Vom Unterschied zwischen Wasser und Land

On Saturday, November 29, Team Vestas Wind«s boat grounded on the Cargados Carajos Shoals, Mauritius, in the Indian Ocean. Fortunately, no one has been injured.

On Saturday, November 29, Team Vestas Wind«s boat grounded on the Cargados Carajos Shoals, Mauritius, in the Indian Ocean. Fortunately, no one has been injured.

Auf diesem Bild stimmt etwas nicht. Oder bin ich auf einem Auge blind? Oder hat ein Computer ein Bild falsch generiert? Liegt da eine Yacht im Niemandsland? Ja. Hier liegt eine Yacht im Niemands“land“, mindestens eine Million schwer und schön aussehen tut sie auch noch. Sie steckt im Sand, ihr Mast ist noch gut, die Segel vielleicht auch noch, vielleicht ist da jede Menge noch gut – außer dem Kartenplotter. Also den würd ich nicht mitgehen lassen, wenn ich da jetzt ein Räuber wär. Es ist wirklich ein Land, in dem diese Yacht liegt, das Niemandsland, ohne Straßennamen oder beschilderten Mistkübeln.

Gut. Man kann nicht sagen, eine Yacht brauche ihr Land nicht. Denn wenn sie repariert werden möchte, dann liegt sie gerne auf Böcken auf Asphaltplätzen ohne Beschattung. Oder auf Wiesen zwischen Maulwurfshügeln und Vogelnestern.

So ein schönes Schiff, so eine schöne Erfindung, ein technisches Wunderwerk, ein Kulturgut – meiner Meinung nach. Aber was zählt das schon. Dieses ausgeschiedene Stück Kultur liegt ziemlich weit weg von dem Ort, wo es produziert wurde. Ja, das ist doch üblich bei einem Segelschiff. Stimmt, der Leser hat immer Recht. Aber trotzdem hat das nicht nur Vorteile. Ähnliches kulturell hochgezüchtetes Material gibt’s dort nämlich nicht, deswegen ist ja die Bergung, ähm, Reparierung, ähm Totalrestaurierung, ähm die Mitnachhausenahme so einfach. Es gibt dort weder Schweißbrenner, noch Akkuschrauber, weder Bolzenschneider noch Brotmesser.

Aber vielleicht ist die Bergung schon geschehen, mit einem Kran von der Insel dort, einem Kranfahrer, der ausnahmsweise mal nicht voll mit Gras ist und einem LKW, der mit Biotreibstoff alles schonend in eine Müllverbrennungsanlage bringt, die dann den ganzen feuchten Schrott zu elektrischer Energie verarbeitet. Kein Biostrom – leider, ist dann Yacht-Strom.

Nichts von dem, was auf der Yacht verfügbar ist, gibt’s sonst noch wo. Gar nichts. Weder das Süßwasser im Süßwassertank, Glas- und Kohlefasern? – Fehlanzeige. Stahl? – vielleicht tausend Meter unter dem Meer. Aluminium? Ach ja, der Kochtopf dieses Renndampfers ist sicher aus Aluminium. Die Kochgelegenheit muss schön leicht sein, damit das Schiff schnell fahren kann. Dieses Teil ist nämlich eine Rennyacht, die mit 18 Knoten – das sind 33,336 km/h – auf einen Steinklotz aufgelaufen ist, der 30 Kilometer lang ist. Der größte Teil dieses Steines liegt auf eine perfide Art leicht unter dem Wasser, wo man ihn wirklich nicht sehen kann. Man kann ihn vielleicht erahnen, wenn man auf den Zettel guckt, auf dem groß „Seekarte“ steht. So alle paar Stunden sollte man das machen. Bestenfalls einmal am Tag. Also das ist jetzt nur eine Empfehlung.

Der liebe Onkel hier sagt euch mal was: Ein Rennen ist immer gefährlich. Die Gefahr viel zu groß, dass man nur ans Gewinnen denkt und dann – ohne dass man es merkt – alles andere außer acht lässt. Ich meine wirklich „alles“ außer Acht lassen, denn außer diesem ehemaligen Vulkan gibt es dort wirklich nichts. Also: ziehen wir mal alles ab, was an dieser Stelle – an diesem Foto – so unwichtig ist, dann haben die Alkoholiker auf diesem Schiff wirklich ALLES außer Acht gelassen. Im Prinzip sogar sich selber. Einen dreißig mal zehn mal drei Kilometer großen Stein.

In segler-geschwängerten Foren des Netzes ist eine Debatte darüber entbrannt, ob man zu diesem Fall sagen darf, dass die, die diesen Unfall verursacht haben, absolut kirre sind. Bobby Schenk tat sich als Moralapostel hervor – und wurde wüst beschimpft. Ich würde sagen: Nein. Diese Menschen sind nich kirre, sie sind absolut seriös. Diese Typen haben so gar keine Scheu vor solchen Kleinigkeiten, denn sie sind kurz darauf weiter gefahren. Haben das Schiff gewechselt. Rennfahrer ist eben Rennfahrer.

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