringlich abschiedsgrußlos und im Mistkübel-Grab versenkt. Wir sind erschrocken, aber aufgeräumt und hellwach. Nach 8 Monaten ist etwas kaputt gegangen! Verloren haben wir ja schon einiges, aber ruiniert??? Der Törn hat es in sich, die Wellen lassen auch nach dem Kap nicht nach, sind aber dann regelmäßiger und da sich unser Kurs ändert, kommen sie schräg von hinten und tun nicht mehr so weh. In der langgezogenen offenen Bucht von Denia schaffen wir es, das Riff nicht zu treffen, gesehen haben wir es allerdings erst 2 Tage später beim Strandspaziergang. Wo und wie sind wir da durchgefahren???

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In Denia erfahren wir dann, dass dies die höchsten Wellen des Winters waren. 10 Meter und mehr am Atlantik. Vielleicht haben die uns ja übers Riff gehoben — dann danke Glückssau, auf jeden Fall. Nach ein paar ereignisreichen Tagen in Denia geht es weiter Richtung Gandia. Einem kleinen aber äußerst niedlichen Dorf an der Küste. Mamabert sind kurze Etmale äußerst willkommen, sie musste sich einer kleinen ambulanten OP unterziehen und ist in ihrer Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt. Doch Papabert und Kindbert haben rasch ihre Krankenschwesternuniformen ausgepackt und so perfekt umsorgt lässt sich ja alles aushalten. Auch Kindbert genießt es, wenn nicht 7 sondern nur 3 Filme am Stück angesehen werden müssen — seine beliebteste Schlecht-Weh-Therapie auf Fahrt.

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Nach dem Klo tropfen nunmehr auch die Armaturen unbestreitbar (bis dato waren es einige Tropfen gewesen, aber jetzt ist es ein Rinnsal) Ist das zu glauben? Ilva, du Gute, was willst, nochmals Liebe zum Abschluss, gell?

Bis Valencia gibts nun fast nur mehr Motorfahrten, aber wenigstens ruhige See. Die Marina-Valencia ist riesig, genauso wie die Boote, die in ihr Platz finden. Zur Dusche brauchts da echt ein Taxi, das sind sicher zwei Kilometer. Endlich wieder einmal Stadtluft schnuppern. Tut uns gut. Abends in der Kabine liegend stört einzig und allein das lästige Schlagen des Großfalls der Nachbaryacht die Stadtidylle. Papabert steigt beherzt in Unterhos aus dem Boot und rüber aufs andere, weil das wird noch zum Schweigen gebracht. Letztlich gilt der Schlaf der Crew mehr als das ungeschriebene Gesetz: Steig nicht aufs andere Boot, schon gar nicht nur in Unterhosen. Wenn das jemand sieht, muss der sich sehr wundern, denkt Mamabert. Das Schlagen hört auf, Mamabert und Kindbert wollen schon zum Jubel ansetzten, da hechtet Papabert rein in die Kabine und gebietet absolutes Schweigen: „der hot mi gseng“. Ein Kopf taucht aus dem Nachbarboot auf, sieht sich um, ziemlich lange. Kindbert kriegt einen Kudderanfall reinster Sorte, auch Mamabert findets total lustig, nicht so Papabert, weil er doch glaubt, dass der Nachbar-Skipper gesehen hat, wer da auf seinem Boot in welcher Montur rumgeturnt ist – um den Lärm auf SEINEM Boot abzustellen. Am nächsten Tag bleibt Papabert daher lieber unter Deck. Während Mamabert an Bord liegend genest, erforschen Papabert und Kindbert die toll angelegten Parks und die Museen von Valencia. Gegrüßt hat Papabert den netten Bootsnachbarn am nächsten Tag mindestens zwei Mal. Immer freundlich: „¡Hola!“

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Guadix – Vom Fortbestand der Höhlenmenschen

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Noch immer sie sind unter uns, die Höhlenmenschen. Blödsinn? Nein gar nicht. Die halten sich hartnäckig zwischen unseren Reihen. Sie geben ihre Gene dominant vererbt weiter an ihre Nachkommen und wie wahrscheinlich schon bekannt, ist das je nach sozial relevanter Umgebung gut oder schlecht.

BildViele von ihnen leben seit Urzeiten in Guadix, einer Stadt im andalusischen Hinterland. Dort kann man zwischen ihren Häusern, die mittlerweile mit Garagen und Sat-Schüssel ausgestatten sind, in kleinen Gässchen spazieren gehen. Oder schlicht über sie hinweg – über eine stark hügelige Wiese, deren wüstenbraun von weiß getüchnten Rauchfangschloten durchzogen wird.

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Wir waren dort und weil das Museum zum besseren Verständnis der „Casas de Cuevas“ von Guadix zugesperrt war, hat uns ein „Höhlenmensch“ zu sich hereingebeten. Überhaupt waren alle dortigen Höhlenmenschen sozial sehr hoch entwickelt! In seine Höhle hat er uns zwar gelockt mit einem „gratis!“, aufgefressen wurden wir aber trotz allem nicht. Sondern weiter gebildet. Wir wissen dank ihm, den lebensfrohen Höhlenopa, dass Guadix die nachweislich am längsten bewohnte Siedlung in Andalusien ist. Dass dort der Bischofssitz war während der Zeit der Mauren. Die Leuten haben bei ihren Streifzügen durch die Sierra Nevada immer wieder leicht bearbeitbare Löss- und Lehmschichten zwischen den Gesteinsbrocken entdeckt, die sich gut mit bloßen Händen bearbeiten ließen. Sie haben sich mit Hilfe der Hände und Spaten Schlafkammern (ganz hinten) Wohnzimmer (in der Mitte) und Küchen (ganz vorne) sowie Bäder und Klos gebaut. Einfach reingraben, verputzen, fertig! Die Vorteile wurden den Höhlenmenschen alsbald bewusst: im Sommer 20° und im Winter auch! Ebenfalls im Frühling und Herbst. Und immer leise, innen und außen.

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Apropos draußen: Die fortschrittlichen (oder degenerierten?) Höhlenmenschennachkommen quietschen sich dort ohrenbetäubend mit ihren Automobilen durch die Gegend, dass es eine Freud ist. Jedes Auto, egal ob langsam oder schnell, quietscht extrem. Ein neuzeitliches Statussymbol? Wir konnte das nicht eruieren. Wie man das als AnwohnerIn aushält, haben wir auch nicht herausgefunden – vielleicht sind die allesamt schon akklimatisiert, sprich ohrmuschellos und somit bereits organisch desensibilisiert?? Die Evolution hilft ja angeblich, wo sie nur kann. Wir jedenfalls konnten unsere eigenen Gedanken gar nicht mehr hören. Nur wenige ruhigere Exemplare konnten wir auf einem Eselskarren oder begleitet von Hütehunden unter einer großen Herde von Schafen im ausgetrockneten Flussbett entdecken.

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Aber auch außerhalb von Guadix findet man so manchen Höhlenmensch, der auszog, die Welt zu entdecken ….
Manche benützen den Paseo Maritimo (breit und schön angelegter Pier am Strand) in Almeria als Klo für ihre Höllenhunde (das zweite L stellt keine Tippfehler dar!) ohne sich um die fatalen olfaktorischen Folgen zu kümmern. Von der Ausrutsch- und Verletzungsgefahr ganz zu schweigen. Seit wir hier spazieren, kennt auch Kindbert den Unterschied zwischen Apfel und Wurze. (So beeindruckend wie manche Geschäfte hier uns vor Augen liegen, haben wir großen Respekt vor den Riesenviechern – weil die müssen tatsächlich gigantische Ausmaße haben). Auch ihre menschlichen Nachkommen erhalten diese „Lass-es-überall-laufen-Mentalität“ von klein an.
Am Strand und am Spielplatz wird munter von den Kleinen unter Anweisung ihrer Erwachsenen BegleiterInnen überall hin geludelt. Keiner kümmert sich darum oder lässt sich davon bekümmern. Einfach dreinsteigen scheint die Höhlenmenschenlösung zu sein (vielleicht sind sie ja im Besitz von urzeitlichen Abwehrkräften?) Ja, eh nicht so schlimm, aber im Hallenbad auch?  Da werden die Kindergartenkinder von den Kindergärtnerinnen aktiv dazu angehalten, in die Gemeinschaftsduschen (lokalisiert gut einsehbar am Rand des Beckens) zu urinieren. Puh, das hat Papabert Nerven gekostet – vor Entrüstung hätte er beinahe laut aufgeschrien. Das darf man aber nicht im Hallenbad, genauso wenig wie Ballspielen oder reinspringen. Da kommt er, der Bademeister und maßregelt Papabert. Er hatte keine Badeschlapfen mit …. auch ein Höhlenmensch ist vergesslich, ja, ludelt aber vor seinem Chef nicht in die Dusche.

Wir sind jetzt auch immer öfter in unserer schwimmenden Höhle. Der starke Wind in der Straße von Gibraltar hindert uns an weiteren Törns nach Melilla und Marokko. 30 Knoten Wind und Wellen so hoch wie Häuser – ob Höhle oder nicht – ist nicht unser Geschmack. ……
Wir selbst erscheinen anderen sicherlich auch wie Höhlenmenschen, wenn wir am Steg andere FahrtenyachtlerInnen ansprechen – ganz ungeniert mittlerweile, woher sie kommen und wohin sie ziehen, in Jogginghosen in Begleitung von Kindbert mit seinem schulterlangem, oft unfrisiertem Haar (Haaroptisch stehen ihm seine Eltern nun fast um nichts mehr nach) oder wir selbst fühlen uns so, während wir versuchen, mit unserem immer noch sehr schlechtem Spanisch ein auf die Packung gedrucktes Kochrezept zu verstehen.
Irgendeine(r) von den Höhlenmenschen hat unseren Roller, der schon seit Wochen fertig zum Einsatz an der Entnahmestelle für Strom und Wasser direkt vor unserem Boot am Pier steht einfach mitgenommen. Warum? Naja, weil alles MIR gehört was wo rumsteht, sofern mich nicht ein elektrischer oder sonstiger Schlag trifft, wenn ich es einfach nehme. Oder vielleicht weil er ein „guter“ Höhlenmensch ist, der für mehr Ordnung und Recht sorgen wollte. Wir Höhlenmenschen können uns die Beweggründe dafür nicht vorstellen – aber unsere Keule wird ihn hart treffen, sobald wir ihn mit unserem Roller an uns vorbeirollern sehen!

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